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Main-Taunus-Zentrum : Neue Ladenstraße für das älteste Einkaufszentrum

Bereit für Kundschaft: Die neue Einkaufsstraße des Main-Taunus-Zentrums am Tag vor der heutigen Eröffnung. Bild: Kretzer, Michael

Die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums ist abgeschlossen. Das Einkaufszentrum bei Sulzbach ist um 12.000 Quadratmeter gewachsen, an der neuen Ladenpassage ist Platz für 70 weitere Geschäfte.

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          Das Main-Taunus-Zentrum an der Autobahn66 bei Sulzbach ist um ein Siebtel gewachsen. Nach der Erweiterung umfasst es 91.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 12.000 mehr als bisher. Der Anbau bietet Platz für 70 zusätzliche Geschäfte, die von heute an geöffnet sind, wie Andreas Mattner sagte, er ist Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens ECE, das das Einkaufszentrum betreibt. Die Läden seien alle vermietet, die meisten an Modeketten. So entstünden 540 zusätzliche Arbeitsplätze, so dass im Einkaufszentrum 2800 Menschen tätig seien. Die Bauarbeiten für die Erweiterung haben vor zwei Jahren begonnen und nach Mattners Worten rund 75 Millionen Euro gekostet.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Einkaufszentrum besteht seit 1964 und war das erste seiner Art in Deutschland. Es gehört einem geschlossenen Immobilienfonds, den die DWS, die Investmentgesellschaft der Deutschen Bank, vor mehr als einem Jahrzehnt aufgelegt hatte. Mehrheitseigentümer des Fonds ist die Deutsche Euro-ShopAG. Das Einkaufszentrum hat nach den Worten des Center-Managers Matthias Borutta am Tag etwa 39.000 Besucher. Für die ersten Öffnungstage der Erweiterung würden bis zu 100.000 Konsumenten am Tag erwartet. An den ersten drei Tagen blieben die Geschäfte daher bis 24 Uhr geöffnet.

          „H&M“ wird der Größte

          Die meisten der neuen Ladenflächen im Anbau sind kleine Geschäfte. Damit komme man den Wünschen der Kunden entgegen, sagte Katharina Douma, Vermietungs-Managerin bei ECE. Gemietet haben nach ihren Worten viele Modeketten, etwa „Hollister“, „Lacoste“ oder „Marc O‘Polo“. Auch Schuhgeschäfte, Kosmetikanbieter, Optiker und Hersteller von Sportartikeln und Kochtöpfen seien eingezogen.

          Unter den neuen Mietern fänden sich auch regionale Händler, etwa die „Weinkellerei Höchst“ und der Darmstädter Spielwarenhändler „Faix und Söhne“. Das größte Geschäft wird nach Angaben von ECE an die Modekette „H&M“ vermietet. Auch eine Verkaufsstelle des Computerherstellers „Apple“ werde heute öffnen. Einige Cafés und Imbisslokale zählen ebenfalls zu den neuen Angeboten, wie Borutta sagte. So öffneten ein Lokal mit asiatischen Gerichten und ein französisches Café am runden Platz in der Mitte des Anbaus.

          Man habe sich bewusst gegen eine geschlossene Passage entschieden

          Die neuen Läden liegen an einer neuen, zweiten Ladenstraße mit einer Länge von 400 Metern. Sie verläuft parallel zur bestehenden Passage, neben der Bundesstraße8. Verbunden sind die alte und die neue Passage mit drei Durchgängen, an den beiden Enden und in der Mitte, so dass ein Rundkurs entsteht. Die mittlere Verbindung führt von der bestehenden Markthalle zur Rotunde in der Mitte der neuen Passage.

          Anders als in den meisten neueren Einkaufszentren ist die neue Ladenstraße offen, ebenso wie die alte Ladenpassage. Man habe sich bewusst gegen eine geschlossene Passage entschieden, um nicht zwei unterschiedliche Welten zu schaffen, sagte Borutta. Die Ladeneingänge sind mit einem durchgehenden Vordach geschützt. Über der Rotunde in der Mitte und über den Rampen, die den Höhenunterschied ausgleichen, stehen trichterförmige Schirme.

          Ähnlich einer „gewachsenen Fußgängerzone“

          Mit ihrer Architektur sollen sich die Ladengebäude des Anbaus von den bestehenden Kaufhäusern abheben, wie der Architekt Maik Günther erläuterte. Die alten Kaufhäuser seien „anonym gehalten“, mit weißen und grauen Fassaden zeigten sie die typische Formensprache der Jahrzehnte von den sechziger Jahren bis zum Ende des vergangenen Jahrtausends, sie ähnelten Bauten in Gewerbegebieten. Die neuen einstöckigen Läden sollten an Fassaden einer Innenstadt erinnern. Die Wänden über dem gläsernen Vordach seien in frischen Farben von Dunkelrot bis Gelb gehalten.

          Borutta sagte, das Main-Taunus-Zentrum sei einer „gewachsenen Fußgängerzone“ ähnlicher als einem klassischen neuen Einkaufszentrum, weil die Baustile verschiedener Jahrzehnte zu sehen seien. Die jüngste Erweiterung sei der größte Umbau in der Geschichte des Zentrums. Gebaut wurde auf dem früheren Parkplatz. Als Ersatz für die Stellplätze wurde ein neues Parkhaus errichtet, so dass etwa 500 Parkplätze mehr zur Verfügung stehen als vor der Erweiterung, wie Mattner sagte. Jetzt gebe es 4500 Parkplätze.

          Angebot für die ganze Region

          Die Sulzbacher Bürgermeisterin Renate Wolf (SPD) sagte, in den sechziger Jahren, in der Zeit von Aufbruchstimmung und Wirtschaftswunder, sei es eine weitsichtige Entscheidung gewesen, ein Einkaufszentrum eines damals in Deutschland neuen Typs zu bauen. Für den Ort sei das Main-Taunus-Zentrum eine „große Bereicherung“, es sei Aushängeschild und bringe Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

          Bei dem heute für die Region geltenden Einzelhandelskonzept sei es dagegen „nicht denkbar“, ein Einkaufszentrum dieser Größe in einer kleinen Gemeinde wie Sulzbach zu errichten. An der Erweiterung sei in der Umgebung, besonders in Frankfurt, Kritik geäußert worden. Das Einkaufszentrum sei aber ein Angebot für die ganze Region, es mache das Rhein-Main-Gebiet anziehend.

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