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Streik bei Lufthansa : Nur wenige schimpfen auf die Piloten

Ein Flug nach nirgendwo:Die Lufthansa strich Dutzende Verbindungen. Bild: Amadeus Waldner

Am Frankfurter Flughafen ist kaum etwas vom Streik der Piloten zu spüren, auch wenn 9000 Passagiere betroffen waren. Trotz des vierten Streiks in wenigen Wochen ist eine Einigung nicht in Sicht.

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          Fast schon routiniert ist am Flughafen der vierte Pilotenstreik binnen weniger Wochen abgewickelt worden. Nur wenige Passagiere, die eine Reise nach Asien oder in die Vereinigten Staaten antreten wollten, machten an den Schaltern ihrem Ärger über mitunter mehrstündige Zwangsaufenthalte Luft. Einige schimpften auf die Piloten, die „den Hals nicht vollkriegen“ könnten. Die meisten waren schon am Vortag von der Lufthansa per Mail oder SMS darüber informiert worden, dass ihr Flug ausfalle. Viele der rund 9000 vom Streik betroffenen Passagiere hatten auf spätere Flüge, auf andere Flughäfen oder Fluggesellschaften umgebucht. Für diejenigen, die dennoch in Frankfurt ihren Anschlussflug verpassten und kein Visum für Deutschland hatten, wurden im Transitbereich vorsorglich Feldbetten aufgestellt.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Ende des Ausstandes mussten von 57 geplanten Verbindungen nach Übersee 25 gestrichen werden. Zum Teil waren nicht gewerkschaftlich organisierte Flugzeugführer oder leitende Mitarbeiter des Unternehmens mit Pilotenlizenz eingesprungen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit stellte weitere Kampfmaßnahmen in Aussicht, sollte Lufthansa nicht bald das geforderte „unterschriftsreife Angebot“ vorlegen.

          Seit Tagen „nicht ernsthaft verhandelt“

          Offenbar liegen die Positionen im Gezerre um eine neue Regelung der Übergangsversorgung für ältere Piloten nach wie vor weit auseinander. Nachdem die Lufthansa den alten Tarifvertrag Ende vergangenen Jahres gekündigt hat, streitet man darüber, wie die Regelung, mit der Piloten vorzeitig aus dem Dienst scheiden können, angesichts der Kostenbelastung zu modifizieren sei.

          Derzeit erhalten die Piloten 60 Prozent des Bruttogehaltes bis zum Beginn der Rente weitergezahlt. Lufthansa will die Altersgrenze, die bisher bei 55 Jahren liegt, auf 61 Jahre anheben und nach Dienstjahren staffeln. Cockpit hält hingegen die bisherige Übergangsversorgung für „nahezu kostenneutral“. Beide Seiten werfen sich vor, nicht kompromissbereit zu sein. Ernsthaft verhandelt worden sei in den vergangenen Tagen nicht mehr, hieß es. Ein Cockpit-Sprecher kündigte an, die Auseinandersetzung notfalls auch „langfristig“ zu führen.

          Der Ausstand war diesmal für die Zeit von 8 bis 23 Uhr geplant, deutlich länger als vor zwei Wochen. Damals sagte Cockpit den Streik in Frankfurt kurzfristig ab, nachdem klar wurde, dass die Lufthansa voraussichtlich kaum einen Flug würde streichen müssen.

          Einbußen durch Streik noch unklar

          In einer Videobotschaft warb Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr bei den Kunden um Verständnis. Angesichts der sich verschärfenden Konkurrenz in der Branche habe man eine Verantwortung für das gesamte Unternehmen und die rund 120.000 Mitarbeiter weltweit. In deren Interesse müsse man weiterhin sowohl Qualität bieten als auch investieren können.

          Die Lufthansa konnte die wirtschaftlichen Einbußen durch den Ausstand noch nicht beziffern. Schon am Montag hatte das Unternehmen darauf hingewiesen, dass vor allem der Vertrauensverlust in die Zuverlässigkeit der Fluggesellschaft erheblich sei. Heute fallen als Spätfolge des Streiks nur noch einzelne Flüge aus.

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