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Mainzer Gutenberg-Museum : Weniger ist mehr

  • -Aktualisiert am

Soll eine neue Hülle bekommen: das Gutenberg-Museum in Mainz Bild: dpa

Dem Mainzer Gutenberg-Museum soll zu einer passenden Hülle und angemessenen Schauräumen verholfen werden. Bleibt zu hoffen, dass genau abgeklopft wird, was eventuell doch verzichtbar wäre.

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          Es bleibt eine Herausforderung, das vor 120 Jahren von Bürgern der Stadt gegründete Mainzer Gutenberg-Museum so umzubauen, dass es eine Zukunft hat. Obwohl das Vorhaben inzwischen deutlich besser vorbereitet zu sein scheint als beim ersten Versuch, mit dem man vor drei Jahren krachend gescheitert ist. Einen bronzefarbenen Bibelturm mit Metallbuchstabenfassade wollten die meisten Mainzer nicht auf ihrem geliebten Liebfrauenplatz haben. Und die unausgereiften Finanzierungspläne für die unstrittig dringend notwendige Museumsmodernisierung vermochten damals auch nicht zu überzeugen. So gesehen, hat sich seit 2018 vieles verändert und gebessert: neben dem Szenographiekonzept gibt es inzwischen eine klare Standortentscheidung, seit Neuestem eine Machbarkeitsstudie und vor allem konkrete Gespräche darüber, wie das Land und gegebenenfalls ja auch der Bund bei dem 60-Millionen-Projekt einzubinden wären.

          So soll dem Weltmuseum der Druckkunst, das unter anderem zwei Gutenberg-Bibeln zeigen kann, zu einer passenden Hülle und angemessenen Schauräumen verholfen werden.

          Kurz innehalten und Luft holen

          Leicht wird das alles nicht: weil unter dem Motto „Die Zukunft kann nicht mehr warten“ auf engstem Raum etwas möglichst Großes geschaffen werden soll. Wenn allerdings, wie geschehen, schon bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie mehrfach Aussagen wie „massives Bauwerk“ und „große Baumasse“ fallen, ist es an der Zeit, kurz innezuhalten und Luft zu holen. Denn genau darum geht es: dem später einmal aus insgesamt vier irgendwie miteinander zu verbindenden Solitären bestehenden Museumsquartier die notwendige Leichtigkeit und Luftigkeit zu bewahren. Denn an einem vollgepfropften und nahezu komplett überbauten Areal hätten auf Dauer wohl weder Besucher noch Mitarbeiter des Hauses ihre Freude.

          Bleibt zu hoffen, dass der beabsichtigte Architektenwettbewerb dafür die richtigen Entwürfe liefert, damit sich die benötigten Neubauten möglichst „diskret und dezent“ – diese Begriffe waren bei der Vorstellung der Studie zum Glück auch zu hören – in die eher kleinteilige Mainzer Altstadt einfügen. Parallel dazu sollte das Team von Direktorin Annette Ludwig schon jetzt damit beginnen, das vor Jahren erstellte Szenographiekonzept des Büros Brückner selbst noch einmal daraufhin abzuklopfen, was eventuell doch verzichtbar wäre. Aus Angst davor, in einer Welt des Überflusses an Informationen und Produkten überfordert zu werden, heißt es nicht ohne Grund immer häufiger: Weniger ist mehr.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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