https://www.faz.net/-gzg-8abe3

Mainzer Fastnacht : Brauchtum pflegen und zugleich besser vermarkten

Gemeinsam besser: Die Mainzer Karnevalsvereine und Garden schließen sich zur Genossenschaft zusammen. Bild: Cornelia Sick

In Mainz knallen die Sektkorken schon weit vor dem Rosenmontagsumzug. Die neu gegründete Genossenschaft „Mainzer Fastnacht“ wird künftig für die Organisation und Vermarktung zuständig sein. Bei der Vorstandsbesetzung kam es zu einer Überraschung.

          Diesen 16.November, als im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz gegen 21 Uhr die Sektkorken durch den Spiegelsaal flogen, werden Stadthistoriker eines Tages womöglich als Wendepunkt bezeichnen. Gefeiert wurde die Gründung der gemeinnützigen Genossenschaft „Mainzer Fastnacht“, der 23 dem Volksfest seit langem verbundene Garden und Korporationen angehören. Sie alle wollen das närrische Treiben vor, während und nach dem Rosenmontagszug fortan besser, weil gemeinsam organisieren und im Idealfall auch effektiver vermarkten.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Nicht zuletzt die Terroranschläge in Paris dürften bei dem bis dato allein über die Straßenfastnacht herrschenden Mainzer Carneval-Verein (MCV) von 1838 den Wunsch noch einmal bestärkt haben, neue Mitstreiter zu finden. Schließlich wird es Jahr für Jahr schwieriger, eine Großveranstaltung mit rund 500.000 Zuschauern in Eigenregie und überwiegend mit ehrenamtlichen Helfern auf die Beine zu stellen.

          Mainzer Carneval-Verein im Vorstand vertreten
           

          In Zukunft soll die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden. Dies gelte sowohl mit Blick auf mögliche Risiken, etwa die finanziellen Folgen einer Zugabsage, als auch hinsichtlich eventuell zu erwirtschaftender Gewinne, die an die Genossenschaft fließen und ausnahmslos für die Brauchtumspflege gedacht seien. Niemand werde sich mit dem Geld eine Geschäftsstelle bauen, hieß es nach der Gründungsversammlung im Schloss.

          Dass auch der MCV und noch dazu gleich mit zwei Repräsentanten – dem designierten Vereinspräsidenten Reinhard Urban im Vorstand und Michael Bonewitz als Schriftführer im Aufsichtsrat – in der neuen Narren-Organisation vertreten ist, kam doch etwas überraschend. Die Frage, wer wie viel Einfluss und Gewicht in der Runde besitzen solle, war zuvor lange kontrovers diskutiert worden. Letztlich haben sich die am Montag durchweg zufrieden und optimistisch wirkenden Gründer darauf verständigt, dass jeder in Mainz respektive der rechtsrheinischen AKK-Gemeinde beheimatete Fastnachtsverein maximal drei Anteile in Höhe von jeweils 1.500 Euro für sich beanspruchen darf. Von einem gewachsenen Gemeinschafts-, wenn nicht gar Familiengefühl sprach das Vorstandsmitglied Horst Seitz vom Mainzer Carneval-Club.

          Gemeinschaft soll „emotionalen Gewinn“ bringen

          Gemeinsam wolle man die Marke „Mainzer Fastnacht“ bundesweit bekannter machen. Dabei gelte es, das Positive vom Kölner Festkomitee zu übernehmen, zugleich aber das Mainzerische zu bewahren, sagte der zum Aufsichtsrat gehörende Oliver Kohl von der Gonsenheimer Füsiliergarde. Mainz stehe für das Ehrenamt und die zumindest weitgehende Werbefreiheit beim Umzug. Da die aktuelle Kampagne noch, wie gehabt, vom Mainzer Carneval-Verein verantwortet wird, bleibe der Genossenschaft genügend Zeit, um zusätzliche Mitglieder aufzunehmen und Detailfragen zu besprechen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Otto Armbrüster von der Prinzengarde.

          Es sei daran gedacht, künftig Wurfmaterialien, Orden und Stoffe gemeinsam und eventuell günstiger zu erwerben. Bei Verhandlungen mit Sponsoren lasse sich das von Weiberfastnacht bis zur Kappenfahrt dauernde sechstägige Volksfest als Komplettpaket womöglich besser verkaufen. Doch auch künftig soll der MCV mit seinen Ausschüssen und der Zugleitung im Auftrag der Genossenschaft den Rosenmontagszug auf die Beine stellen und allein darüber befinden dürfen, ob dieser oder jener Motivwagen gezeigt werde. Der frisch gewählte Vorstandsvorsitzende Urban, dessen erste Vertreterin Gabriele Ackermann von den Roten Husaren aus Kostheim ist, zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Gemeinschaft nicht nur in pekuniärer Hinsicht auszahle, sondern auch „emotionalen Gewinn“ bringe.

          Weitere Themen

          Waldsterben in Deutschland Video-Seite öffnen

          Trockenheit und Hitze in den Wäldern : Waldsterben in Deutschland

          Im Stadtwald Frankfurt geht es den befallenen Bäumen an den Kragen, während Forstwirte und Wissenschaftler der Goethe-Universität versuchen, südländische Baumarten anzusiedeln. Eine neue Hoffnung? Ein Ortsbesuch.

          Im Schatten Munchs

          Landschaftsmaler Sohlberg : Im Schatten Munchs

          In seiner Heimat ein Star: In Wiesbaden ist das Werk des Landschaftsmalers Harald Sohlberg zu sehen. Ein Ausblick auf Norwegen, im Herbst Gastland der Frankfurter Buchmesse.

          Topmeldungen

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze

          Klimaschutzpaket : Umweltministerin Schulze will das Fliegen teurer machen

          Schulze pocht auf ein höhere Luftverkehrsabgabe: Es könne nicht sein, dass auf bestimmten Strecken Fliegen weniger koste als Bahnfahren. Grünen-Chef Hofreiter warnt, es werde nicht reichen, der „CO2-Vergiftung“ nur ein Preisschild anzuhängen.

          Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

          Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.