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Mainz 05 : Wie ein Rennen gegen Bolt

  • -Aktualisiert am

Nur kein Stress: 05-Coach Tuchel freut sich auf das Spiel beim Meister. Bild: dapd

Mainz 05 bei Meister Dortmund: Für das Kräftemessen gegen die seit siebzehn Spielen unbesiegte Borussia findet Trainer Tuchel einen Vergleich aus der Leichathletik.

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          Die schriftliche Stellungnahme von Mohamed Zidan ist fristgemäß beim Deutschen Fußball-Bund eingegangen. Nun wird entschieden, ob und wie der Mainzer Angreifer für seinen Schmähruf nach dem Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern belangt wird. Der 30 Jahre alte Ägypter soll gemeinsam mit 05-Fans „Scheiß Kaiserslautern“ gebrüllt haben. Wobei Zidan die Verbalinjurie tatsächlich so über die Lippen gekommen sein dürfte. Denn laut Pressesprecher Tobias Sparwasser hat er gegenüber dem FCK-Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz und der Fanvertretung schon schriftlich sein Bedauern ausgedrückt. Das Nachspiel dürfte Trainer Thomas Tuchel nicht unbedingt recht sein, könnte es seinen auffälligsten Stürmer doch von der nächsten sportlichen Aufgabe ablenken: dem Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr). Andererseits: Die mögliche Geldstrafe in Höhe von einigen tausend Euro dürfte keine nachhaltige erzieherische Wirkung haben.

          Erschwert wurde die Vorbereitung von Mainz 05 durch die Abwesenheit von neun Nationalspielern, die unter der Woche auf Länderspielreise waren. So traf Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting zum 1:0-Erfolg von Kamerun in der Afrika-Cup-Qualifikation, Adam Szalai gelang mit seinem Treffer beim 1:1 der Ungarn gegen Bulgarien ein bemerkenswertes Nationalmannschafts-Comeback. Und Andreas Ivanschitz war ebenfalls einmal treffsicher beim 3:1 der Österreicher gegen Finnland. Weiterhin im Einsatz gewesen sind Julian Baumgartlinger (Österreich), Eugen Polanski (Polen), Elkin Soto (Kolumbien), Radoslav Zabavnik (Tschechien), Sami Allagui (Tunesien) sowie Jan Kirchhoff (U21).

          Der Kapitän kehrt zurück

          Zeiten sind das, beinahe so schön wie Mitte Oktober 2010, als Mainz 05 die Bundesligatabelle anführte und die Länderspiel-Bilanzmeldung noch wertvoller ausfiel. Damals rockten die Rheinhessen auch die Liga - und heute? „Unsere positive Entwicklung nach vorne ist Gott sei Dank jetzt auch ablesbar an Ergebnissen“, sagt Tuchel. „Wir fühlen uns auf einem neuen Niveau, absolut.“ Mainz 05 spielt in der Rückrunde eine sehr gute Rolle, etabliert sich allmählich im Mittelfeld, und erheblich dazu beigetragen haben die extrovertierten Charaktere Zidan und Szalai. Aber Borussia Dortmund? Der Tabellenführer und seit 17 Partien ungeschlagene deutsche Meister? Und dann noch auswärts? „Das ist wie ein Rennen gegen Usain Bolt“, sagt Tuchel und geht in seinen Ausführungen noch weiter im Leichtathletik-Vokabular: „Wir müssen die persönliche Bestleistung erreichen. Aber auch das ist keine Garantie für einen Punkt oder einen Sieg.“ Der schnellste Mensch der Welt hat sich bei der jüngsten WM mit einem Fehlstart über 100 Meter selbst aus dem Rennen genommen; Ähnliches dürfte Borussia Dortmund unter Coach Jürgen Klopp kaum passieren. Tuchel bewertet das Meisterteam wohl ähnlich hoch wie den Mount Everest, Bayern München wäre dann der Nanga Parbat. „Das sind aktuell die zwei schwersten Aufgaben.“

          Nach ausgeheilter Oberschenkelzerrung kehrt Kapitän Nikolce Noveski ins Mainzer Team zurück und wird in der Innenverteidigung jenen Platz einnahmen, den zuletzt Kirchhoff innehatte. Der Ersatzkapitän der U21-Nationalmannschaft ist Gelb-gesperrt. Der 32 Jahre alte Mazedonier Noveski kommt somit zu seinem elften Bundesligaspiel gegen Dortmund. Insgesamt trafen beide Mannschaft nur einmal mehr aufeinander. Noch ein bisschen Statistik: Die zurückliegenden vier 05-Partien in der Dortmunder Arena endeten allesamt remis. „Es ist natürlich gut, wenn die Jungs in der Nationalmannschaft ihre Leistungen bringen“, sagt Tuchel. Doch die Vorbereitung werde dadurch nicht leichter. Deshalb erfolgt die Anreise schon am Freitagmittag, ein Training vor Ort wird es nicht mehr geben. Nur ein wenig Gymnastik oder bei gutem Wetter ein Spaziergang. Auf jeden Fall „viel Ruhe“, wie Tuchel sagt.

          Vieles spricht dafür, dass Mainz 05 sein Glück in Dortmund mit einer 4-2-3-1-Grundordnung versuchen wird. So jedenfalls lautete die taktische Erfolgsformel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Doch natürlich wäre Tuchel nicht Tuchel, ließe er sich nicht ein Hintertürchen offen. „Gegen diese offensive Aufstellung spricht, dass wir in Dortmund andere Aufgaben haben.“ Gegen einen Gegner, der kaum Spielräume anbietet, extrem engagiert und schnell in die Offensive umschaltet und auch herausragende Individualisten im Team hat. Insgesamt eine turmhohe Aufgabenstellung für Mainz 05. Dass Zidan vor dem Anpfiff offiziell verabschiedet wird - er war am letzten Tag der Wintertransferperiode vom BVB nach Mainz gewechselt -, ist für Tuchel fast schon eine Nebensächlichkeit. „Soll ich mich da jetzt reinstressen, ob ich das gut finde?“

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