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Lira Bajramaj : Ein Glamour Girl auf dem Weg zurück

Aufsteigerin der EM? Lira Bajramaj übt gegen Japan schon mal auf dem Rücken von Celia Okoyino da Mbabi, die im Moment eine tragende Säule des DFB-Teams ist. Bild: AP

So wenig Gewicht wie bei der an diesem Mittwoch beginnenden Frauenfußball-EM hatte der FFC Frankfurt im Nationalteam schon lange nicht mehr. Doch vielleicht schafft Lira Bajramaj Besserung.

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          Der Blick auf die Startformation des deutschen Frauenfußball-Nationalteams zum EM-Auftakt am morgigen Donnerstag wird für Frankfurter Anhänger des Frauenfußballs sehr ungewohnt sein. Sangen in den vergangenen Jahren regelmäßig bis zu acht Spielerinnen des FFC Frankfurt auf dem Spielfeld die Nationalhymne bei Länderspielen mit, so sind es beim Auftaktspiel gegen die Niederlande (20.30 Uhr, ZDF) vermutlich gerade einmal drei Spielerinnen, die in der kommenden Spielzeit das Shirt des einstigen Serienmeisters und Bundesligadritten der abgelaufenen Saison tragen werden: Lediglich Saskia Bartusiak in der Abwehr, Dzsenifer Marozsan im Mittelfeld und die Neu-Frankfurterin Celia Okoyino da Mbabi im Sturm sind gesetzt. Zählt man Nadine Angerer, die sich zum Saisonende aus Frankfurt verabschiedet und soeben im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ihren Wechsel nach Australien bestätigt hat, großzügig hinzu, dann sind vier FFC-Spielerinnen dabei. So wenig Gewicht hatte der FFC schon lange nicht mehr in der deutschen Eliteauswahl, die als seit 1993 bei fünf Europameisterschaften in Serie unbezwungener Titelverteidiger ins Turnier startet.

          Die ungewohnt geringe Zahl an Stammspielerinnen, die auch Folge der verletzungsbedingten Ausfälle von Babett Peter und Kim Kulig ist, entspricht der sportlichen Negativentwicklung des FFC in den vergangenen Jahren. Dennoch bildet der Klub weiterhin den größten Block innerhalb des Nationalteams, im gesamten Kader ist der FFC dank fünf Ersatzspielerinnen ohnehin noch immer sehr stark vertreten. Während Simone Laudehr, Melanie Behringer, Bianca Schmidt oder Svenja Huth dabei nur geringe Einsatzchancen haben dürften, könnte Lira Bajramaj im Turnierverlauf womöglich zur Aufsteigerin im Team werden - eine ungewohnte Rolle für die Außenbahnspielerin.

          Sie genieße es, nicht im Mittelpunkt zu stehen

          Aber derzeit ist ohnehin vieles ungewohnt für die 25 Jahre alte Offensivspielerin. Zum Beispiel auch in der vergangenen Woche beim Medientag des deutschen Frauenfußball-Nationalteam. Vor der WM im eigenen Land waren vergleichbare Veranstaltungen Termine, bei denen Lira Bajramaj im Mittelpunkt stand. Die 25 Jahre alte Offensivspielerin des FFC Frankfurt war das Glamourgirl des deutschen Frauenfußballs, als Dritte der Wahl zur Fußballspielerin hatte sie auch international eine herausragende Reputation - bis sie dann die WM wegen eines Formtiefs nur als Ersatzspielerin erlebte. Viele vermuteten, dass sie den Hype um ihre Person mit unzähligen Fernseh- und Werbeterminen nicht verkraftet hatte.

          Diese Gefahr besteht nun erst einmal nicht. Beim Medientermin in München war Lira Bajramaj nur eine unter vielen, das Fernsehen nahm sie nur ganz kurz in Beschlag, teilweise saß sie ungefragt an ihrem Tisch. „Das ist doch schön, dass die vielen jungen Mädels bei uns derzeit mal mehr im Mittelpunkt sind“, sagt sie. „Mir macht das nichts aus. Ich genieße das sogar.“ Auch auf dem Spielfeld ist Lira Bajramaj derzeit nur Ergänzungsspielerin. Und das hat vornehmlich mit ihrer langen Verletzungspause zu tun. Im vergangenen Herbst war ihr das Kreuzband gerissen. Mehr als ein halbes Jahr lang kämpfte sie sich zurück zu alter Fitness. Während der Bundesligasaison kam sie gar nicht mehr zum Einsatz, es reichte lediglich noch für ein Spiel im Zweitligateam des FFC. „Ich bin glücklich und stolz, dass ich nun überhaupt nominiert wurde für die EM“, sagt die aus dem Kosovo stammende Fußballspielerin. Bei den drei Testspielsiegen des Nationalteams gegen Schottland, Kanada und Japan zeigte sie jeweils nach ihren Einwechslungen, dass sie das deutsche Spiel bereichern kann mit ihren Dribblings. Bundestrainerin Silvia Neid dürfte aber auch noch einen Mangel an Geradlinigkeit und Entschlossenheit im Abschluss festgestellt haben. „Ich bin zwar vollkommen fit. Mir fehlen aber immer noch ein paar Prozent, die man nur durch Spiele bekommen kann“, sagt die Stürmerin. Für den FFC wird sie entgegen anderslautenden Gerüchten nach eigenen Worten auch in der kommenden Spielzeit auflaufen. „Ich bleibe, weil wir nun endlich einen erfahrenen Trainer haben“, sagt sie. „Unter Philipp Dahm würde ich sicher nicht mehr für den FFC auflaufen.“ Dahm hatte das Team in der vergangenen Saison betreut, war aber kurz vor Ende der Spielzeit beurlaubt worden. Der mittlerweile beim 1. FC Kaiserslautern als Trainer der männlichen U 17 arbeitende Coach reagierte gelassen auf die Aussagen. „Ich muss da nichts groß kommentieren“, sagte er. „Vielleicht projiziert manchmal eine Spielerin ihre Probleme auf den Trainer.“

          Lira Bajramaj will auch nicht mehr verraten zu ihren Schwierigkeiten mit Dahm, in dessen Amtszeit sie großteils verletzt ausgefallen war. Stattdessen will sie Taten sprechen lassen. Bei der EM will sie sich in den Gruppenspielen gegen die Niederlande, Island und Norwegen über Kurzeinsätze empfehlen, um in den entscheidenden Spielen vom Viertelfinale an vielleicht in die Startformation zu rücken. Dann stünde sie am Ende der EM vielleicht doch wieder mehr im Mittelpunkt.

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