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Flüchtlinge in Rhein-Main : Bald schon 85 Lotsen für Flüchtlinge

Schnell und günstig: Auf dem Areal der Traingle Housing sollen Anfang 2019 die ersten Wohnungen fertig sein. Bild: Marcus Kaufhold

Im Main-Kinzig-Kreis stehen den Asylsuchenden viele Ehrenamtliche zur Seite. Die Bereitschaft zur Hilfe ist groß. Nur an einem Ort gab es Ärger um eine Unterkunft.

          Ein halbes Jahr verbrachte der junge Somalier Daahir Abdullahi Osman im einstigen Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde von Hanau-Steinheim. Das Kirchenasyl verschonte den traumatisierten Flüchtling von einer Abschiebung. Nach seiner gefährlichen Flucht war er von Italien nach Deutschland gereist. Doch das europäische Recht forderte seine Rückkehr nach Italien, weil es das erste Land in Europa war, in das er seinen Fuß gesetzt hatte.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Hilfe und Betreuung hätte er dort aber nicht erhalten – zumindest nicht jene wie die von Mitgliedern der evangelischen Gemeinde. Sie gaben dem jungen Somalier nicht nur Obhut, sondern sorgten auch dafür, dass er Essen und Trinken, Gesellschaft und Deutschstunden bekam.

          Nicht nur bei den zahlreichen Kirchenasylen im Main-Kinzig-Kreis finden sich viele Unterstützer zusammen, auch bei den Bemühungen zur Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden stehen immer mehr Bürger bereit, um sich zu Helferkreisen zusammenzuschließen.

          Lotsen müssen rechtliche Grundlagen kennen

          In fast allen Kommunen würden die Flüchtlinge mit großer Akzeptanz aufgenommen, heißt es aus dem Landratsamt. Als herausragendes Erfolgsmodell gilt das Projekt der Integrationslotsen. Es funktioniert vermutlich deshalb so gut, weil viele der Helfer selbst erfahren haben, was es heißt, in einer fremden Kultur heimisch zu werden. Die meisten der rund 60 Lotsen haben ausländische Wurzeln und oft selbst ein Asylverfahren durchlaufen. Derzeit bereiten sich 25 weitere Lotsen in Kursen auf ihre ehrenamtliche Aufgaben vor. Dazu gehört es etwa, die neu Zugewanderten bei Arzt- und Behördengängen zu begleiten, ihnen bei der Erledigung des Schriftverkehrs zu helfen und ihnen die deutsche Kultur nahezubringen.

          Ein Lotse im Straßenverkehr müsse Grundregeln des Straßenverkehrs kennen und bestimmte Situationen einschätzen können. Bei den Integrationslotsen sei das ganz ähnlich, erläutert die Sozialdezernentin des Kreises, Susanne Simmler (SPD). Am Ende der Ausbildung seien die Unterstützer mit vielen rechtlichen Regelungen sowie mit Konfliktlagen vertraut, denen sich Migranten gegenübersehen könnten. Oft brächten die Helfer aufgrund ihrer Erfahrungen ihre eigenen Wege und Lösungen mit, ergänzen die Mitarbeiter des Integrationsbüros.

          Susanne Simmler, Sozialdezernentin des Kreises, sucht gemeinsam mit andern nach Wegen, Flüchtlingen Jobs zu vermitteln.

          Das gilt nicht zuletzt für die Überwindung der Sprachbarrieren. Die Gruppe der Integrationslotsen bietet nicht nur gängige Sprachen wie Englisch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Spanisch und Französisch, sondern auch ausgefallenere wie Luganda, Kisuaheli, Albanisch, Afghanisch, Kasachisch, Dari, Urdu, Hindi und Punjabi.

          Doch um in Deutschland Fuß fassen zu können, sollen die Asylsuchenden so schnell wie möglich Deutsch lernen. Zusammen mit den „Bildungspartnern Main-Kinzig“, unter deren Dach auch die Kreisvolkshochschule angesiedelt ist, will der Kreis den Flüchtlingen künftig das Lernen der deutschen Sprache verstärkt ermöglichen. So soll in den nächsten Tagen ein neuer Sprachkursus am Hof Reith, der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises, die bisher nur von Ehrenamtlichen angebotenen Deutschkurse ergänzen.

          Engagement von unschätzbarem Wert

          Als zentrale Anlaufstelle fungiert das Koordinationsbüro des Kreises. Während dort die organisatorischen Fäden der Integrationsarbeit zusammenlaufen, kümmert sich die Abteilung „Hilfen für Migranten“ unter anderem um die finanziellen Zuwendungen an die Flüchtlinge. Beide Sachgebiete wurden zum Jahresbeginn dem bestehenden Amt für Sicherheit und Ordnung zugeschlagen, das nun den Titel Amt für Sicherheit, Ordnung, Migration und Integration trägt. Zweck der Zusammenlegung war laut Simmler eine engere Vernetzung der Verwaltungsstrukturen für schnelleres und flexibleres Handeln.

          Von unschätzbarem Wert ist für die Kreisverwaltung nicht nur das Engagement der Integrationslotsen, sondern auch das der vielen weiteren Bürger, die sich in örtlichen Helferkreisen zusammengeschlossen haben. Ebenso leisten die Caritas, das Diakonische Werk und weitere Institutionen laut Simmler wichtige Unterstützung bei der Betreuung der Flüchtlinge. In fast allen Städten und Gemeinden seien die Asylbewerber willkommen, die Akzeptanz sei sehr hoch.

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