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Mainz : „Rathaussanierung wird mit jedem Jahr teurer“

Schattenseite: Blick in den Innenhof des Mainzer Rathauses. Bild: Kretzer, Michael

Der 1973 eröffnete Jacobsen-Bau muss erneuert werden. Weil 50 Millionen Euro nicht reichen werden, will der Oberbürgermeister jetzt die Mainzer selbst entscheiden lassen.

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          Weil die Fassade schwer geschädigt ist und Steine herabfallen könnten, wird der Eingang des ohnehin von Bauzäunen umstellten Mainzer Rathauses seit kurzem noch dazu durch ein schützendes Gerüst überspannt. Das soll den Mitarbeitern der Verwaltung und den Besuchern des mehr als 40 Jahre alten Arne Jacobsen-Baus ein gefahrloses Ein- und Ausgehen ermöglichen. Und besser hätte man die Teilnehmer des Pressegesprächs, in dem es am Dienstag um die seit Jahren diskutierte Sanierung des Gebäudes ging, wohl kaum auf das Thema einstimmen können. Die Zeit dränge, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) mit Blick auf „jahrzehntelange Versäumnisse“. Deshalb erwarte er von den Ratsfraktionen eine schnelle Entscheidung. Die völlig marode Klimaanlage beispielsweise könne trotz einfallsreicher Haustechniker jeden Tag ausfallen.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Der vom Rat im Dezember 2015 für eine umfassende Modernisierung des denkmalgeschützten Hauses vorgegebene „Deckel“ in Höhe von 50 Millionen Euro wird nach derzeitigem Stand jedoch nicht ausreichen. Deshalb will Ebling die Mainzer mittels Bürgerentscheid darüber befinden lassen, ob ihnen die Ertüchtigung des von Architekten oft gepriesenen, in der Stadt aber umstrittenen Bauwerks auch gut 60 Millionen Euro wert wäre. Mit jedem Jahr, das noch gewartet werde, stiegen die Baukosten weiter, sagte der als „Rathausbeauftragter“ für das Projekt zuständige Ferdinand Graffé. Gemeinsam mit dem Architekten Stefan Nixdorf von der als Generalplaner beauftragten „agn Niederberghaus & Partner GmbH“ zeichnet er für die auch auf den Internetseiten der Stadt einzusehende Bestandsaufnahme sowie verschiedene Sanierungsvorschläge verantwortlich.

          Das Skelett des 1973 eröffneten Rathauses sei, von zu erwartenden Betonschäden abgesehen, so weit in Ordnung. Ganz im Gegensatz zur Fassade, für die laut Nixdorf mit dem Naturstein Porsgrunn schlicht ein auf Dauer ungeeignetes Material ausgewählt wurde. Die als Sonnenschutz und Gestaltungselement gedachten großen Gitter vor den nicht zu öffnenden Fenstern müssten ebenfalls neu befestigt werden. Von der Haustechnik lasse sich nichts retten. Noch dazu sei an Schadstoffen „alles verbaut worden, was man heutzutage in Decken und Wänden nicht mehr haben will“. Die Beseitigung und Entsorgung der Altlasten dürfte allein schon drei Millionen Euro kosten.

          Anforderungen und Alternativen

          Darüber hinaus empfehlen die agn-Planer, das Haus während der Sanierung an einigen Stellen aufzuwerten. So könnte ein frei zugängliches „Bürgerdach“ entstehen, die Kantine an das Rheinufer verlegt sowie neue Zugänge und eine für größere Veranstaltungen gedachte, zweistöckige Bürgergalerie geschaffen werden. Das Wichtigste sei jedoch, dass die knapp 400 Beschäftigten endlich moderne Arbeitsplätze erhielten und die Bürger noch besser bedient werden könnten, lautete Eblings Fazit. Er wünscht sich, dass sich der Stadtrat zügig und mit großer Mehrheit auf das weitere Vorgehen einige.

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          Die von der CDU immer wieder einmal ins Spiel gebrachten Varianten – Umzug ins Kurfürstliche Schloss oder Neubau auf einem freien Grundstück – hält Ebling aus vielerlei Gründen für unrealistisch und zu teuer. Vor allem aber würde sich das Projekt dadurch auf Jahre hinaus verzögern. Entscheide man sich dagegen in der ersten Hälfte 2018 für eine Sanierung, wäre es im Idealfall wohl möglich, den Jacobsen-Bau zwischen 2020 und 2022 von Grund auf zu ertüchtigen.

          Andernfalls müsse die Stadt überlegen, wie sie mit dem maroden Bau umgehen wolle. Kurzfristig sähe Ebling nur die Möglichkeit, die Verwaltung als Mieter oder Eigentümer in den bald freiwerdenden Räumen der Landesbank Baden-Württemberg/Westdeutsche Immobilienbank an der Großen Bleiche unterzubringen. Ein entsprechendes Angebot der für die Vermarktung zuständigen Aareal Estate AG gelte bis Juni 2018. Außer dem Kaufpreis von zirka 25 Millionen Euro sei das als Rathaus nicht optimal geschnittene Gebäude aber auch noch umzubauen und zu modernisieren. Allerdings werde der Platz nicht reichen, um Mitarbeiter und Fraktionen aufzunehmen. Weshalb die Stadt weitere Flächen anmieten müsste, was laut Schätzungen jährlich rund 500 000 Euro zusätzlich kosten dürfte.

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