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Luftfahrt/Justiz : Auch Vorstände von Fraport unter Verdacht der Korruption

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Die Korruptions-Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Engagement des Frankfurter Flughafens in Usbekistan richten sich inzwischen auch gegen den Vorstandsvorsitzenden der Fraport AG, Wilhelm Bender, und dessen Stellvertreter Manfred Schölch.

          Die Korruptions-Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Engagement des Frankfurter Flughafens in Usbekistan richten sich inzwischen auch gegen den Vorstandsvorsitzenden der Fraport AG, Wilhelm Bender, und dessen Stellvertreter Manfred Schölch. Diese Meldung bestätigte Unternehmenssprecher Klaus Busch, während die Staatsanwaltschaft keine Namen nennen wollte. Ihr Sprecher Rainer Schilling sagte lediglich, die Zahl der Beschuldigten sei inzwischen auf elf gestiegen; das sind vier mehr als Ende Oktober.

          Geprüft wird nach Informationen dieser Zeitung, ob der Fraport-Spitze bekannt war, daß für den Neubau des Flughafens in Taschkent 1998 rund 500000 Mark Schmiergeld flossen. Fraport-Sprecher Busch wies gestern diesen Verdacht abermals zurück: Der Vorstand sei zu keiner Zeit über solche Zahlungen informiert gewesen. Man habe im Gegenteil sofort reagiert und die beiden in Usbekistan tätigen Mitarbeiter entlassen, als diese im Herbst 2002 in Verdacht geraten seien. Ende 2001 hatte der Frankfurter Flughafen das 20-Millionen-Mark-Projekt in Taschkent abgeschlossen.

          Grundlage der Frankfurter Ermittlungen ist das in Deutschland seit Anfang 1999 geltende Internationale Bestechungsgesetz, mit dem das bisher straflose Unwesen von Korruption bei grenzüberschreitenden Geschäften bekämpft werden soll. Den überwiegenden Teil des Geldes hat nach den bisherigen Ermittlungen, die neben dem Verdacht der Bestechung eines Amtsträgers im Ausland auch mögliche Untreue zu Lasten des Flughafenbetreibers in Frankfurt betreffen, der damalige Chef des Flughafens in der usbekischen Hauptstadt, Arslan Rusmetow, erhalten. Daß gezahlt wurde, darüber gibt es offenbar bei den Strafverfolgern ebenso wie bei der Innenrevision von Fraport kaum noch Zweifel. Ob freilich die beiden Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens in Usbekistan autonom handelten oder sich in Frankfurt ihr Plazet holten, will die Abteilung um Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner nun klären. Wichtigstes Indiz ist ein Schriftstück, in dem das Schmiergeld angeblich als "nützliche Aufwendung" deklariert wurde - ein Begriff, der bis vor wenigen Jahren auch als Synonym für steuerlich absetzbare Schmiergeldzahlungen ins Ausland stand.

          Der Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft gründet aber auch auf der Behauptung der ehemaligen Mitarbeiter, die Schmiergeldzahlungen seien nicht nur ihren unmittelbaren Vorgesetzten bekannt gewesen, sondern als "Nebenabgaben" sogar in einer Graphik aufgetaucht, die dem Vorstand vorgelegen habe. Einer der entlassenen Sachbearbeiter hatte dies im Prozeß vor dem Arbeitsgericht vorgebracht, wo er gegen seine fristlose Kündigung geklagt hatte.

          Nach den Recherchen der Innenrevision treffe diese Darstellung nicht zu, sagte gestern Fraport-Sprecher Busch. Bei dem Schriftstück handele es sich lediglich um eine handschriftliche Notiz, die nie zur Kenntnis des Vorstandes gelangt sei. Nach Angaben von Fraport hatte die Kreditanstalt für Wiederaufbau den Auftrag vermittelt, bei dem man zu keiner Zeit im Wettbewerb mit anderen Anbietern gestanden habe. Schon unter diesem Aspekt sei der Verdacht abwegig, die Führung des Frankfurter Flughafens habe von Schmiergeldzahlungen oder anderen unlauteren Mitteln gewußt und diese gebilligt.

          Die Vermutung, daß bei einem Auslandsgeschäft manipuliert worden sei, war im Herbst 2002 aufgekommen. Bei Sichtung der Unterlagen einer Speditionsfirma aus dem Hunsrück, die Insolvenz angemeldet hatte, fiel eine Zahlung nach Usbekistan auf, für die keine Gegenleistung in den Büchern zu finden war. Offenbar war die Firma eingeschaltet worden, um die Schmiergeldzahlungen nach Taschkent zu verschleiern.

          Fraport sei weiterhin zur Kooperation mit den Strafverfolgern bereit, sagte Busch. Allerdings hätten diese bisher nicht konkretisiert, was sie der Unternehmensführung vorwürfen. hs.

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