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Vogelschutz in Mainz : Ein Heim für die Tauben

  • -Aktualisiert am

Taube im Anflug: Nicht gerade der beliebteste Bewohner der Stadt. Bild: Michael Kretzer

Tauben sind in Städten unbeliebt. Dennoch setzen sich Bürger und die Stadt Mainz jetzt für die Pflege der grau-blauen Vögel ein. Denn nur so lässt sich der Bestand kontrollieren.

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          Ihr Image ist wirklich nicht gut. Gewiss, weißgefiedert gelten sie als Symbol des Friedens, wobei schon der deutsche Sänger Hans Hartz in den achtziger Jahren auf ihre Müdigkeit hinwies. Sie bei einer Hochzeit in die Freiheit zu entlassen, gilt als romantisch. Den blau-grauen Stadttauben allerdings eilt der Ruf voraus, in allererster Linie Schmutz und Krankheiten zu verbreiten. Die Titulierung als „Ratten der Lüfte“ darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.

          Laura Böttcher widerspricht dem energisch. Die Gefahr, sich bei Tauben irgendwelche Krankheiten einzufangen, sei nicht größer als bei anderen Vögeln. Und damit verschwindend gering. „Wer zu Hause einen Wellensittich hält und den Käfig von Kot und Federn säubert, sollte einen Mundschutz tragen“, sagt sie. „Dasselbe gilt für die Reinigung eines Taubenschlags.“ Das war es dann aber auch schon.

          Mit der Taubenschlagreinigung kennt Böttcher sich aus. Sie ist die Vorsitzende des von ihr vor zwei Jahren gegründeten Vereins Stadttaubenhilfe. Nachdem sie diverse Male verletzte und halbverhungerte Tauben zur Pflege ins Tierheim gebracht hatte, sah sie es als ihre Aufgabe an, sich um dieses Thema zu kümmern. Das tun sie und ihre Mitstreiterinnen inzwischen auch unter dem Dach der Anne-Frank-Realschule in der Mainzer Innenstadt, wo sie einen in den neunziger Jahren eingerichteten, aber fast zwei Jahrzehnte stillgelegten Taubenschlag wieder in Betrieb nahmen.

          Regulierung des Bestands

          Mit der nach dem „Augsburger Modell“ geführten Behausung gelingt dem Verein ein Spagat. Einerseits trägt er dazu bei, das Leben der Tiere zu verbessern, die dort Wasser, Futter und – wahlweise auf dem Boden oder in den mit Blumentopfuntersetzern ausgestatteten Regalen – Plätze zum Brüten finden. Andererseits reinigen die ehrenamtlichen Helfer nicht nur zweimal wöchentlich das rund zehn Quadratmeter große Domizil, sondern tauschen zudem die Eier gegen Gipseier aus. „Auf diese Weise können wir die Taubenpopulation tierschutzkonform regulieren“, sagt Böttcher. Das Verfahren sei vom Veterinäramt abgesegnet.

          Ordnungsamt und Gebäudewirtschaft Mainz unterstützen die Arbeit. „Wir brauchen noch viel mehr solcher Taubenschläge“, befindet Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU). Zwar hat es in der Stadt noch keine Taubenzählung gegeben, dennoch ist klar, dass die 30 Tiere, die es sich in der Anne-Frank-Schule gemütlich machen, nur einen Bruchteil der Population darstellen. Allein im Tierheim würden jährlich 1000 Tauben abgegeben, berichtet Mitarbeiterin Dagmar Diehl. „Das sind ganz oft durch Tritte an den Kopf schwerverletzte Tiere. Andere haben sich an den zur Taubenabwehr auf Dächern angebrachten Spikes den Brustkorb aufgerissen.“

          Eigener Schlag für die Vögel

          Auch das Tierheim hält deshalb einen eigenen Schlag bereit, ansonsten ist Mainz in dieser Beziehung Brachland. Abgesehen davon, dass es Helfer braucht, die sich um Fütterung und Reinigung kümmern, „ist es nicht ganz so einfach, bei den Eigentümern geeigneter Gebäude Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt Burkhard Hofmann, Abteilungsleiter im Ordnungsamt. „Wir bemühen uns aber darum, ihnen klarzumachen, dass es auch für sie von Vorteil wäre, wenn die Tauben in einem Schlag lebten und nicht auf ihren Dächern hockten.“ Dezernentin Matz weist darauf hin, dass es auch für die Gebäudewirtschaft weitaus billiger sei, Schläge einzurichten, als für die Reinigungskosten an öffentlichen, insbesondere historischen Gebäuden aufzukommen.

          Niemand müsse befürchten, ein Taubenschlag locke zusätzliche Tiere an, versichert Böttcher. „Tauben sind standorttreu. Und die Schläge werden nur dort eingerichtet, wo ohnehin schon eine größere Gruppe lebt.“ Wer den Tieren (und den Hausbesitzern) etwas Gutes tun wolle, könne den Verein als Helfer oder finanziell unterstützen, sagt Matz. Was man nicht tun sollte: Tauben füttern in der Stadt, außerhalb der speziellen Schläge. „Das führt dazu, dass sich die Population vergrößert, und wird deshalb mit 55 Euro bestraft.“

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