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Ein soziales Insekt : Die komplexe Sprache der Bienen

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Ausdruckstanz: Bienen kommunizieren auf sehr komplexe Art und Weise. Bild: dpa

Mehr als nur Summen und Tänzeln: Bienen sind sehr soziale und gesprächige Insekten. Ein Biologe spricht sogar von der komplexesten Kommunikation von Nicht-Primaten.

          Christoph Grüter deutet durch die Scheibe eines Beobachtungskastens auf eine Biene. Das Tier hat gelbe Pollen am Hinterleib und bewegt sich hektisch in der krabbelnden Masse des Volkes im Bienenstock. „Das ist der Schwänzeltanz“, erklärt der Biologe der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität. Damit informiere es, wo es eine lohnenswerte Nahrungsquelle gefunden habe. Grüter vom Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie erforscht das in vielerlei Hinsicht noch immer rätselhafte Sozialverhalten der gelb-schwarzen Tierchen.

          Insgesamt 16 Bienenvölker hat der in der Schweiz geborene Grüter unter seinen Fittichen, sie sind verteilt auf mehrere Stellen auf dem Mainzer Uni-Campus. Auf bis zu 50.000 Tiere kommt ein Volk, wie der Biologe erzählt. Er setzt in Mainz auf die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica). Die sei bei Imkern beliebt, weil sie nicht aggressiv sei. Zu seinem tierischen Forschungsfeld kam Grüter einst, weil er Spanisch lernen wollte. Für einen Job landete er in einem Bienenlabor in Argentinien und das Thema ließ ihn nicht mehr los.

          Herausfinden möchte er, wie sich Bienen untereinander verständigen, unter welchen Bedingungen sich das Lernverhalten ändert und welche Faktoren das Wohlbefinden eines Volkes bestimmen. Insgesamt gibt es dem Experten zufolge weltweit rund 20.000 Bienenarten, nur 1000 davon seien sozial. „Die meisten Bienen sind Einzelgänger“, räumt Grüter mit einem verbreiteten Vorurteil auf.

          Der Schwänzeltanz

          Ein Beispiel für die bei manchen Arten sehr komplexe und besondere Kommunikation zwischen Honigbienen ist der Schwänzeltanz. Damit zeigten Sammlerinnen an, dass sie eine lohnenswerte Pollen- oder Nektarquelle aufgetan haben, sagt Grüter. Die Honigbiene in dem Beobachtungskasten, auf die Grüter zeigt, tanzt mit dem Kopf in eine bestimmte Richtung. Damit zeige sie, wo die Pollenquelle sei, sagt er. „Sie tanzt Richtung vier Uhr, also lohnt es sich dort.“

          Jede Sekunde, die sie schwänzele, entspreche einer Entfernung von rund 750 Metern, bei einem zweisekündigen Tanz sei ein blühendes Feld beispielsweise anderthalb Kilometer weg. „Das ist etwas ganz Besonderes bei der Honigbiene“, sagt Grüter. Das Grundprinzip des Schwänzeltanzes habe einst Karl von Frisch ergründet und für seine Arbeiten in der Verhaltensforschung auch den Nobelpreis bekommen. In Mainz werden die Tänze mit einer Kamera gefilmt. „Der Schwänzeltanz gilt als komplexeste Kommunikation eines Nicht-Primaten“, sagt Grüter. Das zeige, dass Insekten nicht die „einfachen Reflexmaschinen“ seien, als die sie manche ansehen würden.

          Vor einigen Jahren fanden Forscher der Uni Würzburg sowie aus Australien und China sogar heraus, dass Bienen sozusagen „Fremdsprachen“ lernen können, dass etwa Asiatische Honigbienen innerhalb weniger Wochen die tänzerische Sprache ihrer weit entfernt lebenden europäischen Verwandten lernen können.

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