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Luftreinhalteplan in Wiesbaden : Dieser Plan verändert die Stadt

  • -Aktualisiert am

Abgeschottet: Wiesbaden baut sein Radwegenetz konsequent aus, hier mit Hindernissen, die verhindern sollen, dass Autos den Radweg blockieren. Bild: Claus Setzer

Wiesbaden baut sein Radwegenetz konsequent aus, nimmt Ladestationen für Elektroautos in Betrieb und verändert die Verkehrsströme in der Stadt. Doch nicht wenige unken, dass der Plan nicht aufgehen wird. Ein Kommentar

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          Untätigkeit kann man Wiesbadens Verkehrsdezernenten Andreas Kowol nun wirklich nicht vorwerfen. Der passionierte Radfahrer baut das Radwegenetz der Stadt konsequent aus, nimmt Ladestationen für Elektroautos in Betrieb und verändert die Verkehrsströme in der Stadt. Das drohende Dieselfahrverbot verschafft dem Dezernenten der Grünen den nötigen Rückhalt, um ganz erheblich in die persönliche Mobilität der Menschen eingreifen zu dürfen.

          Als die Parkplätze am zweiten Ring ersatzlos gestrichen wurden, damit dort der Durchgangsverkehr besser fließen kann und zugleich der erste Ring entlastet wird, hat Kowol die ohnehin katastrophale Parkplatzsituation der Anwohner im Westend und im Rheingauviertel noch einmal verschärft. Einen Aufschrei gab es trotzdem nicht. Sein Vorhaben, schon am Dürerplatz mit Ampelschaltungen die morgendliche Blechlawine auf den zweiten Ring umzuleiten, wird im Berufsverkehr für noch längere Staus der Einpendler aus dem Untertaunus sorgen. Auch dagegen regt sich kaum Widerstand.

          Einsicht oder Angst?

          Die nach wie vor existierenden Pläne, ein Lastwagen-Durchfahrtsverbot in Wiesbaden zu installieren, werden nach dem ersten Aufschrei ebenfalls hingenommen. Kowol kann Vorhaben durchsetzen, gegen die es vor zwei oder drei Jahren noch erheblichen Widerstand gegeben hätte. Ist dies nun die Einsicht, dass die Verkehrswende unausweichlich ist, oder die nackte Angst vor einem Dieselfahrverbot in großen Teilen der Innenstadt?

          Am 19. Dezember kommt es zum Schwur. Dann werden die Verwaltungsrichter darüber urteilen, ob Kowols Projekte ausreichen, um Dieselfahrer weiter in die Innenstadt fahren zu lassen. Nicht wenige unken, dass der Plan nicht aufgehen wird. Hinzu kommt, dass einige der aufgelisteten Maßnahmen lediglich Hypotheken auf die Zukunft sind. Fahren nächstes Jahr nicht genug Elektro-Busse auf Wiesbadens Straßen, werden die Grenzwerte wohl nicht eingehalten. Fraglich ist auch, ob es gelingt, ausreichend Wiesbadener zum Radfahren zu motivieren. Ihr Anteil am Gesamtverkehr soll laut Luftreinhalteplan auf zehn Prozent steigen. Das ist fest eingeplant – ohne Garantie, dass dieser Anteil dann auch erreicht wird.

          Wären nicht so viele Menschen existentiell von einem Diesel-Fahrverbot betroffen, könnte man ob der Skurrilität der Situation fast lachen: Es sollen mehr Menschen radeln, damit andere weiter ihre alten Diesel fahren dürfen. Wie auch immer: Der Luftreinhalteplan wird die Stadt dauerhaft verändern, ob mit oder ohne Dieselfahrverbot.

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