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Mainzer Forschung : Neuer Ansatz zur Behandlung von Corona-Kranken

Forscher arbeiten intensiv an der Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Bild: dpa

Ein Forscherteam der Mainzer Uni-Medizin hat einen neuen Ansatz zur Behandlung von Corona-Infektionen entdeckt. Demnach könnte ein gerinnungshemmendes Protein bei schweren Covid-19-Verläufen helfen.

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          Ein Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz hat einen neuen Ansatz zur medikamentösen Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass das gerinnungshemmende Protein rNAPc2 (recombinant Nematode Anticoagulant Protein c2) eine vielversprechende Behandlungsoption bei schweren Covid-19-Verläufen darstellt.

          Daniel Schleidt
          Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Demnach soll der Wirkstoff direkt auf die Blutgerinnung wirken und das Potenzial haben, Gerinnungsstörungen und damit einhergehende Entzündungen bei SARS-CoV-2-Infektionen zu verhindern, die eine zentrale Rolle dafür spielen sollen, wie sich Covid-19 bei Patienten entwickelt. Ausgehend von den Forschungsergebnissen, hat die Universitätsmedizin Mainz bereits eine Vereinbarung zur Übertragung von Patenten mit dem Wirkstoffinhaber ARCA biopharma abgeschlossen. 

          „Bereits zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie hat es Hinweise auf ein deutlich erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln vor allem bei Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen gegeben“, berichtet Wolfram Ruf, Wissenschaftlicher Direktor des Centrums für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz, der die Untersuchungen am Klinikum geleitet hat. Die häufige Thrombosebildung bei den Betroffenen beruhe auf einer erhöhten Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Diese sogenannte Hyperkoagulation werde auf eine entzündliche Reaktion im Zuge der SARS-CoV-2-Infektion zurückgeführt.

          Das Protein rNAPc2 greift direkt in die frühen Prozesse der Blutgerinnung ein, indem es den sogenannten Gewebefaktor hemmt, ein Protein, das die Blutgerinnung aktiviert und eine zentrale Rolle bei der Entzündungsreaktion im Rahmen von Virusinfektionen und bei der Virusverbreitung spielt, heißt es. Damit unterscheide sich der Wirkmechanismus von rNAPc2 grundlegend von der Wirkweise des bisher zur Thromboseprophylaxe bei Covid-19-Patienten eingesetzten Gerinnungshemmers Heparin. 

          Klinische Studie für Behandlung von Covid-Patienten

          Bereits seit Dezember 2020 wird der Wirkstoff in einer klinischen Phase 2b-Studie von ARCA biopharma bei stationär behandelten Covid-19-Patienten mit erhöhten Blutgerinnungswerten untersucht. Dabei soll herausgefunden werden, ob durch eine Behandlung mit dem Protein Thrombosen besser verhindert werden können als durch die Standardtherapie mit dem Gerinnungshemmer Heparin. Die Forscher hoffen, durch die neue Therapie Thrombosen bei Corona-Patienten verhindern und die mit der Gerinnungsaktivierung einhergehende Entzündungsreaktion unterdrücken zu können.

          Neben der Arbeitsgruppe von Wolfram Ruf sind insbesondere Wissenschaftler des Instituts für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Mainz unter der Leitung des Direktors Karl Lackner sowie die Stabsstelle Technologietransfer der Universitätsmedizin Mainz an dem Projekt beteiligt.

          Keimzelle für wegweisende Erkenntnisse

          „Die Forschung zum Einsatz von rNAPc2 bei Covid-19 zeigt einmal mehr, dass die Universitätsmedizin Mainz Keimzelle für wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse ist. Neben den Grundlagen für den Covid-19-Impfstoff von BioNTech wurde in Mainz jetzt auch die Basis für eine neue, erfolgversprechende medikamentöse Behandlungsmöglichkeit geschaffen“, betont Ulrich Förstermann, Wissenschaftlicher Vorstand und Dekan.

          Im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung mit der Universitätsmedizin Mainz erhält das US-Biotechunternehmen ARCA biopharma die weltweiten Patentrechte für die Verwendung von rNAPc2 als potenzielle Therapie bei Covid-19. „Wir freuen uns, durch unsere Kooperation mit ARCA biopharma die Entwicklung von rNAPc2 für die klinische Anwendung weiter voranzutreiben und damit einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Eindämmung der Pandemiefolgen leisten zu können“, kommentiert Christian Elsner, Kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz.

          Weitere Indikationen im Blick

          Der Vertrag beinhaltet Vorab- und Meilensteinverpflichtungen für ARCA biopharma, die sich auf bis zu rund 1,6 Millionen Euro belaufen. Hinzu kommen Lizenzgebühren an die Universitätsmedizin Mainz, sobald rNAPc2 die Zulassung für die Behandlung von Covid-19-Patienten erhält und vermarktet wird.

          Wenn sich rNAPc2 in den klinischen Studien bei Covid-19 als erfolgreich erweist, könnte dies eine Anwendung bei weiteren thrombo-inflammatorischen Erkrankungen ermöglichen. Dazu zählt unter anderem das Antiphospholipid-Syndrom (APS), eine schwerwiegende Komplikation, die bei Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes auftreten kann.

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