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„Massive Schwierigkeiten“ : Lufthansa rügt Fraport und zieht weitere Flugzeuge ab

Up in the air: Lufthansa zieht zwei Großraumjets vom Frankfurter Flughafen ab. Bild: dpa

Lufthansa-Vorstandschef Spohr ist mit den Prozessen am Frankfurter Flughafen unzufrieden. Von allen vier Drehkreuzen der Lufthansa liege Frankfurt in Sachen Pünktlichkeit auf letztem Platz. Jetzt werden zwei Großraumjets nach München verlagert.

          Mit knapp 36 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2018 kann sich die Lufthansa-Gruppe inzwischen als umsatzstärksten Airline-Konzern der Welt bezeichnen. Dass der Kranich dabei mit 2,8 Milliarden Euro nur das zweitbeste Ergebnis der Konzerngeschichte erreicht hat, ist, neben hohen Kerosinpreisen und der Übernahme von 77 Jets der insolventen Air Berlin in die Flotte der Tochter Eurowings, auch dem Flug-Chaos im Sommer vergangen Jahres zuzuschreiben. Als Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr gestern in der Frankfurter Zentrale auf das Geschäftsjahr 2018 zurückblickte, ließ er denn auch keinen Zweifel daran, dass er mit den Prozessen in der Passagierabfertigung am Frankfurter Flughafen besonders unzufrieden ist.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Von allen vier Drehkreuzen der Lufthansa – Frankfurt, München, Zürich und Wien – liege Frankfurt bei Qualitätskriterien wie Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit auf dem letzten Platz. Man sei zwar in ständigen Gesprächen mit Flughafenbetreiber Fraport, aber man komme nicht voran, sagte Spohr. Dazu passt, dass die Lufthansa zwei weitere ihrer ursprünglich 14 Großraumflugzeuge vom Typ Airbus A 380 von Frankfurt nach München verlegt und statt ihrer kleinere Jets auf Deutschlands größtem Flughafen stationiert. Auch das ist Spohr zufolge damit zu erklären, dass Frankfurt in Hauptverkehrszeiten massive Schwierigkeiten habe. Schon die erste Verlagerung von fünf A 380 nach München hatte die Lufthansa so begründet.

          In Triebwerke investiert

          Die Lufthansa wird außerdem in den drei nächsten Jahren sechs A 380 an Airbus zurückgeben, womit die Flotte auf acht Flugzeuge schrumpft. Wo die dann stationiert sein werden, ob in Frankfurt, wo auch die A 380-Wartung etabliert ist, oder in München, sei gegenwärtig noch nicht zu sagen. Kleiner wird die Flotte des Konzerns damit aber nicht. Vielmehr hat Lufthansa alleine im Vorjahr 3,3 Milliarden Euro in 46 Flugzeuge und effizientere Triebwerke investiert. Den Ersatz ausgemusterter Flugzeuge mit eingerechnet, wuchs die Lufthansa-Flotte 2018 so um 35 auf 763 Maschinen. Außerdem hat der Konzern gerade je 20 Langstreckenflugzeuge der Typen Boeing 787-900 und Airbus A 350 bestellt. Diese 40 Maschinen würden regulär gerechnet zusammen zwölf Milliarden Dollar kosten. In der Realität zahlt aber praktisch keine Airline die Listenpreise.

          Bedenklich in Hinblick auf einen flüssigen Flugverkehr ist es aus Spohrs Sicht auch, dass die Deutsche Flugsicherung gerade wissen ließ, dass sie zu wenig Lotsen habe. Die könne man nicht auf die Schnelle ausbilden, aber das vorhandene Personal lasse sich besser einteilen. So erweise sich etwa das Kontrollzentrum in Karlsruhe als „Flaschenhals“, den man mit überschaubarem Aufwand weiten könne. Um selbst verschuldete Verzögerungen zu vermeiden, hat die Lufthansa Spohr zufolge 400 Einzelmaßnahmen ergriffen. Dazu zählt, dass 2019 die Zahl der Reservemaschinen um 15 auf 37 erhöht wird.

          Was mögliche Zukäufe betrifft, käme die Ferienfluggesellschaft Condor in Frage. Der britische Reisekonzern Thomas Cook bietet die einstige Lufthansa-Tochter und die anderen Konzern-Airlines zum Kauf an. Grundsätzlich sei man offen, es hänge aber davon ab, welche Vorstellungen Thomas Cook habe, sagte Spohr.

          Gegenüber der Condor-Zentrale im Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens finden sich Fertigungsstätten einer Lufthansa-Tochter, über deren Zukunft der Mutterkonzern ebenso intensiv nachdenkt: Wieder einmal zieht er den Verkauf seiner Küchensparte LSG in Erwägung. Im Vorstand war schon öfter davon die Rede, dass das Kochen nicht zum Kerngeschäft gehöre. Das hat bisweilen auch mit Tarifrunden zu tun gehabt. 2013 etwa verzichteten die Mitarbeiter auf Urlaubstage und Entgelt, um die LSG im Konzern zu halten. Damals handelten sie auch einen langfristigen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen aus. Der endet nächstes Jahr.

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