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Verleger Lothar Wekel : „Immer noch ein bisschen hungrig“

  • -Aktualisiert am

Verleger: Lothar Wekel ist von seiner Tätigkeit immer noch fasziniert. Bild: Frank Röth

Lothar Wekel hat als Buchhändler viele Umzüge hinter sich. In Wiesbaden verlegt der Sechzigjährige nun Bücher. Das ist ein schwieriges Geschäft geworden.

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          Mit sechzig kann Lothar Wekel diesen schönen Satz sagen: „Ich bin heute da, wo ich immer hin wollte.“ Bis dahin gab es etliche Umwege, Umzüge und Lernschleifen. Auf dieser Lebensstrecke hat er Hannover kennengelernt, Bad Godesberg, Köln, Augsburg, München und Rheda-Wiedenbrück. Gelandet ist er in Wiesbaden-Biebrich, in einer schönen alten Villa. Die Adresse Römerweg 10 gibt seinem Unternehmen den Namen: „Verlagshaus Römerweg“.

          Haus und Besitzer ähneln einander, beide wirken heiter und aufgeräumt. Lothar Wekel scheint mit sich im Reinen. Der Vater von drei erwachsenen Kindern spricht stets leise und artikuliert. Mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht er betont freundlich um. Seine Devise heißt „leben und leben lassen“, unwirsche und unangenehme Menschen, für die er den Begriff „toxic people“ verwendet, meidet er.

          Angestellter bei einer Buchhandelskette

          Ehe Lothar Wekel im Jahr 2002 soweit war für einen eigenen Verlag, hatte er das Buchwesen ausgiebig und aus den unterschiedlichsten Perspektiven inhaliert. Die Grundlage legte eine Buchhandelslehre bei Bouvier in Bonn, „der wunderbarsten Universitätsbuchhandlung, wie man sie kaum noch findet“. Es folgte eine „wunderbare Zeit“ beim Kunstbuchhändler Walther König, von dem Wekel noch immer angetan ist: König habe, anders als so viele Egomanen in der Branche, mit Leidenschaft dem schönen Buch gedient. Und damit auch noch Erfolg gehabt.

          Wekels Reise durch die Welt der Bücher führte ihn zur Buchhandelskette Gondrom, die später von Thalia gekauft wurde, und dann für sieben Jahre zu Weltbild, wo er seine vielleicht spannendste Aufgabe übernahm, die Zuständigkeit für den Katalog, den er von 32 auf 300 Seiten steigerte: alles, was sich per Mailorder verkaufen ließ, nur kein Umberto Eco und keine Erotik, denn Weltbild gehörte einigen katholischen Diözesen. „Anschließend waren die Bertelsmänner wild auf mich“ – doch der Abstecher als Chef des Buchclubs beim Medienkonzern in der ostwestfälischen Provinz war nach 15 ernüchternden Monaten zu Ende.

          Den eigenen Verlag im Blick

          Eine letzte Kurve nahm Wekel noch, wollte zu einem inhabergeführten mittelständischen Verlag, doch Rolf Heyne war schon sterbenskrank, das Engagement endete früh. Und der Mann, der nun diese besondere Ware zwischen zwei Buchdeckeln aus allen möglichen Blickwinkeln seiner Branche studiert hatte, der sagt, dass man mit den Kenntnissen des Buchhandels, des Vertriebs und des Rechnungswesens als Verleger weniger Fehler macht, er war jetzt endgültig reif für seinen eigenen Verlag.

          Den fanden er und seine damalige Ehefrau Miriam Zöller in Wiesbaden. Im Jahr 2002 übernahmen sie den dortigen Fourier-Verlag, der auf Judaika spezialisiert war. Seither ist das Unternehmen vor allem durch Übernahmen größer geworden, unter dem Dach „Verlagshaus Römerweg“ befinden sich heute sechs verlegerische Wohnungen mit sehr unterschiedlichem Mobiliar: Corso, Marixverlag, Edition Erdmann, Berlin University Press, Waldemar Kramer und Weimarer Verlagsgesellschaft.

          Corso macht Bücher rund ums Thema Reisen oder wie es der Verlagsprospekt sagt: „Reisen mit Kopf und Herz, Reisen und Literatur, Literatur und Reisen – Welterfahrung und Herzensbildung in Text und Bild, das ist es, worum sich das Programm von Corso rankt.“ Bei Corso ist zum Beispiel Elke Heidenreichs Bestseller „Alles fließt“ über den Rhein erschienen.

          Welches Buch füllt die Kassen?

          Erdmann bringt eine Reihe mit den bedeutendsten hundert Entdeckern der Welt heraus, die Berlin University Press des einstigen Börsenvereins-Vorsitzenden Gottfried Honnefelder veröffentlicht wissenschaftliche und literarische Titel. Und die Weimarer Verlagsgesellschaft beschäftigt sich mit den Persönlichkeiten, die das klassische Weimar prägten, sowie mit der Geistes- und Kulturgeschichte jener Stadt, deren Ruhm so viel größer ist als die Zahl ihrer Einwohner -, zu Goethes Zeit waren es 5000, heute sind es 65.000.

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