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Nach Niederlage gegen Gladbach : Den Mainzern fehlt die letzte Präzision

Beste Mainzer Chance: Aber auch Karim Onisiwo verfehlt das Tor. Bild: Imago

Trainer Sandro Schwarz zeigt sich nach dem 0:1 gegen Mönchengladbach „tierisch“ genervt. Denn die Mainzer präsentieren sich in vielen Bereichen dominant. Dennoch scheint etwas zu fehlen.

          Sandro Schwarz stand mit eindeutiger Gestik am Spielfeldrand. Er senkte immer wieder beide Arme, wollte seine Spieler zu mehr Ruhe animieren. Allein – der Trainer drang nicht durch. Es blieb am Samstagabend beim 0:1 gegen die harmlose Mönchengladbacher Borussia in einem Fußball-Bundesligaspiel, dem es nicht an spielerischer Qualität, aber an Torszenen mangelte. Und so genügte der Elf vom Niederrhein ein Treffer durch Nico Elvedi nach einem Eckball für den Auswärtssieg (64. Minute). Mainz 05 hat nun fünf der jüngsten sechs Bundesligaspiele verloren und muss am kommenden Sonntag (18 Uhr) beim Gastspiel bei Bayern München mit einer weiteren Niederlage rechnen. Gefahr ist für die nun auf Tabellenrang 13 abgerutschten Rheinhessen freilich bei weiter elf Punkten Vorsprung vor dem Relegationsrang 16 nicht im Verzug.

          „Es nervt tierisch, so wie heute zu verlieren“, sagte Schwarz. „Wir haben gerade in der ersten Halbzeit gut gespielt, waren aber leider zu überhastet im letzten Drittel. Das ist aber eben halt auch das Schwerste im Fußball.“ Und es ist der Mangel, der sich bei Mainz 05 wie ein roter Faden durch die Saison zieht: Bis zum Strafraum spielen die Mainzer oft bemerkenswert dominant, sie finden taktisch gut eingestellt freie Räume und wissen ihren Ballbesitz konstruktiv zu nutzen. Aber dann gehen ihnen oft die Lösungen aus. „Vor allem in der ersten Halbzeit hatten wir viele gute Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte, aus denen wir aber auch einfach mehr machen müssen“, sagte Kapitän Stefan Bell. „Wir haben bestimmt 20 Flanken reingebracht, aber sind fast nie zum Kopfball gekommen.“ Borussen-Torhüter Yannik Sommer bekam deshalb in 90 Minuten trotz langer Mainzer Drangphasen nur einmal einen Ball in die Hände bei einem Schüsschen von Levin Öztunali. Alle anderen Torschussversuche verfehlten das Ziel. Es ist die fehlende Durchschlagskraft, die Kombination aus Freilaufverhalten und Präzision, die den Mainzern den Weg zum gefährlicheren Auftreten erschwert. Bis auf den spät eingewechselten Karim Onisiwo hatte kein Stürmer auffällig gute Laufwege anzubieten, die dem Pass- oder Flankengeber erst die Möglichkeit zu einer Flanke bieten. Onisiwo verfehlte freilich in seiner besten Szene das Tor ebenfalls knapp. Und die Vorbereiter wiederum bringen ihre Zuspiele nicht mit jener Präzision an den Mann, die vonnöten wäre. „Wir müssen da effizienter werden“, sagte Schwarz. „Wir müssen lernen, die Ruhe im letzten Drittel zu bewahren und mit Flanken präzise den Mann zu treffen.“

          Der 40 Jahre alte Trainer will offensichtlich nicht mehr das junge Durchschnittsalter seines Teams als Erklärung akzeptieren, stattdessen erwartet er individuelle Entwicklungsschritte seiner Spieler, die zuletzt aber bezüglich der Effizienz großteils ausgeblieben sind. Das betrifft nicht nur die Offensivspieler, sondern auch die Abwehrspieler. So schlecht die Quoten der Stürmer beim letzten Pass, der Flanke oder beim Torschuss sind, so zuverlässig leisten sich die Männer in der hintersten Reihe bei gegnerischen Standards Aussetzer. Beim Mönchengladbacher Siegtreffer standen sowohl Stefan Bell von Vorbereiter Tobias Strobl wie auch Moussa Niakhaté vom Torschützen Elvedi zu weit entfernt. Sie hätten zwar wohl nicht den jeweiligen Ball klären, aber zumindest den jeweiligen Gegenspieler mit Körpereinsatz so unter Druck setzen können, dass diesere den Ball nicht wie gewünscht hätte kontrollieren können.

          „Wir müssen da näher am Mann sein“, sagte Schwarz unmissverständlich. Ihn bewegte, dass sich neben der Arbeit an der Quote in der Offensive auch diese zweite Baustelle, die in den vergangenen Wochen Ursache für einige Gegentore nach Standards war, derzeit nicht schließen lässt. Bei seinen Worten wirkte Schwarz bedient, aufgewühlt wegen der vergebenen Chance auf einen Heimsieg. Und nicht mal Pressesprecherin Silke Bannick oder sein Medienberater hätten ihn in diesem Moment mit Gesten beruhigen können.

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