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Literatur in Rhein-Main : Häuser für Leser

Friede den Hütten, Literatur in die Paläste: Das Frankfurter Literaturhaus ist seit 2005 in der Alten Stadtbibliothek untergebracht. Bild: Wonge Bergmann

Vom Lesezirkel bis zum Vollprogramm in der historistischen Villa: Literarische Veranstaltungen sind an Rhein und Main in vielerlei Formen zu haben. Erst recht nach der Weihnachtspause.

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          Als Georg Büchner voller Wut auf Hessen war, hätte er sich wohl kaum vorstellen können, dass er dem Gespräch über Bücher einst an jeder Ecke seiner Heimat würde begegnen können. Die Literatur, die für den Dramatiker eine umstürzlerische Handlung war, ist heute im ganzen Rhein-Main-Gebiet bürgerlicher Alltagsbetrieb. Es wird vorgelesen und über das Vorgelesene gesprochen, was das Zeug hält; in eigens dafür bestimmten Häusern, deren einladende Wirkung sich auf wiederhergestellten Prunk oder klare Nachkriegsnüchternheit verlässt. Organisiert wird das Ganze oft von Vereinen, der friedlichen Form, die das 19. Jahrhundert für die von Büchner so heiß ersehnten sozialen Veränderungen fand, unterstützt wird es in der Mehrzahl der Fälle von der öffentlichen Hand, durch eine Kommune oder ein Bundesland, hoheitliche Instanzen also, denen Büchner seinerzeit nur wenig traute.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und der Andrang der Besucher wird seit Jahren immer stärker. Im Literaturhaus Frankfurt sind die ersten vier Lesungen des Jahres mit dem Islamexperten Ahmad Mansour, dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu, dem deutsch-syrischen Autor Rafik Schami und dem Filmregisseur Wim Wenders schon ausverkauft. Karten gibt es erst wieder für die „Frankfurter Literaturtage“, die am 22. und 23. Januar unter dem Motto „Neue Weltliteratur aus dem globalen Süden“ Dichter und Schriftsteller aus Ländern von Brasilien bis Singapur vorstellen. Hier lohnt es sich, sich im Internet (www.literaturhaus-frankfurt.de) eine Karte für beide Tage zu sichern, denn das Festival, das von Litprom, der Frankfurter Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, seit sechs Jahren veranstaltet wird, war in der Vergangenheit immer sehr gut besucht.

          Hohe Dichte und Qualität an Literaturterminen

          Aber das ist nur das Haus mit dem umfangreichsten Programm in der hessischen Stadt mit den bei weitem meisten Literaturveranstaltungen. Überall im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus in ganz Hessen ist in den vergangenen Jahren die Wahrscheinlichkeit gestiegen, innerhalb des örtlichen Kulturprogramms auf eine Lesung zu stoßen. Lokale Veranstaltungsreihen reichen von „Friedberg lässt lesen“ (Henryk M. Broder ist am Mittwoch von 20 Uhr an in der Aula der Augustinerschule zu Gast) bis zu Lesezirkeln wie dem „Karbener Literaturtreff“, der auch Autoren zu sich bittet (www.karbener-literatur-treff.de). Im weiteren Verlauf des Jahres bringt auch das von der Landesregierung in Wiesbaden initiierte Festival „Leseland Hessen“ Literatur in Städte und Dörfer. Es wird vom Hessischen Literaturforum organisiert, das seine Räume im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm erst Anfang März wieder für Lesungen öffnet, derzeit wird dort renoviert.

          Wenn ein bestimmter Veranstalter für kurze Zeit aussetzen muss, fällt das angesichts der ungewöhnlichen Dichte und Qualität der Literaturtermine im Rhein-Main-Gebiet allerdings kaum auf. Dass die Hochschulen der Region zu diesem Eindruck einiges beitragen, macht sich in diesem Monat besonders bemerkbar. An der Frankfurter Goethe-Universität beginnt am 12. Januar die Poetikvorlesung des laufenden Wintersemesters. Der Dichter und Schriftsteller Marcel Beyer spricht bis zum 9. Februar jeweils dienstags von 18 Uhr an über „Das blinde (blindgeweinte) Jahrhundert“. Beyer kennt Frankfurt noch aus seinem nicht allzu weit zurückliegenden Jahr als Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. Das Amt hat vor ihm auch Katja Lange-Müller innegehabt, die ihm im Sommersemester als Poetikdozentin folgt, ehe sie im nächsten Winter an Ulrike Draesner übergibt.

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