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Mainz : „Allerscheenstes Prinzenpaar“ als Gegenmodell

Wie scheen: Schambes XI. und Bärbel I. Bild: Sick, Cornelia

Der Mainzer Stammtisch tritt erstmals mit eigenen Majestäten an: Bärbel I. und Schambes XI.

          2 Min.

          Der Aufruf ans Volk ist unmissverständlich: „Ulk unn Stunk statt Protz unn Prunk!“, fordert Johannes Gerster, der frühere Bundestagsabgeordnete der CDU, der noch bis Aschermittwoch als Seine Merkwürdigkeit Prinz Schambes XI. die eine Hälfte des am Samstag im Mainzer Augustinerkeller gekrönten „Allerscheensten Prinzenpaares“ verkörpert.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          An der Seite des gestandenen Ranzengardisten regiert während der tollen Tage Ihre Trolligkeit Bärbel I., der als Ehefrau des einst auf der Narrenbühne den Prinz Bibi gebenden Kabarettisten Herbert Bonewitz gleichfalls alle Höhen und Tiefen der Meenzer Fassenacht bekannt sein dürften. Als die ersten gekrönten Häupter des vor mehr als einem Vierteljahrhundert gegründeten närrischen Stammtischs „Die Allerscheensten“ wollen die beiden „zusammen gut 100 Jahre“, wenn nicht gar ziemlich genau 145 Jahre alten Senior-Tollitäten zuallererst einmal für gute Laune sorgen - und ein wenig auch für Stunk.

          Teure Zeremonie

          Womit laut Gerster keinesfalls Frechheiten oder gar Handgreiflichkeiten gemeint seien. Vielmehr gehe es in der Fastnacht ja traditionell darum, der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten, Wichtigtuerei als solche kenntlich zu machen und sich dabei selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Deshalb versteht sich das „Allerscheenste Prinzenpaar“, das bei einer ebenso kurzen wie kurzweiligen Wirtshauszeremonie vor einer überschaubaren Zahl selbst zahlender Gäste auf den Thron gehoben wurde, durchaus auch als Gegenmodell zu Aline I. und Richard I., dem offiziellen Prinzenpaar der Kampagne 2013.

          Schließlich soll dem Vernehmen nach allein die vom 175 Jahre alten Mainzer Carneval-Verein (MCV) für die beiden jungen Majestäten ausgerichtete Krönungsfeier im Kurfürstlichen Schloss eine hübsche Stange Geld gekostet haben.

          Kein großes Brimborium

          Sparsam und bescheiden zeigten sich bei den „Allerscheensten“ am Samstag dagegen sogar die Sänger und Redner, die bei ihren Darbietungen allesamt erstaunlich schnell auf den Punkt und zum Schluss kamen: ob der frühere Kulturdezernent Peter Krawietz, Bohnebeitel-Chef Heinz Meller, der MCV-Ehrenpräsident Rudi Henkel oder aber Hildegard Bachmann als „Prinzessin Moguntia“ und Stimmungskanone Oliver Mager, der nicht wusste, „dass ich hier erst singe soll, wenn de ganze Kram schon vorbei ist“. Ehe sich die Versammlung dann ebenso schnell auflöste wie dereinst im Sommer des vergangenen Jahres die Schnapsidee für ein eigenes „Allerscheenstes Prinzenpaar“ geboren worden war.

          Ein großes Brimborium wollen Bärbel I. und Schambes XI. in den verbleibenden vier Wochen bis Aschermittwoch nicht machen. Nur zwei Wirtshaussitzungen im Augustinerkeller stehen in ihren Terminkalendern, eventuell werden sie zudem bei der einen oder anderen Garde vorbeischauen und zum Abschluss ihrer Regentschaft dann selbstredend beim Rosenmontagszug mitmachen: Übrigens möchten sich die Majestäten dann, wie zu hören war, dem Narrenvolk möglichst in einer vierspännigen Kutsche zeigen.

          Muss es am Ende also doch zumindest ein bisschen Protz und Prunk sein? Zum Glück hilft dem „Allerscheensten Prinzenpaar“ da eine andere, Widersprüche jedweder Art leicht auflösende Grundregel der fünften Jahreszeit: „Nur wer sich selbst zum Narren macht, feiert echte Fassenacht.“

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