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Lokaltermin : Gute Tropfen im Osten

„East Grape“: Ralf Müller-Arnold in seiner Weinbar Bild: Wonge Bergmann

Mit dem „East Grape“ im Frankfurter Ostend hat sich Ralf Müller-Arnold den Traum von der eigenen Weinbar erfüllt – und erntet Anerkennung von allen Seiten.

          Die fünf Damen am langen Stammtisch sind nicht zum ersten Mal hier. Das merkt man ihnen deutlich an, wie sie da ganz ungezwungen plaudern, tratschen, lästern – und dazu ein Gläschen Wein nach dem anderen trinken und etwas später dann auch ein bisschen Käse, Salami und Oliven kommen lassen. Geheimnisse scheinen die Freundinnen nicht zu haben, sie lassen die anderen Gäste an ihrem munteren Gespräch teilhaben – und verstummen höchstens für ein paar Momente, wenn Ralf Müller-Arnold eine weitere Weinempfehlung an die Frau bringt.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der charmante Glatzkopf ist der Wirt des „East Grape“. Im September 2017 hat er die kleine Weinbar im Frankfurter Ostend eröffnet – in einer Gegend, die sich seit der Ansiedlung der Europäischen Zentralbank in den vergangenen Jahren stark gewandelt hat und noch immer im Umbruch ist. Dort, wo einst die Feuerwache 1 der Frankfurter Feuerwehr stand, ist ein modernes Wohn- und Geschäftsquartier entstanden, und dort hat Müller-Arnold sich seinen Traum erfüllt: Der ehemalige Banker hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Weinbar zu eröffnen, und als er die passenden Räume in dem Gebäudekomplex „The East“ schließlich gefunden hatte, ging alles ganz schnell.

          Ausgezeichnete Weinkarte

          Dominiert wird der helle, mit viel Holz und modernen Lounge-Möbeln eingerichtete Gastraum, der Platz für gut zwei Dutzend Gäste bietet, von jenem Stammtisch, an dem sich die fünf Damen seit geraumer Zeit vergnügen. Das beeindruckende Stück ist aus einem einzigen Eichenstamm gefertigt und steht auf hohen Füßen, so dass die Gäste an ihm auf mit Leder gepolsterten Hockern nicht wie an einem Tisch, sondern eher wie an einer Theke sitzen. Das sieht nicht nur gut aus, es fördert – wie an diesem Abend eindrucksvoll zu beobachten – auch die Kommunikation.

          Müller-Arnold setzt ganz und gar auf deutschen Wein. Nur acht Tropfen aus dem europäischen Ausland und Argentinien hat er im Programm, der Rest kommt ausschließlich aus heimischen Anbaugebieten. Mit diesem Konzept hat der Selfmade-Wirt nicht nur Erfolg bei seinen Gästen. Auch der „Feinschmecker“ und das „Manager Magazin“ sind inzwischen auf ihn aufmerksam geworden, und das Weinmagazin „Vinum“ hat ihn im April sogar für seine Weinkarte ausgezeichnet.

          Nichts anderes als ein Schnäppchen

          Auf der stehen gut 180 Positionen von zwei Dutzend Winzern aus acht Regionen, aus dem Rheingau sind zum Beispiel Allendorf, Querbach und Werk 2 darunter, von der Ahr das Weingut Adeneuer und aus der Pfalz Phillip Heinz und Emil Bauer. Einer der bemerkenswertesten Produzenten in der Liste ist das Weingut Gustav Georg Huff aus Nierstein. Es glänzt von jeher mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis und passt deshalb perfekt in das Angebot im „East Grape“: 27 Euro für eine Flasche vom wunderbar schmelzig-mineralischen Niersteiner Weißen Burgunder sind tatsächlich nichts anderes als ein Schnäppchen.

          Aber Müller-Arnolds hält noch viele andere interessante Tropfen bereit. Dabei legt er ein besonderes Augenmerk auf Cuvées und scheut sich auch nicht, Weine aus eher ungewöhnlichen Rebsorten wie Goldriesling, Elbling oder Auxerrois unter die Leute zu bringen. Damit erfüllt er sich nicht nur seine eigenen Träume, sondern auch die mancher Gäste.

          EAST GRAPE

          Louis-Appia-Passage 12, Frankfurt, Telefon 0 69/17 52 62 32, Internet www.eastgrape.de. Geöffnet dienstags bis samstags von 15 bis 24 Uhr, freitags und samstags bis 1 Uhr.

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