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Mainz 05 : Córdoba kann „Humba“

„Ich kann jetzt meinen Körper, der mir bei der Geburt geschenkt worden ist, richtig einsetzen“, sagt Jhon Córdoba zum Training bei den Mainzern. Bild: dpa

Mit einer Leistungsexplosion im Spiel gegen Leverkusen macht der Mainzer Mittelstürmer Jhon Córdoba von sich reden. Die Wucht aus Kolumbien macht Mut für München.

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          Es war rührend anzusehen, wie Jhon Córdoba nach dem 3:1-Sieg seiner Fußball-Bundesligamannschaft von Mainz 05 gegen Bayer Leverkusen in den Katakomben des Stadions seine Leistungsexplosion erklärte. In den vergangenen Wochen hatte er mit je einem Treffer bei der Auswärtsniederlage in Hoffenheim und nun beim Erfolg gegen Leverkusen geglänzt. Der Kolumbianer stand so entspannt in trauter Umarmung mit Übersetzer Martin Heininger vor den Journalisten, dass sich Trainer Martin Schmidt im Vorbeigehen die scherzhaft gemeinte Frage erlaubte, ob die beiden jetzt ein Paar seien.

          Der kleine Spaß unterstrich vor allem das familiäre Miteinander bei den Mainzern. Tatsächlich diktierte Spieler über den Spanisch-Dolmetscher, auf den er nach sechs Monaten in Deutschland noch vertraut, in die Blöcke:. „Ich habe mich in den vergangenen Wochen so gut entwickelt dank meiner Kollegen und des Trainerstabs. Ich fühle mich hier einfach wohl, weil es eine große Familie ist“, erklärte Córdoba. Er dankte seiner Freundin Anabel, die er nach seinem wuchtigen Distanzschuss zum 2:0 in der 32. Minute perHerzzeichen grüßte. Sie habe ihm in der schweren, von mit Muskelbeschwerden und Formsuche geprägten Zeit nach dem Wechsel aus der spanischen Stadt Granada nach Mainz zur Seite gestanden.

          Werbung in eigener Sache

          Diese Zeit hatte nicht nur Córdoba belastet, sie brachte Mainz 05 auch immer wieder Fragen ein nach einem vermeintlichen Fehleinkauf. Der 22 Jahre alte kolumbianische Juniorennationalspieler wirkte bei seinen ersten Kurzeinsätzen schwerfällig und nicht wie ein Mittelstürmer, den Mainz 05 auch als vordersten Abwehrspieler in seinem Defensivverbund braucht. „Er hat gezeigt, dass er bereit ist für unsere Art des Fußballs. Er lief immer wieder die Gegner in deren Spielaufbau an. Und das ist unermesslich wichtig für unser Spiel“, sagt Heidel. „Wir haben zudem nie an unserer Entscheidung für ihn gezweifelt, weil auch unsere Spieler schon nach den ersten Trainingseinheiten in höchsten Tönen von ihm geschwärmt haben.“

          Tatsächlich setzte Córdoba, der austrainiert ein erstaunlich flinker und zugleich wuchtiger Akteur ist, dem Leverkusener Innenverteidigertalent Jonathan Tah in Halbzeit eins ungemein zu. Oft lag der Leverkusener, selbst ein robuster Spieler, nach den Duellen am Boden, während der Mainzer weiterrannte. Dieser unermüdliche Einsatz sicherte ihm noch mehr als das Tor die Ehre, nach dem Spiel zu den Fans auf den Zaun zu dürfen für die obligatorische Sieges-„Humba“. „Das Training hier hat mich richtig fit gemacht. Ich kann jetzt meinen Körper, der mir bei der Geburt geschenkt worden ist, richtig einsetzen“, sagt Córdoba, für den Mainz 05 nach der Saison eine Kaufoption ziehen kann zu einem Betrag von mehr als fünf Millionen Euro.

          Am Mittwoch will Córdoba weiter Werbung in eigener Sache betreiben und beim Auswärtsspiel bei Tabellenführer Bayern München „ein gutes Ergebnis erzielen“. Auch diese positive Herangehensweise an ein vermeintlich aussichtsloses Unterfangen hatte etwas druchaus Typisches. Vielleicht entspricht sie dem aktuellen Selbstbewusstsein eines Klubs, der abermals die Gesetze der Branche bricht und als Tabellenfünfter bei 36 Punkten aus 23 Spielen mal wieder mit einem Europapokalplatz liebäugeln darf.

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