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Lohn nicht gezahlt : Feldmann besucht protestierende Bauarbeiter

Schnüre „ein bisschen die Kehle zu“: So bewertet Oberbürgermeister Peter Feldmann, dass rumänische Arbeiter nicht den vereinbarten Lohn bekamen. (Archivbild) Bild: dpa

Sechs Arbeiter aus Rumänien protestieren mit einem Hungerstreik für die Zahlung des vereinbarten Lohns, den sie bis heute nicht erhalten haben. Der Bauunternehmer jedoch will entlohnt haben und spricht von Erpressung.

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          Für Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist es ein Skandal, wie die rumänischen Arbeiter auf einer Preungesheimer Baustelle vom Arbeitgeber behandelt worden sind. „So etwas passt nicht zu unserer Stadt“, sagte er bei einem Treffen mit den sechs rumänischen Männern. Sie hatten vor gut einer Woche mit einem Hungerstreik begonnen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Arbeiter werfen der Accent Bau GmbH aus Bad Soden vor, nur Bruchteile des abgesprochenen Lohns ausgezahlt zu haben.

          Sofia Dreisbach
          Redakteurin in der Politik.

          Feldmann sagte, er wolle den Arbeitern mit dem Besuch an der Baustelle in der August-Schanz-Straße den Rücken stärken. Man könne die Firma nicht zwingen, den Lohn zu zahlen, aber man könne als Stadt zeigen, dass man nicht nur untätig zuschaue. Eine solche Situation schnüre einem „ein bisschen die Kehle zu“.

          Investor auch in der Pflicht

          Die Männer trugen Schilder vor der Brust, auf denen ihre Forderungen standen: „Accent, gib uns unser Geld“. Deutsch sprechen die Männer jedoch nur gebrochen, bei der Verständigung half eine Dolmetscherin. Vor Ort waren auch der Frankfurter Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Harald Fiedler, und Ralf Helwerth von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau).

          In einer Bildungsstätte der IG Bau leben die sechs Arbeiter, seitdem sie der Unternehmer vergangene Woche vom Baugrundstück verwiesen hat. „Wir wollen so schnell wie möglich ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Accent GmbH führen“, sagte Helwerth. Es gebe bisher dafür bisher nur eine mündliche Vereinbarung. Man habe Berechnungen angestellt und wolle nun verhandeln. Eine genaue Summe des noch ausstehenden Lohnes wollte Helwerth nicht nennen. Investor des Baugrundstücks sind die Brüder Hahn aus Kronberg. Auch sie werde man nicht aus der Pflicht entlassen, wenn der Arbeitgeber nicht zahle, sagte Helwerth.

          Problem weitreichend

          Der Geschäftsführer der Accent GmbH, Roland Fuhrmann, erhebt allerdings seinerseits Vorwürfe an die Rumänen. Er ließ durch einen Anwalt mitteilen, er werde von den Arbeitern professionell erpresst. Er habe einen Vertrag mit dem Subunternehmer Ferenc Bundi geschlossen und sogar 3000 Euro mehr als vereinbart ausgezahlt. Ein Mann dieses Namens ist unter den sechs streikenden Rumänen. Die IG Bau kennt den Vorwurf der Erpressung und will nun prüfen, ob es sich tatsächlich um einen Subunternehmer handelt. Wenn ja, könnte es sich um Scheinselbständigkeit handeln, sagte Helwerth.

          Er sieht ein rasch wachsendes Problem in der Nichtbezahlung osteuropäischer Arbeiter auf deutschen Baustellen. „Für uns scheint das die Regel.“ Immerhin sei es der zweite Fall innerhalb eines halben Jahres, der publik geworden sei. Vor vier Monaten protestierten 50 rumänische Bauarbeiter im Europaviertel, weil ihnen Lohn vorenthalten worden war. In diesem Fall lenkte der Generalunternehmer Max Bögl ein und zahlte das Geld, weil es nicht danach aussah, als würde das insolvente Subunternehmen zahlen können. Im Mai protestierten außerdem Dutzende osteuropäische Bauarbeiter in Wiesbaden - ebenfalls, weil der Lohn ausgeblieben war.

          Die Situation verbessern könnten „vernünftige Vergabegesetze“, mehr Kontrolle und eine größere Öffentlichkeit des Themas, meint Helwerth. Im Falle der Rumänen aus der August-Schanz-Straße hat sich die Stadt Frankfurt vorerst dazu bereit erklärt, Unterkunft und Verpflegung zu zahlen. Oberbürgermeister Feldmann sagte, er empfinde großen Respekt für die Protestierenden. Er wünsche sich, dass noch mehr Arbeiter den Mut aufbrächten, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Er versprach: „Ich werde ihr Anliegen jeden Tag vertreten.“

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