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Grüner Nahverkehr in Darmstadt : Elektrobusse „grundsätzlich machbar“

  • -Aktualisiert am

Spannung: In Darmstadt wird der Betrieb von Elektrobussen geprüft. (Symbolbild) Bild: Irl, Maria

Der Darmstädter Verkehrsbetrieb Heag mobilo prüft, inwieweit er seine Flotte umstellen kann. Zunächst will er Erfahrungen mit einer Linie sammeln.

          So wie zwischen 1944 und 1963, als in Darmstadt elektrische Busse entlang einer Oberleitung durch die Stadt fuhren, wird es zwar nicht wieder zugehen. Aber im Laufe des nächsten Jahrzehnts könnte das Verkehrsunternehmen Heag Mobilo abermals auf Elektrobusse setzen. Das legen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie nahe, die Heag Mobilo mit der Verkehrs-Consult Dresden-Berlin erstellt hat. Sie bestätigt, dass grundsätzlich auf fünf innerstädtischen Linien (F, H, K, L und R) „Opportunity-Charging-Batteriebusse“ eingesetzt werden könnten. „Mit einem solchen System können wir die Buslinien elektrisch betreiben“, sagt Heag-mobilo-Geschäftsführer Michael Dirmeier.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Bei den „Gelegenheitsladern“ handelt es sich um E-Busse, die jeweils an den Wendepunkten der Linien über einen Stromabnehmer Energie tanken. Die Untersuchung hat diese Variante als das am besten geeignete Antriebskonzept herausgestellt, weil Batteriekapazität und Nachladeleistung genau auf die betrieblichen Erfordernisse abgestimmt werden könnten. Wie Dirmeier erläutert, ist bei diesem System die Batterie im Fahrzeug nur so groß, „wie wir sie für den jeweiligen Linieneinsatz benötigen“. Das schaffe im Vergleich zum Übernacht-Ladesystem mehr Platz für Fahrgäste.

          Mögliche Einsparung von rund 1.200 Tonnen Kohlendioxid jährlich

          Schnellladestationen zum Aufladen der Batterien könnten an den Haltestellen Pankratiusstraße, Heinheimer Straße, Alfred-Messel-Weg, Oberwaldhausstraße, TU-Lichtwiese/Mensa und Anne-Frank-Straße errichtet werden. Sie wären grundsätzlich auch als Stromtankstellen für Autos geeignet. Zu diesem Punkt sind weitere Untersuchungen gemeinsam mit der städtischen Tochter Entega vorgesehen. Die Ladestation am Betriebshof am Böllenfalltor wäre indessen nur für Fahrzeuge, die über Nacht nachgeladen werden müssen.

          Im Moment sind auf den fünf Linien 22 Busse unterwegs, die im Laufe eines Jahres rund 1,7 Millionen Kilometer zurücklegen. Die Umrüstung auf Elektrobusse würde Investitionen in Höhe von 18,2 Millionen Euro erfordern, gerechnet auf eine Lebensdauer von 16 Jahren je Fahrzeug. Darin enthalten sind die Kosten für Fahrzeug, Energiespeicher, Ladeinfrastruktur, Werkstattausrüstung, Qualifizierung des Personals und Betriebskosten.

          Erfahrungen für emissionsfreien Busverkehr sammeln

          Laut Dirmeier ist für den Fall der Förderfähigkeit mit einer Beteiligung des Bundes von rund 50 Prozent zu rechnen. Die Elektrobusse verringern den Lärm und die Umweltbelastung. Einzusparen sind laut Machbarkeitsstudie jährlich rund 1.200 Tonnen Kohlendioxid, auch der Ausstoß von Stickoxiden sinkt.

          Durch die Untersuchung sieht sich Dirmeier ermutigt, zunächst mit der Elektrifizierung einer Linie zu beginnen. Dafür kämen die Linie L und R in Frage. Einen entsprechenden Forschungsantrag werde Heag mobilo zusammen mit weiteren Partnern aus Hessen beim Bundesverkehrsministerium stellen. „Für uns verbindet sich damit die Chance, bis 2018 wertvolle Erfahrungen zu den weiteren Schritten für einen emissionsfreien Busverkehr in Darmstadt zu machen.“ Sollten sie positiv ausfallen, könnten alle Linien bis 2025 umgerüstet werden.

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