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Festival „Literaturm“ : Lies mich, ich erklär dir die Welt

Dabei gäbe es durchaus Anlass dazu, sich auch einmal etwas weiter weg zu wagen. Selten sind in Frankfurt und seiner Umgebung so viele Träger bedeutender Literaturpreise in so dichter Folge aufgetreten, trotz des jährlichen Branchenauftriebs zur Frankfurter Buchmesse und regelmäßiger Tagungen der mit Literatur befassten Akademien in Darmstadt und Mainz. Zu Gast sind neben der Nobelpreisträgerin Herta Müller gleich vier Träger des Büchner-Preises: Brigitte Kronauer, Martin Mosebach, Reinhard Jirgl und Friedrich Christian Delius. Außerdem mit dabei sind der aktuelle Träger des Deutschen Buchpreises, Frank Witzel, und seine ebenso eng mit der Region verbundene Vorgängerin Katharina Hacker. Zu ihnen stoßen Guntram Vesper, im März Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse, und die derzeitige Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer.

Der Blick neben das Buch lohnt sich

Vesper stellt seinen Leipziger Siegertitel „Frohburg“ vor (BHF-Bank, 3. Juni, 18.30 Uhr), Jirgl präsentiert seinen neuen Roman „Oben das Feuer, unten der Berg“ (Opernturm, 8. Juni, 18.30 Uhr), Delius liest aus „Die Liebesgeschichtenerzählerin“ (Opernturm, 9. Juni, 18.30 Uhr). Mosebach und Kronauer ihrerseits spüren zusammen mit dem Berliner Literaturwissenschaftler Ernst Osterkamp dem Bild im literarischen Kunstwerk nach (Städel-Museum, 2. Juni, 19 Uhr). Für die Öffnung des Festivals zu dem, was sich in allen möglichen Künsten tut, steht am deutlichsten aber schon der Eröffnungsabend im Kaisersaal des Römers. Er bietet ein Lesungskonzert mit dem Ensemble Modern, eine Kunstform, die als genuine „Literaturm“-Erfindung gelten kann. Vor zwei Jahren las Ingo Schulze inmitten der Stücke und Klänge, die das Ensemble eigens um seine Erzählungen herumgelegt hatte, vor einem Jahr trug Marcel Beyer seine Gedichte bei den Frankfurter Lyriktagen im Wechsel und im Zusammenklang mit den Einwürfen und Antworten der Instrumentalisten vor. Mit Monika Rinck und Katharina Hacker treten Dichtung und Erzählung nun gemeinsam mit der Musik auf. Rinck, die scharfsinnige und geistreiche Denkerin zu allem, was sich in der Lyrik tut, ist auf Festivals des Kulturamts stets gerne gesehen, Hacker, die aus Frankfurt stammt, war bei „Literaturm“ ebenfalls schon zu Gast (Römer, 1. Juni, 20 Uhr).

Das gilt auch für Anna Katharina Hahn, eine der häufigsten Besucherinnen. Ihren neuen Roman „Das Kleid meiner Mutter“ stellt sie im Gespräch mit Wilhelm Genazino vor, einem weiteren Büchner-Preisträger (Opernturm, 8. Juni, 20 Uhr). Zum ersten Mal dabei ist hingegen Frank Witzel, dessen Buchpreis-Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ es inzwischen auch auf der Bühne gibt. Am 2. Juni unterhält er sich daher von 20 Uhr an in der Ausstellungshalle 1a mit dem Stuttgarter Schauspielintendanten Armin Petras, der das Buch für die Berliner Schaubühne inszeniert hat, und Leonhard Koppelmann, der für den Bayerischen Rundfunk die Regie der Hörspielfassung übernommen hat.

Manches geht eben, manches nicht. Der Dramatiker Roland Schimmelpfennig, viel gespielt und offenbar trotzdem unzufrieden, stellt seinen ersten Roman vor. Was den Grenzübertritt zur Prosa erforderlich machte, versucht die Autorin Kathrin Röggla aus ihrem neuen Kollegen herauszukitzeln, umspielt wird das Ganze von der Musik von Hannes Gwisdek (Städelschule, 10. Juni, 19 Uhr). Auch den Theaterautor Nis-Momme Stockmann hat es zur Prosa gezogen, sein Romandebüt „Der Fuchs“ stellt er im Gespräch mit dem Frankfurter Schauspielintendanten Oliver Reese vor (Opernturm, 10. Juni, 20 Uhr). Und alles, was man schon immer über schlechte Filme wissen wollte, kann man sich nun von Clemens Meyer erklären lassen (MMK 2, 9. Juni, 20 Uhr, auch Darmstadt, Programmkino Rex, 10. Juni, 19.30 Uhr). Der Blick neben das Buch lohnt sich.

Das Festival „Literaturm“ wird am 1. Juni um 20 Uhr im Kaisersaal des Frankfurter Römers eröffnet und geht am 11. Juni mit einer Lesung der Nobelpreisträgerin Herta Müller in der Deutschen Nationalbibliothek zu Ende. Insgesamt nehmen mehr als 90 Schriftsteller und andere Künstler an den fast 50 Veranstaltungen teil. Das Kulturamt der Stadt Frankfurt organisiert das Lesefest zusammen mit vielen Partnern in der Stadt und der Region zum achten Mal. Weitere Informationen und das gesamte Programm finden sich im Internet unter der Adresse www.literaturm.de. Von dort aus gelangt man auch zum Kartenvorverkauf. (balk.) Die ersten zehn Anrufer, die am Montag zwischen 11 und 11.30 Uhr die Rufnummer 0 69/21 23 88 18 des Frankfurter Kulturamts wählen, erhalten jeweils zwei Freikarten für die Lesung von Herta Müller am 11. Juni von 19.30 Uhr an in der Deutschen Nationalbibliothek. Für die ersten zehn Anrufer, die sich gleich im Anschluss, also zwischen 11.30 und 12 Uhr, unter derselben Nummer melden, gibt es jeweils zwei Freikarten für die Lesung von Thomas Glavinic am 2. Juni von 19.30 Uhr an auf Burg Kronberg. balk.

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