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Wahl in Rheinland-Pfalz : Mainzer-SPD-Chef verliert Landtagsmandat

  • -Aktualisiert am

Muss sich Gedanken um die Zukunft machen: Johannes Klomann verliert sein Landtagsmandat. Bild: privat

Die SPD hat ihren Regierungsanspruch in Rheinland-Pfalz untermauert. Ministerpräsidentin Malu Dreyer geht gestärkt aus der Wahl hervor. In Mainz allerdings wird Johannes Klomann der schlechte Listenplatz zum Verhängnis.

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          Die rheinland-pfälzische SPD hat bei den Landtagswahlen am Sonntag einen unerwartet deutlichen Sieg eingefahren. Das Ergebnis von 35,7 Prozent der Stimmen stellte für ihren Vorsitzenden Roger Lewentz „auch bundesweit eine Sensation“ dar, eine Fortsetzung der Ampelkoalition mit Grünen und FDP ist wahrscheinlich, worüber sich auch die Vorsitzende der liberalen Landtagsfraktion, die Mainzerin Cornelia Willius-Senzer, freute: „Das zeigt, dass wir gut gearbeitet haben und die Bürger uns vertrauen.“

          Nicht ganz so reibungslos verlief für die Sozialdemokraten der Kampf um die drei Mainzer Wahlkreise. Zwar setzte sich im neugeschaffenen Wahlkreis 29, der mehrere äußere Stadtteile mit der Verbandsgemeinde Bodenheim zusammenfasst, Patric Müller ungefährdet durch. Der Gau-Bischofsheimer Ortsbürgermeister holte 34 Prozent der Erststimmen. Hannsgeorg Schönig, der Vorsitzende der Mainzer CDU-Stadtratsfraktion, holte 29,3 Prozent.

          Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

          Im Wahlkreis 28 mit den Stadtteilen Mombach, Gonsenheim, Bretzenheim, Hechtsheim und Weisenau schrumpfte Doris Ahnens nach den ersten ausgezählten Stimmbezirken sehr großer Vorsprung zwar zusammen. Letztlich aber setzte sich die SPD-Finanzministerin mit 30,7 Prozent der Erststimmen gegen die Mainzer CDU-Vorsitzende Sabine Flegel (27,0) durch. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich im Wahlkreis 27 mit den vier Innenstadtteilen Johannes Klomann und Katharina Binz (Die Grünen). Der SPD-Chef der Landeshauptstadt hatte am Ende mit 29,2 Prozent gegenüber 29,6 Prozent das Nachsehen - mit Folgen: Klomann verliert sein Landtagsmandat, da er über die Liste auf Platz 36 nicht ausreichend abgesichert war. Zu viele hinter ihm plazierte Parteifreunde sicherten sich ihren Wahlkreis, sodass Klomann nicht eines der 40 SPD-Mandate bekommt. „Es geht mir nicht so gut“, sagte er Im Gespräch mit der „Mainzer Allgemeinen“. Für den 44 Jahre alten Klomann bedeutet das, dass er nach einer Legislatur im Parlament als Vollzeit-Politiker sich beruflich neu orientieren muss. Bei der Kommunalwahl hatte er bereits seinen Posten als Ortsvorsteher eingebüßt, auch damals gegen eine grüne Konkurrentin. Er führt dies darauf zurück, dass seine Stammbezirke in der Mainzer Neustadt im Wandel seien, wovon die Grünen profitierten.

          Königin von Rheinland-Pfalz: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) geht gestärkt aus der Landtagswahl hervor.
          Königin von Rheinland-Pfalz: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) geht gestärkt aus der Landtagswahl hervor. : Bild: dpa

          Die Mainzer Grünen werden auch deshalb mit zwei Personen im neuen Parlament vertreten sein. Neben Binz zieht über die Landesliste erstmals Fabian Ehmann in den Landtag ein; er steht als Vertreter der Grünen Jugend an achter Stelle, seine Partei kann mit neun Mandaten rechnen. 19 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 28 waren für ihn mehr als ein Achtungserfolg. Wichtiger seien aber die rund 17 Prozent für die Liste, man habe schließlich eine Zweitstimmenkampagne gefahren, sagte er. „Als Mainzer Grüne haben wir ein solides Ergebnis für die Landespartei beigesteuert.“ Die Themen, denen Ehmann sich als Abgeordneter widmen will, ergeben sich aus seiner Vita: Klimaschutz – er hat erneuerbare Energien und Energiewirtschaft studiert –, Jugendbeteiligung, aber auch die Verkehrswende. Keine Chance hatte derweil der ehemalige Fraktionsvorsitzende Daniel Köbler, der einige Plätze zu weit hinten auf der Landesliste nominiert worden war.

          Gerd Schreiner (CDU), seit 23 Jahren Landtagsabgeordneter, war im Innenstadtwahlkreis chancenlos und kam lediglich auf 16,9 Prozent der Erststimmen – beim vorigen Mal waren es noch 24,8. „Wir haben alle einen Kloß im Hals“, gab er die Stimmung in seiner Partei angesichts des 26,5-Prozent-Debakels nach 31,8 Prozent im Jahr 2016 wieder. Aber man betreibe Politik nicht für das gute Gefühl am Wahlabend, sondern für eine bessere Politik, sagte er. In seiner Funktion als Generalsekretär der Landes-CDU forderte er SPD-Chef Lewentz zu „einer breiten Sondierung“ auf. Der gab zu verstehen, dass es einen klaren Regierungsauftrag gebe – eine große Koalition sei immer nur eine Notlösung.

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