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Mainfähre bei Frankfurt-Höchst : „Wie zwei Minuten Urlaub“

  • -Aktualisiert am

Bild: Frank Röth

Seit 400 Jahren gibt es die Fährverbindung über den Main bei Frankfurt-Höchst. Für Fährmann Sven Junghans ist der Broterwerb auch eine Leidenschaft. Dass eine Brücke in der Nähe steht, ändert nichts an der Beliebtheit der Fähre.

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          Es herrscht fast immer gute Stimmung an Bord, Radfahrer rollen die Rampe hinauf, Touristen fragen vorsichtig nach dem Preis, die Kinder rennen zwischen Steuerbord und Backbord hin und her, voller Vorfreude auf die Fahrt - die nicht einmal 120 Sekunden dauert. Es liegen eben nur 113 Meter Mainwasser zwischen den Frankfurter Stadtteilen Schwanheim und Höchst. 150-mal am Tag fährt Sven Junghans mit der Walter Kolb diese Strecke - und ist damit der einzige Frankfurter und Unternehmer, der Fährmann antwortet, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird.

          "Ein phantastischer Job", schwärmt Junghans. "Du bist immer draußen, siehst die Sonne auf- und untergehen. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen." Um 7 Uhr beginnt sein Tag auf dem Schiff, das nach dem ersten Oberbürgermeister der Nachkriegszeit benannt ist. Der Kapitän macht dann erst mal klar Schiff, Sauberkeit und Ordnung sind ihm heilig. "In der Früh habe ich meine Ruh." Um 8 Uhr steht die erste Fahrt an, selbst wenn nur ein Fahrgast an Bord kommt, legt Junghans ab. Nur Eis und Hochwasser können ihn stoppen. Maximal 35 Passagiere darf er mitnehmen. An sechs Tagen in der Woche, von Dienstag bis Sonntag, von 8 bis 18 Uhr, steuert er das Hin und Her, nicht nach Plan, sondern nach Nachfrage. "Ich habe keine Uhr, habe ich nie gehabt." Langweilig ist es ihm nie geworden. "Wenn mal wirklich nichts zu tun ist, hole ich die Farbeimer raus und streiche." Er allein ist die ganze Mannschaft.

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