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Experiment in Frankfurt : Die Straßenbahn soll Pakete transportieren

Wenn die Post-Tram zwei Mal bimmelt: Transport der Mikrodepots in der Bahn. Bild: Ricardo Wiesinger

Bis in die sechziger Jahre hinein haben Straßenbahnen auch Güter transportiert. Frankfurt experimentiert jetzt wieder mit einer Logistiktram und kann dabei von den bereits gesammelten Erfahrungen profitieren.

          Ältere Frankfurter erinnern sich an die Post-Bahn. Diese Straßenbahn beförderte Briefe und Päckchen vom Hauptbahnhof zum Postamt auf der Zeil. Auch auf der heutigen U-Bahn-Strecke nach Oberursel wurden Güter befördert: Motorenteile etwa oder Zuckerrüben. Hier zogen spezielle Lokomotiven die Güterwagen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun greift die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zusammen mit zahlreichen Partnern die Idee einer Logistiktram wieder auf. Am Montag haben ihre Erfinder demonstriert, wie die Straßenbahn als Lastesel eingesetzt werden kann. Im VGF-Depot im Gutleutviertel beluden sie eine normale Straßenbahn mit zwei großen Transportkisten und fuhren diese zur Messe, wo sie wieder ausgeladen wurden.

          Mehr Pakete durch Internethandel

          Das alles sah noch etwas kümmerlich aus, denn eine Straßenbahn zum Transport von gerade einmal zwei Kisten einzusetzen stellt gewiss keine Revolutionierung des Güterverkehrs dar. Doch das Projekt steckt nach Angaben der VGF und ihrer Partner noch in den Kinderschuhen. Am Montag habe man nur ein Zeichen setzen wollen, sagte VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Nun solle im Experiment die Idee ausgebaut und die Logistiktram alltagstauglich gemacht werden.

          Die VGF hat Rüffer zufolge schon vor zehn Jahren damit begonnen, über den Gütertransport nachzudenken. Gescheitert sind die Pläne vor allem daran, dass es dafür keinen Markt gegeben habe und der Kauf einer speziellen Transport-Straßenbahn ohne Sitze viel zu teuer gewesen sei.

          Aus der Tram auf die Straße: Ein Mikrodepot eingespannt in einem Fahrradanhänger.

          Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Strom der Päckchen und Pakete, die den Kunden ins Haus geliefert werden, ist wegen des Aufschwung des Internethandels in den vergangenen Jahren immer stärker angeschwollen und wird in den nächsten Jahren weiter deutlich wachsen, wie Ansgar Roese von der Wirtschaftsförderung voraussagte. Nicht zuletzt wegen der vielen Paketdienste, die ihre Transporter durch die Stadt schicken, wird es immer enger auf den Straßen. „Wir müssen etwas tun“, sagte gestern Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen). Eine der möglichen Antworten heißt für sie und für den Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD): die Logistiktram.

          Das Pilotprojekt, das nun beginnt, setzt auf Mikrodepots, die per Straßenbahn an bestimmte Stellen in der Stadt transportiert werden. Von dort aus soll mit Lastenrädern die Feinverteilung der Päckchen an die Empfänger erfolgen. Die Idee stammt von den Entwicklern Klaus Grund und Herbert Riemann, die über den „Ideenwettbewerb Klimaschutz“ vom Energiereferat der Stadt eine Fördersumme von 30.000 Euro erhielten. Mit diesem Geld finanzierten sie die Entwicklung eines einfachen Beladesystems für Straßenbahnen.

          Erfahrungen im Fahrradtransport

          Ein Partner des Projekts ist der Paketdienst Hermes, der in seiner Frankfurter Zentrale die Mikrodepots füllt und per E-Transporter zum VGF-Depot liefert, wo die Trams mit ihnen beladen werden sollen. In der Pilotphase werden die Bahnen die angelieferten Depots in Sonderfahrten während der verkehrsarmen Zeiten an bestimmte Stellen der Stadt befördern, von wo aus dann ihr Inhalt weiterverteilt wird.

          Für VGF-Chef Rüffer kann die Logistiktram durchaus großes Potential besitzen. Denn die Schienenwege seien schon vorhanden. Rüffer sieht vor seinem geistigen Auge Logistikstrecken, auf denen einmal staufrei Güter von Osten nach West und von Norden nach Süden transportiert werden. Vielleicht wird es irgendwann spezielle Logistik-Straßenbahnen ohne Sitze geben oder Last-Anhänger für normale Straßenbahnen. Auch die U-Bahn-Linien können nach Rüffers Meinung als Transportstrecken für Waren genutzt werden.

          Das allerdings ist noch ferne Zukunft. Vorerst erprobt die VGF mit ihren Partnern, darunter das Holm, die IHK, das Klima-Bündnis oder die Fachhochschule, den Antransport von Mikrodepots, deren schnelles Einladen in die Trams und das Ausladen sowie die Verteilung der Güter durch Lastenräder. Das Team kann dabei auf die Erfahrungen des ersten Frankfurter Mikrodepots an der Meisengasse in der Innenstadt zurückgreifen, wo der Paketdienst UPS bisher guten Erfahrungen mit der Verteilung durch Fahrradtransporter gemacht hat.

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