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Mainz-Kolumbianer Soto : „Für die WM würde ich alles in Kauf nehmen“

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Ausreißversuch: Elkin Soto müht sich, dem sehr anhänglichen Sebastian Rode zu entwischen. Bild: REUTERS

Bei Mainz 05 ist er Publikumsliebling und Führungsspieler. Mit seinem Nationalteam hat er die WM-Qualifikation geschafft - ist aber zuletzt nicht nominiert worden.

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          Tut es mal gut, nicht bei der Nationalmannschaft zu sein und stattdessen eine Erholungspause einlegen zu können?

          Ich bin froh, wenn ich bei der Nationalmannschaft bin. Ich bin aber auch immer froh, wenn ich in Mainz bin. Vielleicht hilft mir jetzt die Pause, nach einer Zeit mit kleinen Verletzungen wieder besser in Form zu kommen.

          Sie sind in den vergangenen Monaten und Jahren ständig um die Welt geflogen, um in der kolumbianischen Nationalmannschaft immer wieder auf der Bank zu sitzen. Jetzt, wo Ihr Team am vergangenen Donnerstag in Belgien (2:0) und am heutigen Dienstag in den Niederlanden spielt, sind Sie nicht nominiert. Ist das nicht ärgerlich?

          Natürlich bin ich enttäuscht, vor allem da es gegen starke Gegner geht. Aber ich akzeptiere natürlich die Entscheidung von Nationaltrainer Pekerman für andere 23 Spieler.

          Sind die Chancen auf die WM nun gesunken?

          Es sind nur noch wenige Testspiele bis zur WM. Das macht es nicht leichter. Aber ich muss mich eben umso mehr auf meine Leistungen in Mainz konzentrieren, um eine Chance zu bekommen, auf den WM-Zug aufzuspringen.

          In Mainz sind Sie Publikumsliebling. Ihr Präsident Strutz schätzt Sie gar als einen der besten Bundesligaspieler ein. Fehlt Ihnen diese Form der Anerkennung im Nationalteam?

          Ich bin extrem glücklich, dass ich in Mainz so beliebt bin bei Teamkameraden, Fans und sogar dem Präsidenten. Ich fühle mich auch dank des Trainers als wichtiger Teil der Mannschaft. Das tut mir sicher gut. In der kolumbianischen Mannschaft spüre ich auch Geborgenheit und Anerkennung, auch vom Trainer. Aber da sind nun einmal sehr viele sehr gute Spieler wie Radamel Falcao. Da ist es schwerer, in Erscheinung zu treten.

          Die Nationalmannschaft kostet Sie sehr viel Kraft wegen der Reisen, Sie verpassen meist den Großteil der Sommer-Vorbereitung. Muss man als Sportler das alles in Kauf nehmen, weil die WM so ein großer Traum ist?

          Es ist der Traum eines Fußballers, beim wichtigsten Wettbewerb überhaupt dabei zu sein. Deshalb gibt es gar keinen Zweifel daran, dafür alles in Kauf zu nehmen. Ich war auch immer dabei und bin Teil einer Einheit, die sich den Traum von der WM erfüllt hat.

          Wie anstrengend ist denn so ein Trip zur Nationalmannschaft nach Südamerika?

          Wir reisen sehr angenehm in der Business Class. Das ist nicht so anstrengend. Auch im Training der Nationalmannschaft wird Rücksicht genommen darauf, dass die Spieler nicht überlastet werden und im Rhythmus bleiben für Ihre Klubs. Nur die Zeitumstellung kostet etwas Kraft.

          Wie sind Mainz 05 und Sie eigentlich zusammengewachsen, obwohl der Beginn 2007 mit einer Verletzung und einer langen Fifa-Sperre wegen eines Streits um Transfermodalitäten mit ihrem alten Verein recht unglücklich verlaufen war?

          Mainz 05 war für mich ein Glücksfall. Ich fühle mich hier wohl, es gab einige sensationelle Momente, die ich hier erleben durfte.

          Welche Momente sind das?

          Man hat mir hier im Verein und in der Stadt immer das Gefühl gegeben, dass ich hier zu Hause bin. Ich wurde phantastisch unterstützt, als ich die Fifa-Probleme hatte oder verletzt war. Damals wurde sogar mein Vertrag trotzdem verlängert. Ich habe das neue Stadion erlebt, einen Aufstieg. Wir haben einmal Platz fünf erreicht und waren so gut wie noch nie mit dem Klub. Außerdem sind meine Töchter hier geboren. Und ich durfte eine neue Kultur und Sprache kennenlernen und auch das Land erkunden in meiner Freizeit.

          Sie hätten auch andere deutsche Klubs kennenlernen können. Warum haben Sie nie einen sportlichen Aufstieg gewagt, obwohl Sie sich in den Fokus gespielt haben in Mainz?

          Es war nie nötig, weil ich hier alles habe, was ich brauche. Die Entwicklung des Vereins passte zu meiner Entwicklung. Das hat ja auch mir geholfen, nach längerer Abstinenz von der Nationalmannschaft wieder nominiert zu werden.

          Als einer der Dienstältesten tragen Sie auch Verantwortung bei Mainz 05. Ihr Trainer fordert sogar, dass Sie mehr in eine Führungsrolle schlüpfen. Ist Ihnen das überhaupt recht, obwohl Sie stets sehr zurückhaltend wirken?

          Es ist richtig, dass ich Verantwortung übernehmen muss. Zwar hat jeder Verantwortung in einem Team, aber ältere Spieler müssen da etwas mehr übernehmen. Ich habe mich aber in dieser Saison lange schwergetan, weil ich nicht so gut in Form war. Dann kann man nicht führen. Ich bekomme aber langsam wieder das Selbstvertrauen, um wieder so zu spielen wie gewohnt. Mir hat wie auch dem Team der späte Sieg gegen Frankfurt gutgetan. So was setzt Kräfte frei.

          Ihr Trainer Thomas Tuchel hat Sie öffentlich kritisiert und gesagt, dass Sie selbst verantwortlich sind für Ihre fehlende Form. Wie haben Sie das verstanden?

          Die Kritik kommt natürlich an. Und das ist auch nicht schlimm. Es ist ja nicht nur der Trainer, der meine Leistungen hinterfragt. Auch die Fans sehen, dass nicht alles rund läuft. Sie fragen dann immer, ob es an den Reisen liegt. Das ist es aber nicht. Man kann nur einfach nicht immer die gleiche Leistung bringen.

          Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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