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Maintal : Vater und Sohn nach Tötung von Vermieter-Paar abermals freigesprochen

  • Aktualisiert am

Rekonstruktion: Im Juni 2014 suchen Polizisten nach den Leichen eines Vermieter-Ehepaars auf einem Reiterhof in Maintal. Die Angeklagten töteten das Paar im Streit, handelten aber in Notwehr. Bild: dpa

Auch im zweiten Prozess spricht das Landgericht Hanau Vater und Sohn frei. Sie töteten im Streit ein Vermieter-Ehepaar, handelten aber in Notwehr. Staatsanwaltschaft und Nebenklage wollen abermals dagegen vorgehen.

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          Im Revisionsprozess um ein in Maintal getötetes Vermieter-Ehepaar sind zwei Angeklagte erneut weitgehend freigesprochen worden. Das Landgericht Hanau urteilte am Freitag, dass der 63 Jahre alte Angeklagte in Nothilfe gehandelt habe und sein 33 Jahre alter Sohn in Notwehr. Im Streit um Mietschulden im Juni 2014 hatte der wegen Totschlags angeklagte Sohn den Mann nach einer Messerattacke gegen ihn erstochen. Dessen Frau habe ihm mit einem Beil zur Hilfe eilen wollen. Daraufhin habe der wegen Mordes angeklagte Vater die Frau erschossen. Er habe gefürchtet, dass die Frau auf seinen Sohn einhacken würde.

          Der Vater erhielt aber wegen unerlaubten Waffenbesitzes eine Strafe von acht Monaten. Die hat er allerdings schon in der Untersuchungshaft verbüßt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage kündigten an, das Urteil nicht akzeptieren zu wollen und Rechtsmittel einzulegen. Die beiden Angeklagten sollen laut Gericht für ihre Haftzeit finanziell entschädigt werden.

          Leichen unter einem Misthaufen versteckt

          Das Urteil am Freitag bestätigte den Hanauer Richterspruch aus dem August 2015. Damals waren die beiden Angeklagten ebenfalls freigesprochen worden. Auch damals lautete die Begründung: Die Angeklagten hätten in Notwehr beziehungsweise Nothilfe gehandelt. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger gingen allerdings in Revision. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil auf, wegen formaler Fehler in der Beweisführung. Deswegen wurde seit November 2017 erneut am Landgericht verhandelt, diesmal aber vor der zweiten großen Strafkammer unter Vorsitz von Gerichtspräsidentin Susanne Wetzel.

          Die Leichen des Ehepaares waren nach den Kampfhandlungen um Leben und Tod erst Monate nach der Tat auf dem Reiterhof in Maintal entdeckt worden; sie waren unter einem Misthaufen versteckt. So konnten Polizeihunde bei Durchsuchungen keine Witterung aufnehmen. Vater und Sohn hatten angegeben, sie aus Angst versteckt zu haben, weil ihnen niemand glauben werde.

          Staatsanwaltschaft und Nebenklage kritisierten die erneuten Freisprüche scharf. Die Nebenklage befand, dass ihre Argumente nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Richterin Wetzel erklärte aber: Die Tatversion der Angeklagten sei glaubhaft und widerspruchsfrei gewesen. Andere Tatabläufe seien unwahrscheinlicher.

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