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Buchhandlung an Heiligabend : Männer auf der Suche

Von einem gehobenen Niveau zeugt auch die Liste der Bücher, die sich in den zurückliegenden Wochen am besten verkauft haben. In „Herkunft“ erzählt Botho Strauß von seiner Kindheit in Naumburg und Bad Ems. Seinen Vater beschreibe er in einer Sprache, die „zum Niederknien schön“ sei, sagt die Expertin. Michael Köhlmeier widmet „Zwei Herren am Strand“ Winston Churchill und Charlie Chaplin - zwei Giganten der Weltgeschichte. Schließlich die „Pfaueninsel“. Der Autor Thomas Hettche lässt den Rückzugsort der Preußenkönige in der Havel bei Potsdam mit einer Liebesgeschichte so anrührend wieder auferstehen, dass Wörner-Hardt sie den Kunden, die dazu passen, sehr ans Herz legt.

Comic-Romane in Alltagssprache angesagt

Bei ihr zu Hause liegen gerade mehr als 50 Bücher, die gelesen werden müssen, weil die Verlage sie zum Frühjahrsgeschäft herausbringen wollen. Bei der Auswahl verlässt sie sich auf „Können und Erfahrung“. Auch das Feuilleton großer Zeitungen wird zu Rate gezogen. Außerdem kommen die Vertreter von 18 Verlagen persönlich ins Geschäft. Etwa eine Stunde dauert es jeweils, bis die Bestellungen stehen.

Auf einer Verkaufsfläche von 80 Quadratmetern verfügt Vaternahm über rund 10.000 unterschiedliche Titel. Was fehlt, lässt sich rasch besorgen. Die Großhändler liefern über Nacht. Die Belletristik ist der Schwerpunkt der Buchhandlung. Kunst und Geschichte sind stark vertreten. Aber auch Kinderbücher sind im Angebot.

Doch die Zeiten, in denen große Werke wie der „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ Kinder und Eltern auf der ganzen Welt verzauberten, scheinen vorbei zu sein. Momentan sind dünne Comic-Romane in Alltagssprache angesagt. „Das Durchhaltevermögen, lange Text zu lesen, schwindet rasant“, konstatiert Wörner-Hardt. Dies gelte besonders für Kinder. Von sich aus fänden sie kaum den Weg in ihre Buchhandlung.

„Wir hoffen auf ein schönes Plus“

Dafür kämen Rentner manchmal zwei- bis dreimal in der Woche. Sie suchten das persönliche Gespräch über dies und das, verließen den Laden aber selten, ohne auch etwas gekauft zu haben. Im Durchschnitt seien sechzig Prozent aller verkauften Bücher Geschenke, sagt Wörner-Hardt. Doch in der Weihnachtszeit steige der Prozentsatz auf achtzig an.

Und je näher der Heilige Abend rücke, um so höher sei der Anteil der männlichen Kunden. „Ich brauche noch ein Geschenk“, sagten sie dann schlicht. Darauf sei man natürlich eingestellt. Viele verließen sich voller Vertrauen auf die Empfehlungen. Anderen sei es anscheinend eher egal, was genau am Ende auf dem Gabentisch liege. Andere Kunden wiederum nehmen sich Wörner-Hardt zufolge viel Zeit. Ein Mann in den besten Jahren erscheint seit einigen Jahren am Heiligen Abend um 10 Uhr. Er sieht sich ungefähr zwei Stunden lang in den Regalen um, und verlässt das Geschäft schließlich mit einem hohen Stapel auf dem Arm.

Weniger Mühe machen Gutscheine. „Weil sie häufig verschenkt werden, müssen wir auch nach den Feiertagen gut sortiert sein“, erklärt Wörner-Hardt. Aber auch wenn das Weihnachtsgeschäft am Heiligen Abend nicht endgültig endet, lässt sich dann schon eine erste Bilanz ziehen. Wörner-Hardt ist optimistisch. „Wir hoffen auf ein schönes Plus.“

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