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Mainz 05 : Heinz Müllers Blackout belebt die Torwartdiskussion

  • -Aktualisiert am

Den hat er: der Mainzer Torwart Heinz Müller. Bild: dpa

Der Torhüter leistet sich beim 1:4 gegen Hannover einen Sprung ins Leere, der das Spiel zugunsten des Gegners kippt.

          2 Min.

          Heinz Müller startete nach dem Spiel eine Offensive des Lächelns. Statt frustriert in die Kabine zu schleichen, ging der 35 Jahre alte Torhüter des 1. FSV Mainz 05 schnurstracks auf die Reporter zu und sagte schon vor deren erster naheliegender Frage mit entwaffnender Freundlichkeit: „Es haben ja alle gesehen.“ Was wohl? Seinen dicken Patzer, der Hannover 96 am Samstagnachmittag ins Spiel half, weil Diouf wegen Müllers Fehlgriff nach einem Eckball per Kopf das 1:1 für die später 4:1 siegreichen Niedersachsen erzielen konnte. „Das Tor“, sagte der 1,94 Meter lange Schlussmann ohne Umschweife, „nehme ich auf mich. Ich hätte es besser lösen und den Ball aus dem Sechzehner boxen müssen. Nach dem 1:1 ist das Spiel ein bisschen gekippt und Hannover hat es ein bisschen an sich gerissen.“ Wofür nicht allein der gebürtige Frankfurter etwas konnte. Andererseits war er es, der den Niedersachsen die Tür zur Wende öffnete, nachdem bis zu dieser 31. Minute allein die Mainzer den Gang der Dinge bestimmt hatten und durch Nicolai Müllers fünftes Saisontor 1:0 in Führung gegangen waren.

          Hannover war also kein guter Ort für den „Heinz aus Mainz“, weil anschließend fast jeder Schuss oder Kopfball der Niedersachsen auch drin war, ohne dass Müller noch einmal eine Mitschuld an den Treffern zwei, drei und vier hätte angekreidet werden können. Ein, zwei Tage, sagte er unter dem Eindruck seines kapitalen Fehlers, werde ihn der Blackout nach Pribs Eckstoß noch beschäftigen, dann aber sei die Sache für ihn „erledigt“. Gut so, da Torhüter im Hier und Jetzt arbeiten müssen, wollen sie sich nicht psychisch angreifbar machen. Auch um die Nerven seines Keepers nicht zusätzlich zu strapazieren, verkniff sich Trainer Thomas Tuchel nach der viel zu hohen Niederlage jegliche Detailkritik an dem Mann, der 2009 nach Mainz kam, dort zum Stammkeeper avancierte und im Oktober 2011 von seinem Kollegen Christian Wetklo auf seinem Platz zwischen den Pfosten abgelöst wurde. Nach einem Pokalspiel in Hannover, wo Wetklo zum Tageshelden wurde, als er in Verlängerung einen Elfmeter parierte und den Mainzer 1:0-Erfolg festhielt.

          Fehlende Spielpraxis?

          Für Müller wird sich mit diesem Stadion auch in Zukunft sein Aussetzer vom Samstag verbinden, der vorläufig nichts an seinem Status ändert. Nachdem seit jenem Pokalduell Wetklo der Primus inter pares war, hatte Tuchel den zwei Jahre älteren Müller zu Saisonbeginn wieder zu seinem ersten Vertrauensmann im Tor erklärt. Eine Entscheidung, die nach wie vor steht, die Müller aber besser nicht durch weitere gravierende Fehler in Frage stellen sollte. Tuchel sagte, auf Müller angesprochen, dass er auf dessen Sprung ins Leere in der Pause nicht weiter eingegangen sei. „Ich kommentiere in der Halbzeit keine Szenen, von denen ich nicht weiß, wie sie zustande gekommen sind. Ich habe keinen Anlass, über die Torhüter nachzudenken.“ Es wären womöglich auch keine hilfreichen Gedanken, gelten doch Wetklo und Müller als etwa gleich stark, aber auch gleichermaßen störanfällig. Der abgelöste Platzhirsch verdarb sich seine Nominierung für die neue Saison auch durch sein manchmal allzu aggressives Auftreten, wenn er unter Druck geriet; Müller dagegen strahlt die größere Ruhe aus, scheint aber neben seiner Reaktionsschnelligkeit an Souveränität in der Strafraumbeherrschung verloren zu haben.

          Vielleicht eine Folge der zuletzt fehlenden Spielpraxis. Kollege Wetklo wird jedenfalls nach Müllers Comeback nicht ruhen. Das Spiel am Samstag in seinem Lieblingsstadion am Maschsee dürfte ihm Mut gemacht haben, sich im Konkurrenzkampf um die Position der Nummer eins zu empfehlen. Die trägt in Mainz weder Müller, der mit der Zahl 33 aufläuft, noch Wetklo (29). Vielleicht auch ein Sinnbild der Sehnsucht nach einer unumstrittenen Nummer 1 im Tor. Die trug dort zuletzt wie selbstverständlich Dimo Wache, ehe er sich 2009 so stark verletzte, dass Heinz Müller seine erste Chance bekam, sich als Stammtorwart zu empfehlen.

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