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Nach fast 120 Jahren : Mainfähre vor dem Aus

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Schnelle Verbindung zwischen zwei Punkten: die Mainfähre zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim (Archivbild). Bild: Cornelia Sick

Das Schiff steht bereit, doch es fehlt an Geld und Personal: Nach fast 120 Jahren wird die Mainfähre zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheimden endgültig der Vergangenheit angehören.

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          An den Stillstand haben sich alle, die früher regelmäßig mit der Fähre zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim unterwegs waren, längst gewöhnt. Aber die Hoffnung wollten viele nicht aufgeben, dass der im Grunde genommen seit Oktober 2017 ruhende Betrieb eines Tages wiederaufgenommen werden könnte. Danach sieht es jetzt nicht mehr aus, nachdem der Kreisausschuss am Dienstag sich dafür ausgesprochen hat, die bald 120 Jahre alte Fährstelle am Main dauerhaft aufzugeben.

          Dies vor allem deshalb, weil der Kreis Offenbach, als Eigentümer der MS Dörnigheim und Inhaber der Betriebsrechte, trotz mehrerer Ausschreibungsverfahren keinen geeigneten Pächter für die „technisch anspruchsvolle Wagenseilfähre“ gefunden hat. Der bis dato letzte Bewerber musste den gerade erst begonnenen Betrieb am 8. Juli 2019 schon nach wenigen Stunden wieder einstellen, weil das Gierseil gebrochen und in den Antriebspropeller geraten war. Weil dem Personal offenbar die Qualifikation fehlte, löste der Kreis den frisch geschlossenen Vertrag in einem Vergleich wieder auf. Inzwischen ist das übergangsweise im Frankfurter Osthafen liegende Fährschiff zwar hübsch hergerichtet worden. Einen kompetenten und zuverlässigen Fährmann respektive eine Fährfrau habe man jedoch nicht gefunden.

          Es sei vielmehr deutlich geworden, dass es „für die Suche nach Fährleuten mit Patent keinen Markt gibt“. Und die Ausbildung von eigenem Personal sei ohne Ausbilder ebenfalls nicht machbar, lautet die Darstellung des Kreises Offenbach, der das Aus zudem mit dem zu erwartenden Defizit von womöglich mehr als 180.000 Euro im Jahr begründet. Falls der Kreistag am 24. Juni der Empfehlung des Ausschusses folgt, sollen das Fährschiff und alle für den Betrieb notwendigen Anlagen verkauft werden. Um genau das zu verhindern, hat die „Bürgerinitiative Fähre“ immer wieder Kooperationsmodelle etwa zwischen den betroffenen Kommunen und Kreisen eingefordert. Nun aber werden die einstigen Nutzer wohl eine der Straßenbrücken oder aber die vier Kilometer entfernte Fähre Rumpenheim nehmen müssen, wenn sie von der einen Mainseite auf die andere möchten.

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