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Mainz : Furcht vor Flüchtlingen spaltet Nachbarschaft

Am Samstag will Gerüchten zufolge die NPD am Mainzer Schillerplatz eine Kundgebung abhalten Bild: Röth, Frank

Nun hat auch Mainz einen Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen: Spaz-Gebäude soll Heim für 60 Asylbewerber werden. Nicht jedem gefällt das.

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          Den Menschen in der Immenhof-Siedlung und am Holunderweg bleiben sechs Monate, um sich daran zu gewöhnen, dass sie neue Nachbarn bekommen. Und vielleicht mag die Vorstellung, dass im Frühjahr 2014 etwa „60 Fremde“ in dem gepflegten Mainzer Wohngebiet eine vorübergehende Bleibe finden, mit der Zeit ja doch an Schrecken verlieren. Dafür spricht der Verlauf der Informationsveranstaltung über die im Stadtteil Bretzenheim geplante Flüchtlingsunterkunft. Am Dienstag waren dazu rund 250 Bürger erschienen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Denn bei der von Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) geleiteten und bisweilen hitzig geführten Gesprächsrunde im Spaz-Zentrum - also in jenen erst noch umzubauenden Räumen, die bisher als Ausbildungsstätte für zum Teil schwer vermittelbare Jugendliche genutzt werden - nahm die anfangs vorherrschende Aufregung über das, was die Stadt da hinter dem Rücken der Anwohner ausgeheckt habe, im Laufe des Abends deutlich ab.

          Viele früh und frustriert gegangen

          Nicht zuletzt deshalb, weil viele von denen, die eine Flüchtlingsunterkunft in direkter Nachbarschaft für unzumutbar halten, früh und frustriert gegangen waren. So gewannen am Ende jene die Oberhand, die sich spontan etwa dazu bereit erklärten, Deutsch- oder Kunstkurse für die Vertriebenen anzubieten, sie anderweitig zu unterstützen oder aber doch wenigstens willkommen zu heißen. Die Unterbringung von Asylbewerbern sei keine freiwillige Leistung der Kommune, sagte Merkator, sondern eine Verpflichtung, die der Bund der Stadt auferlege. Nach dem „Königsteiner Schlüssel“ würden diese Menschen - derzeit vor allem aus Afghanistan, Pakistan, Somalia, Syrien, dem Irak und Iran - auf die Länder respektive die Städte und Kreise verteilt, so der Dezernent.

          Mainz müsse allein 2013 rund 240 Flüchtlinge aufnehmen, 119 seien schon da. Als kurzfristig verfügbare Unterkünfte habe sich das Ferienparlament auf zwei ehemalige Sozialwohnungsbauten an der Zwerchallee und das zum Jahresende frei werdende Spaz-Gebäude an der Wilhelm-Quetsch-Straße festgelegt. Der beige Flachbau in Bretzenheim soll von Januar an in ein Haus mit 15 Räumen umgebaut werden, ein jeder sei etwa 30 Quadratmeter groß und für bis zu vier Personen geeignet, beschrieb Thomas Will, Geschäftsführer der Wohnbau Mainz GmbH, die Planung. Bei anderen Fragen, etwa der Gestaltung des Außengeländes, wolle die Stadt gerne auch Anregungen der Nachbarn aufgreifen, bot Merkator an. Will versuchte, besorgte Grundstücksbesitzer mit dem Hinweis darauf zu beruhigen, dass in Mainz die Immobilienpreise stabil seien und die Nähe zu einer solchen Gemeinschaftsunterkunft keinen Wertverlust bedeute.

          „Unangemessener Betreuungsschlüssel“

          Die zunächst vorgesehene Unterbringung von 60 Flüchtlingen im ehemaligen „Hotel Waldhorn“ sei aktuell nicht möglich, weil der Bebauungsplan für das Gonsenheimer Villenviertel dies nicht hergebe, sagte Merkator, der eine spätere Belegung aber keineswegs ausschließen mochte. Alle Erfahrungen mit den vorhandenen Unterkünften - also in der Alten Ziegelei, in Zahlbach sowie neuerdings auf dem Hartenberg-Münchfeld - zeigten, dass es, wie die Polizei bestätige, dort zu keinerlei Auffälligkeiten komme.

          Kritik gab es gegen Ende vor allem an dem nach Ansicht vieler Zuhörer „unangemessenen Betreuungsschlüssel“. Demnach muss ein Mitarbeiter des damit beauftragten Malteser Werks derzeit für bis zu 150 Flüchtlinge sorgen. Was man nach Angaben des Sozialarbeiters Behrouz Asadi dank vieler ehrenamtlicher Helfer in mehr als zwei Jahrzehnten noch immer geschafft habe.

          Flachbau als „Dreh- und Angelpunkt“

          Obwohl die Versammlung nach gut einer Stunde eine laut Merkator „positive Wendung“ nahm, waren erwartungsgemäß nicht alle Zuhörer mit den Antworten zufrieden. Mancher fürchtete gar, Mainz könne als „zweites Lampedusa“ von einer Flüchtlingswelle überrollt werden. Andere würden das Gebäude lieber als Kindertagesstätte genutzt sehen, wobei es Merkator zufolge dafür in Bretzenheim auf absehbare Zeit keinen Bedarf gibt. Wieder andere bezeichneten die Fläche vor dem Flachbau als „Dreh- und Angelpunkt“ des gesamten Viertels und fürchteten, dort künftig von „beschäftigungslosen Jugendlichen“ belästigt zu werden.

          In die „rechte Ecke“ wollen sich jene, die gegen eine weitere Flüchtlingsunterkunft in Bretzenheim sind und sich auf rund 180 Unterstützerunterschriften berufen, nicht drängen lassen. Auch wenn sich etwa die rechtskonservative Bürgerbewegung Pro Mainz des Themas annimmt und in Flugblättern davor warnt, dass „radikale Islamisten aus Tschetschenien unter dem Deckmantel des Asylrechts nach Deutschland einreisen“ könnten. Am Samstag will Gerüchten zufolge die NPD am Mainzer Schillerplatz eine Kundgebung abhalten. Erste Parteien rufen schon zu Gegendemonstrationen auf.

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