https://www.faz.net/-gzg-6otvr

Literatur : Botschafter fürs Buch - Lesungen im April und Mai

Im April gibt sich eine ganze Reihe von Autoren im Raum Frankfurt die Klinke in die Hand. Unter anderem lesen Colson Whitehead, Christoph Hein, Herta Müller, Peter Kurzeck, Jan Costin Wagner und Tanja Kinkel.

          Die Osterfeiertage sind vorüber, und vielleicht flaut nun das Interesse an "The Passion of the Christ" wieder ab. Ganz gleich, wie umstritten, eines hat der Film von Mel Gibson erreicht: Er verleitet den einen oder anderen Kinogänger dazu, selbst im Neuen Testament zu lesen; in Italien hat der Film gar einen "Bibel-Boom" ausgelöst. Das zeigt, daß auch das Buch der Bücher heute angewiesen ist auf die Aufmerksamkeit und Unterstützung anderer Medien, will es nicht ungelesen im Regal zustauben. Was nicht nur für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Horrorvorstellung wäre.

          Katharina Deschka

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bücher müssen selbstverständlich gelesen, besprochen und weiterempfohlen, zunächst aber, was nicht unwichtiger ist, auch gekauft werden. Damit dies geschieht, läßt der Börsenverein zum Unesco-Welttag des Buches am 23. April seine prominenten "Lesebotschafter" in ganz Deutschland Werbung für das Lesen machen. Auftakt hierzu bildet am 21. April um 18.30 Uhr ein Abend in der Frankfurter Alten Oper, an dem unter anderen Doris Schröder-Köpf, Mario Adorf, Hellmuth Karasek und Rufus Beck Lieblingsbücher präsentieren.

          "Buchseiten - Buchzeiten" in Wiesbaden mit Christoph Hein

          Der anziehenden Kraft von Lesungen, die publikumswirksam in einem bestimmten Rahmen und unter einem bestimmten Motto an die Zuhörer gebracht werden, vertraut man auch in Wiesbaden. Namhaftes Zugpferd für das dortige Literaturfest "Buchseiten - Buchzeiten" ist der Schriftsteller Christoph Hein, der am 18. April um 19 Uhr im Kulturforum Schillerplatz Passagen aus seinem neuen, vielbeachteten Roman "Landnahme" vorträgt. Was zu erleben sicher ein Genuß sein wird: daß dem preisgekrönten Autor nicht nur die Rollenprosa, sondern auch das Rollensprechen liegt, hat er vor einigen Wochen erst wieder bei einer Lesung im Schauspiel Frankfurt bewiesen. Mit der Lesung von Urs Widmer, der im Kulturforum Schillerplatz um 20 Uhr aus seinem Erinnerungsroman "Das Buch des Vaters" liest, endet das Wiesbadener Literaturfest dann am 7. Mai.

          Ob der 1969 in New York geborene Schriftsteller Colson Whitehead ein Talent zum Vortragen besitzt, muß sich erst herausstellen. Sein erstes Buch, "Die Fahrstuhlinspektorin", war 1999 in den Vereinigten Staaten ein überragender Erfolg, hierzulande jedoch ging das Buch nicht über den Ladentisch. Mit seinem neuen Roman "John Henry Days" soll er jetzt auch den deutschen Lesern bekannt gemacht werden. Deshalb reist Whitehead erstmals zur Buchvorstellung nach Deutschland, und am 20. April um 20 Uhr führt ihn eine Lesung ins Frankfurter Literaturhaus, wo er seine Version der Geschichte von John Henry, dem schwarzen Bohrhauer, vorstellt.

          Peter Kurzeck hingegen wird wohl, selbst nachdem er auf der Leipziger Buchmesse als seine jüngste Auszeichnung den diesjährigen Preis der Literaturhäuser entgegennahm, auch in Zukunft nur von ausgesuchten Lesern goutiert werden. Zu atemlos, dabei fast sperrig scheint zunächst seine Sprache, als daß sich ihre unleugbare Schönheit gleich jedem erschlösse. Wer den behutsamen Chronisten seiner verrinnenden Lebenszeit gleichwohl erleben möchte, kann dies am 27. April um 20 Uhr im Frankfurter Literaturhaus tun.

          Erinnerungen an die Herrschaft Ceaucescus

          Ebenfalls autobiographisch beschäftigt sich Herta Müllers neuer Essayband "Der König verneigt sich und tötet" mit Erinnerungen der Autorin an ihre Heimat, dem Rumänien unter der Herrschaft Ceausescus, das sie erst 1987 im Alter von 34 Jahren verließ. Am 22. April um 20 Uhr liest sie in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vor, wie die Überlebenstechniken in einer Diktatur aussahen und wie das Verhältnis der Dichterin zur Sprache.

          Über die Geschichte als "Prägeform des Erzählens" macht sich auch Angela Krauß Gedanken: Die 1950 in Chemnitz geborene Schriftstellerin, die zuletzt die Erzählung "Weggeküßt" veröffentlichte, wird in diesem Sommersemester vom 27. April an um 18 Uhr die Frankfurter Poetikvorlesungen an der Goethe-Universität halten und dabei sicherlich auch über ihre veränderte Wahrnehmung als Ostdeutsche nach 1989 reden.

          Und weil die Osterfeiertage jetzt vorbei sind, dürfen wir erwartungsvoll auf den Muttertag am 9. Mai blicken: Die literarischen Publikumsverlage aus Frankfurt haben ihn dem Lesen gewidmet und stellen am "Langen Tag der Bücher" von 11 bis 23 Uhr im Frankfurter Schauspielhaus ihre Autoren vor. Unter anderen lesen Jan Costin Wagner, Reinhard Kaiser, Tanja Kinkel, Michael Lentz und Thomas Meinecke aus ihren Werken. Das Thema des Tages klingt vielversprechend. Es lautet: "Leidenschaften".

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK zieht ins Kabinett ein : Sie musste springen

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat es bislang vermieden, den Weg zur Kanzlerkandidatur über das Bundeskabinett zu gehen. Woher kommt der Sinneswandel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.