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Philosophenweg im Opel-Zoo : Freier Durchgang mit der Chipkarte

Zaungast: Manch einer hat den Philosophenweg bislang für einen kostenlosen Zoobesuch genutzt. Bild: Cornelia Sick

Kronberg will dem Opel-Zoo die Verfügungsgewalt über den bisher öffentlichen Philosophenweg geben. Den Trennungsschmerz der Bürger sollen Jahreskarten zum halben Preis mindern.

          Die Zeiten, in denen der Opel-Zoo von einem öffentlichen Weg zerschnitten wird, könnten sich dem Ende nähern. Die Kronberger Stadtverordneten haben am Donnerstagabend mit großer Mehrheit einer Änderung des Bebauungsplans für das Gelände des Freigeheges zugestimmt. Danach könnte der Zoo den Philosophenweg zum Privatweg machen, wobei das Weggrundstück im Eigentum der Stadt Kronberg bleibt. Auch soll ein Teil der bisherigen Wiesenparkplätze offiziell zu Behelfsparkplätzen erklärt werden. Sie nutzt der Zoo an besonders besucherstarken Tagen. 13 waren es in diesem Jahr. Der andere Teil soll dagegen als Extensivgrünland künftig ganz frei von Autos bleiben.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Es ist nicht der erste Anlauf des Opel-Zoos, sein Betriebsgelände zu vereinen. Zuletzt scheiterte 2015 ein Versuch der beiden Nachbarstädte Kronberg und Königstein. In beiden Städten gibt es hartnäckige Gegner, für die der Philosophenweg eine historisch bedeutsame Verbindung zwischen den Städten darstellt. Aber es gibt auch eine andere Sichtweise auf die Diskussion. Denn der Weg kann dazu genutzt werden, die Tiere zu bestaunen – ohne Eintritt zu zahlen. Der emotionale Streit erklärt auch die Regelung, die eine Vereinbarung mit der Zoo-Stiftung vorsieht. Kronberger und Königsteiner können mit einer Chipkarte den Weg weiterhin unentgeltlich passieren. Dazu müssen sie ihn in einer bestimmten Zeit am anderen Ende wieder verlassen. Die zunächst vorgesehene 30-Minuten-Frist wurde jetzt auf eine Stunde verlängert.

          Ermäßigung von 50 Prozent

          Für die Kontrolle über den Philosophenweg, zahlt der Opel-Zoo noch einen weiteren Preis. Bürger von Kronberg und Königstein bekommen auf die Jahreskarte eine Ermäßigung von 50 Prozent. Dieser Rabatt war zunächst für zehn Jahre mit Verlängerungsoption für weitere zehn geplant. Die CDU setzte durch, diese Beschränkung aufzuheben und auf die gesamte Vertragsdauer auszudehnen.

          Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) informierte zu Beginn der Debatte über Abweichungen von der Vorlage, die mehrere Änderungsanträge von FDP und Kronberg für die Bürger (KFB) obsolet machten. So werde der Ausweichparkplatz nicht mit Schotter oder Rasengittersteinen befestigt, sagte Siedler, sondern bleibe eine Wiese. Die Zahl der Zusatzparkplätze verringere sich von 250 auf 195 und damit ein absolutes Mindestmaß. Auch verzichte man auf ein Baufenster am Fritz-Emmel-Haus, einem Pfadfinderheim. Dort hatte sich die Stadt Kronberg die Möglichkeit offenhalten wollen, auf dem Zeltplatz eine Flüchtlingsunterkunft zu bauen. Hierfür sehe man keine Notwendigkeit mehr, sagte der Erste Stadtrat.

          Mehr als 1300 Unterschriften gegen Schließung

          Als einzige Fraktion lehnte die KFB trotzdem die Vorlage ab. Heide-Margaret Esen-Baur verwies für den Parkplatzbedarf auf Schwimmbad, Bahnhof und den öffentlichen Nahverkehr.

          Gegen die Schließung des Philosophenwegs wiederum seien vor drei Jahren mehr als 1300 Unterschriften in den beiden Nachbarstädten gesammelt worden. Die vom Zoo ins Feld geführte Sorge vor Vandalismus sei „unbelegt“, betriebliche Nachteile „vorgeschoben oder selbst verursacht.“ Als Kompromiss sehe die KFB eine Schließung der vorhandenen Tore über Nacht.

          Helfried Moosbrugger (CDU) nannte es hingegen erfreulich, dass die Anregungen der FDP und der CDU-Antrag, die Durchgangszeit auf eine Stunde zu erhöhen, Eingang in die Unterlage gefunden hätten. Als nachvollziehbar bezeichnete der SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph König den Wunsch des Zoos, aus Sicherheits- und Betriebsgründen über den bisher öffentlichen Weg verfügen zu wollen. Anders als von den Kritikern dargestellt zeigten alte Karten als traditionelle Verbindung zwischen Kronberg und Königstein die heutige Bundesstraße 455. Außerdem sei es vertretbar, den Scheibelbuschweg als Alternative zu nutzen. Mit insgesamt 900 Metern sei er 41 Meter länger als der Philosophenweg und der Höhenunterschied sei mit 63 statt 56 Metern nur geringfügig größer.

          „Friedensangebot an Königstein“

          Wie die KFB forderten auch die Grünen vergeblich, das auf dem heutigen Schotterparkplatz vorgesehene Baufenster für ein Parkdeck aus dem Plan herauszunehmen. An dieser Frage war die Änderung des Bebauungsplans vor drei Jahren gescheitert. Königstein beharrte auf der Option für ein Parkhaus, das weder vom Opel-Zoo noch von Kronberg gewünscht ist. Man wolle es „als Friedensangebot an Königstein“ im Plan belassen, sagte König.

          Breite Zustimmung fanden die Grünen hingegen mit dem von Udo Keil (Die Grünen) vorgetragenen Vorschlag, dem Zoo sowie den beiden Städten die Erarbeitung eines Konzepts für die bessere Nutzung von Bus und Bahn aufzugeben. Die Idee der Grünen für eine E-Bike-Ladestation relativierte sich durch einen Hinweis des anwesenden Zoodirektors Thomas Kauffels. Eine solche gibt es schon.

          Die Regelungen für Philosophenweg und Parkplätze einschließlich der Kompensationen waren von den Verwaltungen der beiden Nachbarstädte abgestimmt worden. Königstein behandelt das Thema allerdings erst in der Sitzungsrunde im neuen Jahr. Weil alle fraglichen Flächen des Bebauungsplans auf Kronberger Gemarkung liegen, wäre der Beschluss vom Donnerstag prinzipiell ausreichend. Verweigert Königstein sein Einvernehmen, müssten die Bürger aber wohl auf die vergünstigten Jahreskarten verzichten.

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