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Lutherweg durch Hessen : Die schicksalhafte Reise des Reformators

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Von Wittenberg nach Worms: Im Jahr 1521 unternahm Martin Luther diese Reise. Luthers Weg wird nun in Hessen ausgeschildert. Bild: dpa

Im Jahr 1521 musste sich Martin Luther auf dem Reichstag in Worms rechtfertigen. Sein Weg führte auch durch Hessen. Wer mag, kann bald seinen Spuren folgen.

          Wanderer wissen, wie es ist, sich verlaufen zu können. Auch gute Karten helfen wenig, wenn die Beschilderung der Wege mangelhaft ist. Wer den neuen Lutherweg entlanggeht, dem soll das nicht passieren, denn er soll so mit Zeichen und Schildern versehen werden, dass niemand von ihm abkommt, wie Angela Georg-Feick sagt. Sie betreut die Geschäftsstelle des Vereins „Lutherweg in Hessen“ in Romrod.

          Der Verein wurde 2012 gegründet. Seine Aufgabe ist, den hessischen Teil jener Reise nachzuzeichnen, die Martin Luther im Jahr 1521 von Wittenberg nach Worms unternahm. Dort musste er sich vor dem Reichstag wegen seiner umstrittenen Thesen verantworten. Es sollte ein Schicksalsweg für ihn werden, denn am Ende wurde die Reichsacht über ihn verhängt, weil er seine Auffassungen nicht widerrief. Luther galt als vogelfrei, doch der Reformator hatte einen Schutzherrn: Kurfürst Friedrich der Weise brachte Luther in die Wartburg bei Eisenach, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte.

          „Arbeiten im Mai abgeschlossen“

          Der nördliche Teil des „Lutherwegs 1521“ von der hessisch-thüringischen Grenze bis Grünberg ist schon beschildert, wie Georg-Feick sagt. Derzeit werde in der Wetterau daran gearbeitet, dann gehe es Stück für Stück weiter nach Süden. „Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.“ Die Beschilderung wird vom Land Hessen finanziert und von einem Unternehmen aus Koblenz ausgeführt. Für die spätere Betreuung einzelner Wegabschnitte sucht der Verein aber ehrenamtliche Helfer. Wie Georg-Feick erläutert, sollen sie zweimal im Jahr nach dem Rechten schauen und darauf achten, dass die Schilder gut zu erkennen sind.

          Der Lutherweg nutzt vorhandene Wander-, Wald- und Wirtschaftswege, um die Reiseroute Luthers nachzuzeichnen. Deren exakter Verlauf sei nicht mehr bekannt, so der Verein. Aber der Überlieferung zufolge sei Luther auf dem Hin- und Rückweg zwischen Berka in Thüringen und Worms in Rheinland-Pfalz auf der alten Handelsstraße „Durch die kurzen Hessen“ über Bad Hersfeld, Alsfeld, Grünberg, Friedberg, Frankfurt und Oppenheim unterwegs gewesen. Die Strecke, die durch Hessen führt, ist 320 Kilometer lang.

          Die Beschilderung des „Lutherwegs 1521“ steht im Zusammenhang mit dem großen Reformationsjubiläum, das im nächsten Jahr gefeiert wird. Vor 500 Jahren, im Jahr 1517, hatte Luther seine Thesen zum Ablasshandel der Kirche veröffentlicht. Der Streit darüber führte schließlich zur Kirchenspaltung.

          Informationen über Luthers Reise nach Worms und den Lutherweg gibt Reiner Cornelius in einem Buch, das gerade im Auwel-Verlag erschienen ist. Es hat 264 Seiten und kostet 19,50 Euro. Ein von Cornelius verfasster Pilgerführer soll Ende April erscheinen.

          Ein guter Teil des Lutherwegs liegt auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Auch Worms gehört zu ihr und ist deren einzige Lutherstätte von Rang. Seit Ende vergangenen Jahres kann sich auch Idstein, das ebenso im Gebiet der EKHN liegt, „Reformationsstadt Europas“ nennen. Vergeben wurde der Titel von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, weil in Idstein vor knapp 200 Jahren mit der „Nassauischen Union“ erstmals ein Konfessionsfrieden zwischen Lutheranern und Reformierten geschlossen wurde.

          In Hessen durfte sich bisher nur Marburg so nennen. Dort hatte 1529 ein wichtiger Disput zwischen Luther und anderen Reformatoren stattgefunden. Insgesamt gibt es 42 „Reformationsstädte Europas“ in neun Ländern.

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