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Londoner Banker : Kein Finanzplatz wirbt so offensiv wie Paris

Ruhig bleiben: Die Berliner FDP will Gründer an die Spree locken.

Die Landespolitik stärkt dem Finanzplatz den Rücken. Es werde zwar kein Selbstläufer, aber „wir müssen unsere Kräfte bündeln“, sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Dazu gehört auch, dass Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) Mitte August nach London reisen wird, um Gespräche mit Bankvorständen und Verbandsvertretern zu führen. Bouffier sprach selbst bereits in Brüssel bei EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis vor, um die Europäische Bankenaufsicht EBA nach Frankfurt zu holen. Auch die europäische Arzneimittelagentur EMA ist begehrt.

Doch während für Paris die ranghöchsten französischen Politiker werben, kommt aus der deutschen Hauptstadt wenig Rückenwind. Angela Merkel hält sich im Gegensatz zu Hollande zurück. Zwar sagt Väth, er finde es gut, „dass die deutsche Politik nicht so aggressiv um Unternehmen und Institutionen aus London wirbt wie Frankreich“, schließlich wolle man „nicht den dicken Max markieren“. Dennoch dürfte die Stimme der Politik, vor allem im Werben um Einrichtungen wie die EBA, ein Vorteil für Paris sein. Väth dagegen will weiter „ nüchtern argumentieren, welche Geschäfte jetzt besser in Frankfurt angesiedelt werden sollten“.

Luxemburg als führendes Finanzzentrum der Eurozone

Während Paris und Frankfurt schon aktiv sind, plant Dublin in Kürze eine Werbekampagne, die das Geschäftsklima in Irland in den Mittelpunkt rücken soll, wie ein Sprecher des Standortmarketings namens IDA in Dublin sagt. Irland habe schon einen lebhaften internationalen Finanzdienstleistungssektor, das müsse man bei Unternehmen noch deutlicher machen. Die irische Hauptstadt lockt mit niedrigen Steuersätzen sowie mit sprachlicher und geographischer Nähe zu London. Es sei noch zu früh zu sagen, welche Chancen sich aus einem Brexit ergeben könnten, heißt es aus Dublin, Gespräche mit Unternehmen befänden sich noch im Anfangsstadium. Aber in Irland ist man überzeugt, „ein attraktiver Standort für Finanzdienstleister zu sein“.

Auch in Luxemburg ist man nicht untätig. Der Direktor der Bankenvereinigung ABBL, Serge de Cilia, sagt, er habe schon Gespräche mit großen Banken geführt. Bei „Luxembourg for Finance“, der Agentur zur Förderung des Finanzplatzes, beschäftigt sich eine Task-Force mit den Auswirkungen des Brexits. Dort setzt man auf die Internationalität des Finanzplatzes und darauf, dass Luxemburg laut Global-Financial-Index das führende Finanzzentrum der Eurozone ist. Aus der Agentur heißt es, man wolle seine Stärken kommunizieren, in London für Luxemburg werben, aber nicht so aggressiv auftreten wie andere Finanzplätze.

Im Wettlauf um die Brexit-Banker

Die Stadt Amsterdam wiederum hat für die 15.000 Briten, die in der niederländischen Hauptstadt wohnen, einen „Brexit One Stop Shop“ eingerichtet. Dort können sich in London ansässige Unternehmen melden, die über einen Standort in der Hafenstadt nachdenken. In den vergangenen Monaten habe es eine Reihe von Anfragen gegeben, deshalb habe man auch das Personal des Standortmarketings in London aufgestockt, heißt es.

Mit Blick auf die vier Konkurrenten ist Frankfurt gut aufgestellt für den Wettlauf um die Brexit-Banker, auch wenn die Bundespolitik dem Bemühen noch größeres Gewicht verleihen könnte. In Hessen zumindest glaubt man an „erhebliche Chancen“, wie Ministerpräsident Bouffier sagt. Doch: „Die Konkurrenz ist groß.“

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