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Linsengericht : Bürger bringen Windkraftpläne zu Fall

  • -Aktualisiert am

Windkraft, nein danke: In Linsengericht, hier der Ortsteil Großenhausen, sind Windräder unerwünscht Bild: Wohlfahrt, Rainer

In Linsengericht will eine klare Mehrheit keine Anlagen auf Gemeindegrund. Die CDU fordert den Landrat auf, einen Energiegipfel einzuberufen.

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          Die Bürger von Linsengericht haben sich in einer Befragung klar gegen den Bau von Windkraftanlagen auf dem 481 Meter hohen Franzosenkopf ausgesprochen. 59 Prozent der Bürger, die sich an der Abstimmung beteiligten, lehnten die Windräder an der hessisch-bayerischen Grenze ab. Politiker von SPD und Grünen, die für das von der Gemeinde geplante Projekt gekämpft hatten, äußerten, dass damit die Nutzung der Windkraft in Linsengericht hinfällig sei - zumindest vorläufig, so die Meinung der Grünen.

          Selbst die Windkraftgegner hatten nicht an eine so hohe Beteiligung an der Befragung geglaubt: Mehr als zwei Drittel der 8253 Wahlberechtigten hatten die Befragungsunterlagen an die Gemeinde zurückgeschickt. Mit ihrer Forderung, die Abstimmung mit der Bundestags- und Landtagswahl zusammenzulegen, war die Bürgerinitiative Windkraft im Spessart Linsengericht/Biebergemünd nicht durchgekommen. Umso größer war am Dienstagabend die Freude ihrer Vertreter über die hohe Bürgerbeteiligung. Als schließlich in der Zehntscheune des Ortsteils Altenhaßlau die Stimmen ausgezählt waren, brach Jubel aus. Er zeigte, das die Befürworter auch im Saal deutlich in der Minderheit waren. „Ich hatte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet“, sagte Rolf Zimmermann von der Bürgerinitiative.

          Attacke von Landrat Pipa

          Der Abstimmung vorausgegangen waren harte Diskussionen, die häufig von persönlichen Angriffen begleitet wurden. Landrat Erich Pipa (SPD), der es ablehnte, sich in die gemeindlichen Angelegenheiten einzumischen und die Windkraft-Planungen überörtlich aufeinander abzustimmen, attackierte die Gegner scharf. Die Befürworter, voran Bürgermeister Albert Ungermann (SPD), verteidigten die Planungen mit der Notwendigkeit, die Energiewende zu unterstützen, und mit den finanziellen Vorteilen von Windrädern für den Kommunalhaushalt.

          Stärker zogen aber offenbar die Argumente der von CDU und Bürgerliste BGL unterstützten Gegner, die gründlichere Untersuchungen zu den Folgen des Baus von Windkraftanlagen und größere Abstände zu Siedlungen forderten. Sie befürchteten eine Verschandelung der Spessartlandschaft, die Zerstörung von Wald mit schwerwiegenden Folgen für die Tierwelt und mögliche Gesundheitsgefahren für Menschen in den nahen Gebieten. Dass sich auch der angesehene Altbürgermeister Theo Ratzka gegen die Windkraftanlagen aussprach, dürfte zu dem klaren Ergebnis beigetragen haben.

          Die CDU-Kreistagsfraktion nahm das Ergebnis der Bürgerbefragung zum Anlass, Pipa abermals zum Handeln aufzufordern. „Noch vor wenigen Tagen hat der Landrat im Kreistag erklärt, bei den diversen Bürgerinitiativen handele es sich lediglich um Partikularinteressen Einzelner. Die Bürgerbefragung in Linsengericht hat genau das Gegenteil bewiesen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Michael Reul. Angesichts der hohen Bürgerbeteiligung und der klaren Ablehnung wirkten die Angaben Pipas realitätsfern, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Peter Tauber. Der Bürgerwille sei eindeutig.

          Ergebnis eine Zäsur

          Für die weitere Planung neuer Windräder müsse das Linsengerichter Ergebnis eine Zäsur darstellen, sagte Reul. „Die Energiewende funktioniert nur mit den Menschen und nicht gegen sie. Der Landrat und alle Kommunen müssen die Bürger frühzeitig in ihre Planungen einbeziehen.“ Die Hinterzimmerpolitik sei endgültig gescheitert, meinte Reul.

          Reul und Tauber wiederholten die Forderung nach einem kommunalen Energiegipfel, den SPD, Grüne und Freie Wähler abgelehnt hätten. Nun sei es an der Zeit, diesen Beschluss zu revidieren. Alle Beteiligten müssten an einen Tisch und die Bemühungen um die Einführung regenerativer Energien koordiniert werden. Dies wäre eine große Chance, die Energiewende im Main-Kinzig-Kreis im Einklang mit der Bevölkerung zum Erfolg zu führen.

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