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Reaktionen zum Fall Susanna F. : Schock und Trauer auf dem Lerchenberg

Kerzen und Blumen: Mainz trauert um die ermordete vierzehnjährige Susanna F. Bild: Sebastian Eder

Freunde und Nachbarn sind erschüttert über den Tod der 14 Jahre alten Susanna F. Unter die Trauer mischt sich Wut und Angst.

          2 Min.

          Am Donnerstagmittag löschte Diana F., die Mutter der getöteten Susanna, ihr Profilbild auf Facebook. Wer seitdem auf die Seite schaut, sieht nicht mehr das Foto einer fröhlichen Frau mit ihrem Verlobten – sondern nur noch Schwarz.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Im Minutentakt gehen Beileidsbekundungen auf der Seite ein. Neben Einträgen wie „Mit welchen Recht löscht jemand ein Leben aus?“ und „R.I.P“ finden sich auch politisch motivierte Aussagen: „Schuld daran: die ,tolle Politik‘“. Weil ihre Tochter seit dem 23. Mai kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hatte, richtete die Mutter sich in den vergangenen Tagen direkt an die Netzgemeinde. Und an Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil sie sich von Staat und Polizei im Stich gelassen fühlte. Via Facebook berichtete die aus Moldau stammende Diana F., dass sich Eltern die „Freunde der Kinder“ leider nicht aussuchen könnten, und dass es ihren „Engel“ häufig auf die andere Rheinseite verschlagen habe, wo sie sich öfter in der Wiesbadener Innenstadt aufhielt. Auch Kontakt zu Flüchtlingen soll sie gehabt haben.

          Als dann feststand, dass alles Hoffen am Ende vergeblich war, reagierten nicht nur die Menschen in den sozialen Netzwerken. Auch Freunde und Nachbarn vom Lerchenberg schauten in der Straße mit den „Scheibenhäusern“ vorbei. Dort liegen und stehen Blumen, Kerzen und Stofftiere vor der Tür. Der Partner der Mutter von Susanna F. sagt an der Gegensprechanlage, dass die Familie derzeit nicht in der Lage sei, öffentlich über den Fall zu sprechen. „Vielleicht in ein paar Tagen.“

          „Mir macht das richtig Angst“

          Wenig später kommt eine 73 Jahre alte Frau aus dem Nachbarhaus, die seit 50 Jahren hier wohnt. „Ich kannte das Mädchen schon, als es ganz klein war, ich habe oft mit der Mutter geredet“, sagt sie. Die Frau habe ihre Tochter immer in die Schule gebracht und abgeholt, „sie hatten ein sehr enges Verhältnis“. Dann steigen der alten Frau Tränen in die Augen. „Ich kriege da richtig Gänsehaut, das ist so furchtbar, ich habe selbst vier Kinder.“

          Ähnlich erschüttert ist auch eine 42 Jahre alte Italienerin, die ihre Mutter in einem der Häuser besuchen will. „Mir macht das richtig Angst, ich habe meinen beiden jugendlichen Töchtern gesagt, dass sie erst mal nicht mehr nach Wiesbaden gehen dürfen.“ Auch sie kannte Susanna vom Sehen, vor allem aus dem Einkaufszentrum um die Ecke, in dem sie arbeitet. „Sie war der ganze Stolz ihrer Mutter, die hat sie immer mitgenommen und sich gefreut, wenn man gesagt hat, wie groß sie geworden ist.“ Die Italienerin ist in dem Viertel auf dem Lerchenberg aufgewachsen.

          Es beschäftigt sie, dass ein Flüchtling verdächtigt wird, Susanna umgebracht zu haben, der seit Herbst vergangenen Jahres mehrfach polizeilich aufgefallen war. „Man müsste wirklich besser kontrollieren, wen man hier reinlässt“, sagt sie. „Wie kann es sein, dass jemand hier immer wieder auffällt, dann so etwas macht und einfach abhauen kann?“

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