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Literarische Größe : Genialer Geist: Vor 175 Jahren starb der junge Georg Büchner

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Zu Lebzeiten unterschätzt, starb der Wegbereiter des Naturalismus, Georg Büchner, bereits mit 23 Jahren. Bild: dpa

Er wurde nur 23 Jahre alt - und war doch einer der wegweisenden Autoren des 19. Jahrhunderts. Vor 175 Jahren starb Georg Büchner.

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          Er hat einst beim Sezieren von Flussbarben einen neuen Nerv entdeckt - und wurde als Revolutionär steckbrieflich gesucht. Als Schriftsteller hat der aus der Nähe von Darmstadt stammende Mediziner und Naturwissenschaftler lediglich drei Bühnenstücke und eine Erzählung hinterlassen. Und dennoch gehört der genauso aufmüpfige wie geniale Georg Büchner zu den bahnbrechenden Autoren des 19. Jahrhunderts.

          Nur 23 Jahre alt ist Büchner geworden. Vor genau 175 Jahren, am 19. Februar 1837, starb er im Exil in Zürich. Eine Typhus-Erkrankung setzte seinen kompromisslosen Texten, seinem Scharfsinn und seiner bis zur körperlichen Erschöpfung reichenden Arbeitswut jäh ein Ende. Seine Werke beschäftigen Theater und Literaturwissenschaft bis heute. Nicht nur die Sprache Büchners, der ähnlich wie Heinrich Heine auch ein großer Spötter war, ist modern geblieben. Auch seine Themen wie soziale Gerechtigkeit oder der Umgang mit psychisch Kranken sind weiterhin aktuell.

          Der Seele wegen erschuf er „Woyzeck“

          Mit seinem Fragment „Woyzeck“ hat Büchner ein Jahr vor seinem Tod das erste soziale Drama der deutschen Literatur geschaffen. Es geht um einen einfachen Soldaten, der von seinem Vorgesetzten zu medizinischen Versuchen missbraucht wird und monatelang Erbsen essen muss. Am Ende ersticht Woyzeck, der seine seelische Not nicht vermitteln kann, seine untreue Geliebte. Büchners erstes großes Drama „Dantons Tod“ - ein Stück über das Scheitern der Französischen Revolution - entsteht 1835.

          Die von ihm selbst angezettelte Revolte ist damals schon zu Ende. Mit seinem „Hessischen Landboten“ hatte er 1834 der Willkür der Fürsten unter dem berühmten Motto „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ den Kampf angesagt. Die revolutionäre Flugschrift wird mit einigem Erfolg in den Dörfern um Gießen verbreitet, wo Büchner Medizin und Philosophie studiert. Verhaftungen folgen. Doch anders als viele Mitverschwörer kann sich der forsche Büchner, als Sohn eines Arztes am 17. Oktober 1813 im südhessischen Dorf Goddelau bei Darmstadt geboren, den Behörden entziehen.

          Der Beginn einer akademischen Karriere - und der plötzliche Tod

          Als im Juni 1835 in den Zeitungen des Großherzogtums Hessen sein Steckbrief veröffentlicht wird, hat sich Büchner bereits ins benachbarte Frankreich nach Straßburg abgesetzt. Dort hatte er 1831 bereits mit dem Studium begonnen - und dort lebt auch seine Verlobte Minna Jaeglé. Neben der Erzählung „Lenz“, in der es um einen unglücklichen Dichter geht, arbeitet er am Lustspiel „Leonce und Lena“ und übersetzt Victor Hugos Dramen.

          In Zürich reicht er dann seine Promotion über die Barben ein und wird Privatdozent - es steht ihm eine glanzvolle akademische Karriere bevor. Anfang Februar 1837 erkrankt er plötzlich. Am 19. Februar - zwei Tage nach dem Eintreffen seiner Verlobten - stirbt er in der Spiegelgasse 12. Im Haus nebenan sollte 1916 - 80 Jahre später - Lenin wohnen.

          Erst posthum folgte der Ruhm

          So lange hat es auch fast gedauert, bis Georg Büchner als Schriftsteller entdeckt wurde. Sein jüngerer Bruder Ludwig veröffentlichte zwar 1850 einen Großteil des Nachlasses inklusive philosophischer und wissenschaftlicher Schriften. Bis „Dantons Tod“ dann aber auf der Bühne uraufgeführt wird, dauert es bis zum Jahr 1902. Der „Woyzeck“ ist erst 1913 dran.

          Büchners Dramen haben nachhaltig den deutschen Naturalismus - angefangen von Gerhart Hauptmann - und dann den Expressionismus beeinflusst. Der Leiter der Büchner-Forschungsstelle an der Universität Marburg, Prof. Burghard Dedner, stellt den „Woyzeck“ in eine Reihe mit Sophokles' „Ödipus“ oder Shakespeares „Hamlet“. Nicht umsonst ist nach Büchner die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands benannt.

          Auch „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki gehört seit frühester Jugend zu den Büchner-Fans. „Er versuchte und wagte, was man vor ihm in der deutschen Literatur und in der Weltliteratur kaum kannte“, lobte „MRR“ den „Woyzeck“ in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die 17 Bände umfassende Marburger Büchner-Ausgabe wird im Frühjahr 2013 beendet - rechtzeitig zum 200. Geburtstag Büchners im kommenden Jahr.

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