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Mainz 05 : Rätselraten um Kirchhoffs Leiste

  • -Aktualisiert am

Allein gegen die Bayern – und bald selbst im Team der Münchner: Jan Kirchhoff, Innenverteidiger von Mainz 05. Bild: dapd

Eine kolportierte Diagnose aus München sorgt bei Mainz 05 für Ärger.

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          Als die Verantwortlichen von Mainz 05 die neueste Ausgabe der „Sportbild“ aufgeschlagen haben, waren sie zumindest irritiert. „Neuer FCB-Star: Kirchhoff drohen Pause und Operation“ - heißt es dort. U21-Nationalspieler Jan Kirchhoff, der im Sommer ablösefrei von Mainz zum FC Bayern München wechseln wird, habe in beiden Leisten ein Loch, dies sei das Ergebnis des Medizinchecks vom 10. Januar bei Bayer-Teamarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth. Kirchhoffs neuer Klub habe vorsorglich eine Operation empfohlen, dringend notwendig sei der Eingriff jedoch nicht. Angeraten wird von den beiden Autoren eine Operation zum jetzigen Zeitpunkt, da der Abwehrspieler wegen einer Oberschenkelverletzung ohnehin ausfalle und so seine Teilnahme an der U21-EM und am Trainingsstart der Bayern unter Pep Guardiola sicherstelle. Dem Ratschlag wird der Mainzer Trainer Thomas Tuchel nicht nachkommen. „Ich überlege mir aktuell, ob er in der Startelf steht oder von der Bank kommt.“ Gemeint ist Kirchhoff - und das Bundesliga-Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) bei 1899 Hoffenheim.

          Der 22 Jahre alte Innenverteidiger und defensive Mittelfeldspieler steht nach mehrwöchiger Verletzungspause aufgrund einer Zerrung in der hinteren Oberschenkelmuskulatur demnach vor seinem Comeback im 18er-Kader von Mainz 05. Und Manager Christian Heidel ist verwundert über die Informationspolitik des Münchner Vorzeigeklubs. „Da muss sich der FC Bayern fragen, wie so etwas an die Öffentlichkeit kommt.“ Womöglich mittels einer gezielten Indiskretion, mit welchem Hintergrund auch immer? „Ich kenne Jans Gesundheitszustand, weil ihn unsere Ärzte und Physiotherapeuten mir mitteilen“, sagt Tuchel. Darüber hinaus sei er nicht gewillt, das Thema auszuweiten. „Ich werde Ihnen nicht sagen, ob er ein Loch in der Leiste hat.“ Ob er über den Befund, wie ihn „Sportbild“ mitteilt, denn überhaupt informiert ist, blieb am Donnerstag im Ungefähren. „Ich glaube nicht, dass es mir zusteht, über ärztliche Berichte zu urteilen“, sagt der Mainzer Trainer.

          „Wir wollen uns auf den Fußball konzentrieren“

          Kirchhoff war auch am 26. Februar, dem Tag des verlorenen Mainzer Pokal-Viertelfinalspiels gegen den SC Freiburg, in München bei Dr. Müller-Wohlfarth. Der renommierte Mediziner, sagt 05-Teammanager Axel Schuster, sei der „Zweitmeinungsarzt“ von Mainz 05. Kirchhoff habe seine Muskelverletzung in München nochmals untersuchen lassen, Müller-Wohlfarth habe die Diagnose aus Mainz bestätigt und zudem Tipps für den Heilungsverlauf gegeben.

          Von einer akuten Leistenverletzung sei in dem Befund nicht die Rede gewesen. Was wiederum die Frage aufwirft, wer ein Interesse haben könnte an der Veröffentlichung der Causa „Loch in beiden Leisten“ - wenn an der medizinisch ohnehin dehnbaren Diagnose vom 10. Januar tatsächlich etwas dran sein sollte. Mainz 05 ganz gewiss nicht, denn der Klub mit seinem vergleichsweise kleinen Profikader benötigt im Kampf um die Europa-League-Plätze derzeit jeden Spieler. Licht ins Dunkel bringen könnte Kirchhoff selbst, doch der Spieler schweigt sich aus. Mainz 05 liegt laut Heidel das Ergebnis des Medizinchecks aus München nicht vor.

          Kirchhoff und seine Leisten drängten das Auswärtsspiel beim Tabellenvorletzten 1899 Hoffenheim beinahe in den Hintergrund. „Wir wollen uns auf den Fußball konzentrieren“, sagt Heidel und ließ sich keine Äußerungen über das fast gescheiterte Projekt Bundesliga-Fußball im Kraichgau entlocken. Tuchel sieht trotz „der Unwägbarkeiten in Hoffenheim“ am Samstag „Topniveau, das uns gegenübersteht“.

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