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Luftreinhalteplan : Mainz macht Ernst mit Tempo 30

Fuß vom Gas: Tempo 30 in Mainz Bild: Ehl

Auch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt muss rasch für bessere Luft sorgen. Helfen sollen dabei Tempo 30 und eine Umweltspur.

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          Gerade hat der Offenbacher Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) mit Freude zur Kenntnis genommen, dass das Land Hessen die Strategie zur Luftreinhaltung seiner Stadt akzeptiert, die dazu dienen soll, den Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter einzuhalten. Das Land hat die von der Stadt ausgearbeitete Strategie in die dritte Fortschreibung zum Luftreinhalteplan für Offenbach eingearbeitet. Hintergrund ist eine Klage der Deutschen Umwelthilfe, die sich aus rechtssystematischen Gründen gegen die Landesregierung richtet, nicht gegen die Städte selbst, in denen die Luft belastet ist.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vollzieht sich gerade das Gleiche. Die Mainzer haben sich allerdings dazu entschlossen, auch durch eine möglichst großräumige Einführung von Tempo 30 auf den innerstädtischen Straßen die Stickstoffwerte zuverlässig zu drücken. So stehen inzwischen an mehreren Hauptverkehrsachsen von Mainz Tempo-30-Schilder – und es werden noch mehr. Am Ende sollen nahezu in der gesamten Altstadt und in der Neustadt maximal 30 Kilometer in der Stunde zulässig sein. Die Einführung des Limits auf der Rheinachse, der Parcus- und der Kaiserstraße sind Teil des neuen Luftreinhalteplans für die Stadt. Wie der Offenbacher Kollege Weiß hofft auch die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Die Grünen), damit Verbote für ältere Dieselfahrzeuge vermeiden zu können. Erzwungen haben die Aktivitäten in Mainz, Offenbach und etlichen anderen Städten gleichlautende Klagen der Umwelthilfe.

          Stop-and-go-Verkehr vermeiden

          In Mainz ist man sich sicher, mit Tempo 30 den Verkehr sicherer und sauberer zu machen. Wie die Offenbacher setzen auch die Rheinland-Pfälzer darauf, dass sich die Luftqualität ebenfalls verbessert, wenn der unter Umweltgesichtspunkten besonders heikle Stop-and-go-Verkehr möglichst vermieden wird. In beiden Städten versuchen die Verkehrsbehörden das durch eine intelligente Schaltung der Ampelanlagen sicherzustellen. Diese Umstellung wird allerdings in Mainz noch einige Tage in Anspruch nehmen und in Offenbach eine noch längere Zeit.

          Die Reduzierung der Stickstoffoxid-Werte durch das Tempo-30-Limit wurde in Mainz von einem Ingenieurbüro errechnet. Seinem Ergebnis zufolge reduzieren sich die Emissionen in diesem Jahr um 15 Prozent. Konkret soll daraus eine Immissions-Minderung bis zirka vier Mikrogramm im Vergleich zu den Werten von 2019 möglich sein.

          Mit Umweltspuren den Radverkehr fördern

          Auf der Rheinachse reicht diese Maßnahme allein aber nicht ganz aus, auf Teilstrecken werden in der Berechnung die Grenzwerte überschritten, was zusätzliche Änderungen nötig macht. Mainz folgt deshalb den Empfehlungen des Umweltbundesamtes, Tempo 30 mit Maßnahmen zur Verkehrsverstetigung zu ergänzen und auch zu kontrollieren. Wie in Offenbach, soll auch in der Stadt am Rhein der Radverkehr weiter gefördert werden, vor allem durch Radfahr- und Schutzstreifen. Im Herbst soll zudem auf der Rheinallee bis zur Höhe der Einfahrt der Rheinufergarage eine Umweltspur entstehen. Die gewöhnlichen Fahrspuren werden um 3,50 Meter in Richtung Straßenmitte verrückt. Die neue Spur wird nur Bussen, Taxen und Fahrrädern vorbehalten sein.

          Bis zum Sommer nächsten Jahres soll die Umweltspur dann bis zur Großen Bleiche weitergeführt werden. Sie soll in die nachfolgende, schon bis zur Quintinsstraße bestehende Busspur münden.

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