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Flüchtlinge bei Halbmarathon : Laufen ohne Angst

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Entspannt bei der Premiere: Abraham, Hanibal, Awet und Anday (von links) mit Pfarrer Thomas Stephan (Mitte) beim Frankfurter Halbmarathon. Bild: Norbert Müller

Auch vier Flüchtlinge aus Eritrea haben am Lufthansa-Halbmarathon in Frankfurt teilgenommen. Für sie war Laufen lange ein „sich in Sicherheit bringen“.

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          Langstreckenläufer kennen ihren Ruhepuls, ihren Körperfettanteil, ihre Durchschnitts- und Bestzeiten. Von Awet, Hanibal, Anday und Abraham wissen ihre Betreuer noch nicht einmal genau, wie alt sie sind. Bisher haben sich die Vier um ganz andere Dinge Sorgen gemacht als um ihre Fitness. Und doch stehen sie nun am Start des Lufthansa-Halbmarathons, zusammen mit 5500 anderen Sportlern.

          Die Afrikaner sind Flüchtlinge, sie stammen aus Eritrea und wohnen seit etwa sechs Monaten im Giuseppe-Bruno-Haus, einer Übergangsunterkunft der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt. Zusammen mit Pfarrer Thomas Stephan und ihrem Betreuer Robert Gilcher von der evangelischen Kirche in Niederrad sind sie am Sonntag zum Start am Waldstadion gekommen, um die gut 21 Kilometer Laufstrecke in Angriff zu nehmen.

          In Eritrea spielte Awet Fußball

          Pfarrer Stephan weiß, dass es für die Flüchtlinge etwas Eigenartiges ist, an solch einem Sportereignis teilzunehmen. Dort, wo sie herkommen, laufen Menschen selten zum Vergnügen schnell, sondern eher, um sich vor Gefahren in Sicherheit zu bringen. Stephan wird selbst am Lauf teilnehmen; er trägt ein Trikot mit dem Logo der „Churches’ Commission for Migrants in Europe“. Betreuer Gilcher hat eine Fahne dieser kirchlichen Hilfsorganisation mitgebracht. Er will die Eritreer vom Rand der Strecke aus anfeuern.

          Awet, Hanibal, Anday und Abraham sind noch nie einen Halbmarathon gelaufen. Trotzdem sagt Awet, er fühle sich „locker“. Er hat Fußball gespielt, bevor er aus seiner Heimat geflohen ist. In Eritrea gibt es weder Meinungs- noch Versammlungsfreiheit. Wer zum Militärdienst einberufen wird, muss damit rechnen, sein ganzes Leben in der Armee zu verbringen. Immer wieder gibt es Konflikte mit den Nachbarländern Äthiopien und Dschibuti.

          Alle schaffen es ins Ziel

          Was genau die vier Männer durchgemacht haben, bevor sie im August im Gießener Erstaufnahmelager ankamen, weiß Gilcher nicht: „So etwas kommt mit der Zeit heraus. Dann werden Fotos gezeigt von der Familie oder von Freunden, die entführt worden sind, oder es werden andere schreckliche Dinge erzählt.“ In Frankfurt sind die Vier freundlich empfangen worden. Nicht nur die evangelische Gemeinde in Niederrad, auch der Verein der Naturfreunde und andere Unterstützer hätten sich ihrer angenommen, berichtet Gilcher.

          So kamen sie auch zum Sport. Auf Einladung des Vereins „Spiridon“, der den Lufthansa-Halbmarathon ausrichtet, sind sie schon mit dem Lauftreff gejoggt, und beim Silvesterlauf über zehn Kilometer gingen sie ebenfalls an den Start. Deshalb hat es der Laufclub den Männern ermöglicht, ohne Gebühr beim Halbmarathon anzutreten.

          Kurz nach zehn Uhr wird es ernst für die Athleten. In sechs Gruppen aufgeteilt, gehen sie auf den Laufkurs, der durch Niederrad und Sachsenhausen führt. Jeder hat einen Chip am Schuh befestigt, der die Zeit misst. Anday ist der Schnellste von den vier Afrikanern: Er legt die Strecke in einer Stunde und 24 Minuten zurück. Aber auch seine drei Sportkameraden schaffen es ins beste Fünftel der Teilnehmer. Vielleicht macht ihnen das Mut für den Marathon, der noch vor ihnen liegt und dessen Ziel ein friedliches Leben ist.

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