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Kommentar zu Lokale Agenda 21 : Was vom Gipfel bleibt

Lokale Agenda 21: Freiwillige Helfer pflegen Obstbäume auf einer Streuobstwiese in Friedrichsdorf. Bild: Helmut Fricke

Die Umweltkonferenz von Rio de Janeiro legte 1992 den Grundstein für die Agenda 21. Viele Ideen der Agenda-Gruppen wirken bis heute nach.

          In jüngster Zeit war es „Inklusion“: Ein Begriff, der höchstens in Fachkreisen bekannt ist, beherrscht in kürzester Zeit die Diskussion der politischen Gremien. Der „demographische Wandel“ verbreitete sich noch schneller, und Ende der neunziger Jahre konnte der „Lokalen Agenda 21“ nicht entgehen, wer sich mit Kommunalpolitik beschäftigte. Kein Wunder – Hessen lag vorn, gemessen an der Einwohnerzahl. 15 000 Menschen beteiligten sich in 282 Städten und Gemeinden am Agenda-Prozess, so hieß es 2003.

          Die Umweltkonferenz von Rio de Janeiro legte 1992 den Grundstein für die Agenda 21. Diese hat wiederum das Schlagwort der Nachhaltigkeit in der Politik hinterlassen, auch wenn das Prinzip hierzulande schon vor 300 Jahren für die Holzwirtschaft formuliert worden ist. Das Land hat sogar die Agenda 21 offiziell in die „Nachhaltigkeitsstrategie Hessen“ überführt. Damit sollen die damaligen Ziele weiterentwickelt und Kritik an der Agenda wie mangelnde Transparenz, Kleinteiligkeit und eine wenig stringente Umsetzung korrigiert werden, heißt es im Umweltministerium.

          Beteiligung der Bürger hat Spuren hinterlassen

          Viele Ideen der Agenda-Gruppen seien in den Beschlüssen der Stadtparlamente verwässert worden, war mancherorts am Ende des jeweiligen „Konsultationsprozesses“ zu hören. Andere Vorschläge sind nach wie vor nicht mit Leben gefüllt. Doch eine beachtliche Zahl wirkt bis heute nach. Auch wenn ein Verein wie „Wir Friedrichsdorfer“, in dem 350 Bürger anderen beim Einkaufen helfen, ihnen Gesellschaft leisten oder mit Schülern Lesen üben, die Herkunft als Agenda-Gruppe nicht mehr im Namen trägt.

          An die Umwelt zu denken ist längst Allgemeingut. Die Einsicht, dass sich die Welt nicht mit Energiesparlampen im Rathaus retten lässt, auch. Womöglich hat deshalb die Beteiligung der Bürger an der Lokalen Agenda die – um im Jargon zu bleiben – nachhaltigsten Spuren hinterlassen. Sie sind zur Eigeninitiative ermutigt worden und reden heute selbstverständlich mit. Damit macht nicht jeder Politiker gute Erfahrungen. Vielleicht, weil mittlerweile viele Bürger für ihre Interessen zwar lokal handeln. Dabei gelegentlich aber das globale Denken vergessen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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