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Mainz : Bahn will langsam zum Regelfahrplan zurück

In Mainz werden Bahnkunden weiter auf eine harte Probe gestellt - aber zum Monatsende soll alles besser werden Bild: dpa

Von Samstag an sollen wieder mehr Züge am Mainzer Hauptbahnhof halten. Die Deutsche Bahn verspricht, es werde am Stellwerk am Ort „bald zusätzliche Mitarbeiter“ geben.

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          Vom 31. August an soll am Mainzer Hauptbahnhof wieder der normale Fahrplan gelten - vorausgesetzt, dass sich im Stellwerk in den nächsten Wochen kein weiterer Mitarbeiter krankmeldet. Bis dahin müssten Reisende aber noch immer mit Sonderregelungen und Zugausfällen rechnen, hieß es nach einem Krisengespräch in der Staatskanzlei. Zu dem Treffen hatten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Infrastrukturminister Roger Lewentz (beide SPD) unter anderen Vertreter der Deutschen Bahn Netz AG und der Eisenbahngewerkschaft eingeladen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Pünktlich zum „Rheinland-Pfalz Open Air“, zu dem am Samstag rund 50.000 Besucher im Mainzer Regierungsviertel erwartet werden, sollen der Nacht- und der Wochenendbetrieb wieder dauerhaft aufgenommen werden. Von Montag an, wenn landesweit die Schule beginnt, wollen Bahn und Zweckverbände zudem sicherstellen, dass morgens zwischen 6 und 8 Uhr etwa 85 Prozent aller regulären Züge unterwegs sind. Tagsüber dürfte die Quote dagegen allenfalls bei 60 Prozent liegen, so dass etliche Reisende wie bisher gezwungen sein werden, sich mit S-Bahnen und Bussen zu den außerhalb der Stadtgrenze eingerichteten provisorischen Haltepunkten von Fernzügen bringen zu lassen.

          Auf Dauer 27 statt 18 Stellwerker?

          Für den 9. September kündigte Frank Sennhenn, seit Mai Vorstandsvorsitzender der DB Netz AG, eine erste Verstärkung für das unterbesetzte Stellwerk an. Zunächst sollen dort vier Fahrdienstleiter-Helfer ihre Arbeit aufnehmen. Vom 7. November an und bis zum Jahresende könnten noch fünf ausgebildete und bis dahin auch mit den Mainzer Verhältnissen vertraute Fahrdienstleiter hinzukommen. Dann bestehe auch die Chance, nach und nach aufgelaufene Überstunden abzubauen. Sennhenn mochte sich aber nicht darauf festlegen, dass die bis dato aus 18 Beschäftigten bestehende Mannschaft - von der wegen Krankheit und Urlaub aktuell aber nur neun Kollegen verfügbar sind - auf Dauer 27 Mitarbeiter haben wird. Ein unter enormem Druck erarbeiteter Zehn-Punkte-Plan sehe vor, bundesweit 340 zusätzliche Fahrdienstleiter einzustellen, die allerdings jeweils mehrere Monate eingearbeitet werden müssten.

          Für die Zukunft sei geplant, dass sich Bahnbeschäftigte benachbarter Stellwerke in Notfällen gegenseitig vertreten könnten, um eine Situation wie jetzt in Mainz zu verhindern. Ohne konkret zu werden, bestätigte Sennhenn Gerüchte, denen zufolge Bahnchef Rüdiger Grube selbst Kontakt zu den Mainzer Beschäftigten aufgenommen hat, um, „ohne Druck auszuüben“, möglichst viele von ihnen vorzeitig an ihre Arbeitsplätze zurückzuholen. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens brach gleichfalls seinen Urlaub ab, um heute in Frankfurt an einem Spitzengespräch mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) teilzunehmen. Dabei soll es dem Vernehmen nach um die bundesweit prekäre Personalsituation im Konzern gehen.

          Ankündigungen „nicht zufriedenstellend“

          Dreyer erwartet von den jetzt gemachten Zusagen zwar eine „deutliche Linderung“ der ihrer Meinung nach „skandalösen Zustände“ am Hauptbahnhof. Insgesamt seien die Ankündigungen aber „nicht zufriedenstellend“. Die Bahn habe ähnlich wie Feuerwehr und Polizei einen Auftrag zur Daseinsvorsorge und könne wegen einer verfehlten Personalpolitik nicht einfach den Betrieb einstellen.

          Einen Imageschaden, der womöglich lange bei den Kunden nachwirken werde, bescheinigte Minister Lewentz der Bahn, die im „ICE-Zeitalter“ leider nur im „Dampflokomotiven-Tempo“ aus dieser Krise herauskomme. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagte, ihm sei völlig unverständlich, „warum sich die Schwierigkeiten rund um das Stellwerk nicht schneller lösen lassen“.

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