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Umgestaltung in Mainz : Platz nach napoleonischem Vorbild

Belebter Ort: Der Gutenbergplatz in Mainz. Bild: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz

Der Regionalverband Mainz möchte neben der Ludwigsstraße auch den Gutenbergplatz umbauen. Im Sinne der napoleonesischen Baumeister. Doch vieles an dem Vorhaben ist noch ungeklärt.

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          Die Idee ist nicht neu. Aus Sicht des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz aber so gut, dass der Regionalverband Mainz seinen Vorschlag abermals vorgebracht hat: Man möge sich bei der Umgestaltung der Ludwigsstraße nicht nur an historischen Baufluchten orientieren, sondern zudem die seit mehr als 200 Jahren unvollendet gebliebene Situation am Gutenbergplatz endlich im Sinne der napoleonischen Baumeister zum Abschluss bringen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Die auf den französischen Chefingenieur Eustache de Saint-Far zurückgehende Platzgestaltung habe zwei gleichartige Kopfbauten vorgesehen, von denen 1808 aber nur einer realisiert worden sei, erklärt Architekt und Verbandssprecher Günther Stanzl. Auf der anderen Seite der Prachtstraße, wo seit mehr als 50 Jahren der zweigeschossige „China-Pavillon“ steht, ließe sich auch heute noch das bauliche Pendant zum vorhandenen „Napoleonhaus“, dem WMF-Gebäude am Gutenbergplatz, errichten. Weshalb sich der Rheinische Verein für eine entsprechende Änderung des geltenden Bebauungsplans einsetzt.

          Lassen sich Stadtpolitiker begeistern?

          Es erscheint jedoch eher unwahrscheinlich, dass sich viele Stadtpolitiker für die Verwirklichung der „Torsituation à la Napoleon“ begeistern lassen. Was sich am Donnerstag zeigen dürfte, wenn im Rathaus von 16.30 Uhr an öffentlich über die neueste Entwicklung an der kurz „Lu“ genannten Straße und über den angekündigten Investorenwechsel gesprochen werden soll (F.A.Z. vom 6. September): unter anderem von Mitgliedern des für das Karstadt-Areal zuständigen Ortsbeirats Altstadt, des Bau-, des Wirtschafts- und des Hauptausschusses.

          Es geht vor allem darum, sich auf ein gemeinsames Vorgehen im Umgang mit dem neuen, aber in der Region verankerten Investor, einer „Tochter“ der Ingelheimer Bauunternehmung Karl Gemünden, zu einigen. Schließlich soll vom Stadtrat am 27. September eine verbindliche Absichtserklärung beschlossen werden. Noch dazu will die Kommune dem künftigen Besitzer der Karstadt-Immobilie – wenngleich der Kaufvertrag mit ECE noch nicht unterzeichnet ist – einige städtische Flächen zusagen, da diese für die gewünschte Aufwertung der Einkaufsstraße unverzichtbar seien. Mithin die größte Veränderung wäre es zweifellos, die vor dem Kaufhaus und dem Deutsche-Bank-Gebäude stehenden Pavillons abzureißen und auf ganzer Fassaden-Front durch bis zu 12,50 Meter hohe Vorbauten zu ersetzen.

          Wie genau das aussehen soll, ist noch offen; ebenso wie die Frage, wann mit ersten Bauarbeiten zwischen Gutenbergplatz und Weißliliengasse zu rechnen ist, ob Karstadt als Hauptmieter das Sanierungsvorhaben akzeptiert und welche zusätzlichen Läden angesiedelt werden könnten. Entgegen der ursprünglichen ECE-Pläne, die eine komplett neue Einkaufspassage vorsahen, wurde vom künftigen Investor, der Rhein Nahe Immobilien GmbH, für das 100-Millionen-Euro-Projekt die Devise „Bauen im Bestand“ ausgegeben. Dabei stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, die städtischen Plätze zwischen den Pavillons für den Umbau herzugeben, wo die lediglich 250 Meter lange Mainzer Prachtstraße „Lu“ doch bei fast allen großen Volksfesten als Flaniermeile gebraucht wird.

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