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Gespräche am Wochenende : Ufo droht mit dem nächsten Streik

Lautstarker Protest: Gewerkschaftsmitglieder am Freitag vor der Lufthansa-Zentrale am Frankfurter Flughafen. Bild: EPA

Für das Wochenende sind Gespräche der Lufthansa und der Kabinengewerkschaft Ufo angesetzt. Sie sollen eine Schlichtung ermöglichen.

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          Es ist nicht der beste Einfall des Tages gewesen, den rund 500 streikenden Mitgliedern der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, die sich vor der Frankfurter Konzernzentrale der Lufthansa versammelt hatten, vom vielversprechenden Verlauf des „Spitzengesprächs“ vom Mittwoch bei Konzernchef Carsten Spohr zu erzählen. Denn bei dem war die Ufo aus verschiedenen Gründen gar nicht vertreten. Klaus Froese, bei der Lufthansa für das Drehkreuz Frankfurt verantwortlich, berichtete trotzdem – und erntete empörte Pfiffe.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Die lautstarke Reaktion hat mehrere Gründe. Erstens mussten die Ufo-Vorsitzende Sylvia De la Cruz und ihr Stellvertreter Daniel Flohr in Frankfurt der Entscheidung über den Versuch der Lufthansa beiwohnen, den auf 48 Stunden von der Gewerkschaft angesetzten Streik per gerichtlichem Eilbeschluss zu stoppen. Und zweitens lehnte es die Lufthansa nach Auskunft der Ufo ab, mit anderen Vertretern als der Vorsitzenden und ihrem Stellvertreter zu sprechen. Und so waren am Montag lediglich die in der Kabine deutlich weniger starke Verdi und eine zumindest bisher noch bedeutungslose Untergruppe der Industriegewerkschaft Luftverkehr namens Cabin Union bei Spohr.

          Noch keine gemeinsame Lösung

          Lufthansa-Manager Froese mag sich damit trösten, dass es angesichts des offensichtlich erheblichen Unmutes ohnehin nicht der Zeitpunkt für ein gelassenes Gespräch war. Seine weitere Einlassung, es müsse alle Lufthanseaten bekümmern, dass man bislang nicht in der Lage gewesen sei, gemeinsam eine Lösung zu finden, ging im Pfeifen unter. Womöglich hat Froese aber dem Vorstand hoch oben im Lufthansa Aviation Center davon berichtet, wie groß der Unmut der Kabinenmitarbeiter ist, die sonst keineswegs als streikaffin und konfliktversessen bekannt sind.

          Draußen vor der Zentrale ließen die Ufo-Spitzenvertreter De la Cruz und Flohr ungeachtet dessen keinen Zweifel daran, dass bei den für dieses Wochenende angesetzten Sondierungsgesprächen substantielle Ergebnisse erzielt werden sollten, die dann eine Schlichtung ermöglichen könnten. Andernfalls, so führte Flohr weiter aus, werde man den Arbeitskampf weiterführen. „Sonst kommen wir wieder und wieder und wieder.“

          Immerhin hat der Lufthansa-Konzern insofern eine gewisse Strategieänderung angedeutet, als er inzwischen die Ufo als verhandlungsfähige Tarifpartei anerkennt. Denn nur so ergibt das inzwischen von Konzernchef Spohr öffentlich gesteckte Ziel einer Schlichtungsvereinbarung mit dieser Organisation einen Sinn. Die Folgen des Streiks sind in jedem Fall schon jetzt erheblich. Immerhin hatte die Lufthansa im Vorgriff auf den angekündigten Streik über 48 Stunden rund 1300 Flüge gestrichen. Allein in Frankfurt fielen gestern 600 Flüge aus.

          An beiden Streiktagen zusammen waren rund 180.000 Fluggäste der Lufthansa von den Folgen des Arbeitskampfes betroffen. Und auch heute werden die Folgen noch zu spüren sein, wie der Flughafenbetreiber Fraport wissen ließ. Weil viele Passagiere in solchen Fällen frühzeitig umbuchen und ihren Reisetermin verschieben, rechnen die Frankfurter heute mit einem zusätzlichen Passagieraufkommen. Aus diesem Grund rät Fraport, mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein.

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