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Mainz 05 : Der Himmel über den Hochhäusern

  • -Aktualisiert am

Verblüfft über Zahlen aus Frankfurt: Christian Heidel, Manager vom FSV Mainz 05 Bild: Wonge Bergmann

Christian Heidel, der Manager von Mainz 05, sieht den Fußball- Bundesligaklub auch durch Äußerungen aus Frankfurt in ein falsches Licht gerückt.

          Der Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga verheißt nichts Neues für Mainz 05. Das Remis gegen Hertha BSC hat nichts geändert, die Aussicht auf die Qualifikation für die Europa League ist weiterhin gut, Platz sieben mit 38 Punkten – alles in der Reihe. „Zu anderen Zeiten hätten wir das Spiel vielleicht noch verloren“, sagte Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting, der mit einem Ballverlust zunächst die Berliner 1:0-Führung eingeleitet und später per Foulelfmeter zum 1:1 getroffen hatte. Es sind gute Zeiten für Mainz 05, und was die Profis am Saisonende erreichen könnten, hat die Rhein-Main-Konkurrenz von der Frankfurter Eintracht bis Anfang März durchlebt: Der Vorstoß in die K.-o.-Runde der Europa League brachte sechs Millionen Euro Zusatzeinnahmen.

          Umso verblüffter war der Mainzer Manager Christian Heidel, als Eintracht-Trainer Armin Veh jüngst den Eindruck erweckte, dass Mainz 05 „mehr Geld für die Mannschaft zur Verfügung steht als uns“. Und Manager Bruno Hübner hatte behauptet, einen Transfer wie jenen von Ja-Cheol Koo vom VfL Wolfsburg zu Mainz 05 könne sich die Eintracht schlichtweg nicht leisten. „Ich glaube nicht, dass Armin Veh, den ich sehr schätze, diese Zahlen richtig eingeordnet hat“, sagt der 50 Jahre alte Heidel.

          „Wir geben 25 Millionen Euro aus“

          „Die Eintracht veröffentlicht Zahlen zum Personaletat, die mindestens 31 Millionen Euro Ausgaben angeben. Ich weiß nicht, ob da schon die Gehälter von Trainern dabei sind. Wir geben für Spieler und Trainer 25 Millionen aus“, führt Heidel weiter aus. Diesen Rahmen habe auch Koo als Spitzenverdiener nicht gesprengt. „Wir konnten ihn uns leisten, da wir im Sommer 16 Millionen Transfereinnahmen hatten, aber nur acht ausgegeben haben.“ Nach Angaben des Mainzer Managers bleibt der Abstand auf die Eintracht unabhängig von solch einmaligen Transferüberschüssen auch künftig bei mindestens zehn Millionen Euro im Gesamtetat der Klubs. „Diese Lücke können wir nicht stopfen, das wäre ja auch Wahnsinn, wenn man die unterschiedlichen Möglichkeiten der Städte betrachtet.“

          Heidel war zuletzt häufiger in Frankfurt, seit er sich in einem Interview mit FAZ.NET auch zu der Trainersuche beim Hamburger SV geäußert hat, ist er bei Konzernen und großen Unternehmen ein gerne gebuchter Vortragsredner. „Wenn ich nach Frankfurt reinfahre, dann sehe ich den Himmel nicht mehr vor lauter Hochhäusern, wo das Geld sitzt. In Mainz muss ich lange suchen, um die einzigen Hochhäuser am Bahnhof zu finden. Und die stehen leer.“

          Dass sich an den finanziellen Möglichkeiten von Mainz 05 perspektivisch nicht viel ändern dürfte, hat auch mit der vergleichsweise schwachen bundesweiten Medienpräsenz zu tun. Die Berichterstattung wird dominiert von Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04, in Krisenzeiten noch vom HSV und dem VfB Stuttgart. „Ich wurde von unseren Sponsoren zuletzt häufiger gefragt, wie man dies zu unseren Gunsten drehen könnte“, sagt Heidel. Seine Antwort: eigentlich kaum. „Die Medienlandschaft hat sich verändert, auch Journalisten müssen das schreiben, was sich verkauft. Mainz 05 kann immer nur versuchen, weiter im Gespräch zu bleiben und zu vermitteln, wofür es steht.“

          Ein Engagement von Boehringer

          Der Mainzer Macher ist Realist, und in seine Mainz-Frankfurt-Bewertung bezieht er infrastrukturelle Gegebenheiten mit ein. Schott Mainz, das größte Unternehmen der Stadt, engagiert sich nur im werkseigenen Breiten- und Leistungssport; das ZDF als öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt ist natürlich ebenfalls kein potentieller Partner. Und das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim konnte bislang nur für ein Engagement im Charity-Projekt „Mainz 05 hilft e.V.“ gewonnen werden.

          Somit fällt die Suche nach Zugewinnen im Sponsoring schwer. Zumal auch die Möglichkeiten in der Fußball-Arena für 34.000 Zuschauer als ausgeschöpft gelten. Es geht nur Schritt für Schritt in Mainz, ohne große Sprünge. Und zuvorderst immer noch über den sportlichen Erfolg. Mit der Europa League hat dies aber nur bedingt zu tun. Denn schon eine Plazierung besser als Rang zehn am Saisonende würde dem Klub nicht eingeplante Zusatzeinnahmen aus dem Fernsehgeldtopf einbringen. Der aktuell siebte Platz etwa drei Millionen Euro.

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