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Limburger Bischof Tebartz-van Elst : „Der Bischof ist ein raffinierter Betrüger oder krank“

  • Aktualisiert am

„Er ist entweder ein raffinierter Betrüger oder krank“: Der ehemalige hessische Staatsminister Jochen Riebel (l., bei der Ernennung zum KOmtur des päpstlichen Gregoriusordens) greift Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst (r.) scharf an Bild: Bistum Limburg

Die 31 Millionen Euro für den Wohn- und Dienstsitz des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst stammen vor allem aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls. Der Vermögensverwaltungsrat Jochen Riebel, einst Leiter der hessischen Staatskanzlei, kritisiert den Bischof im Interview sehr direkt.

          Der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls, dem Sie angehören, hält dem Limburger Bischof vor, ihn hinters Licht geführt zu haben. Inwiefern wurden Sie getäuscht?

          Wir, die drei Mitglieder des Rats, haben das erklärt, in der Tat. Wir sind nicht so informiert worden, wie das nach der Satzung des Bischöflichen Stuhls notwendig gewesen wäre. Es gab keine Haushalte für 2012 und für 2013 oder die Vorlage von Einzelprojekten zur Genehmigung.

          Und dafür ist der Bischof verantwortlich?

          Ja. Wir haben die Vorlage von Haushaltsplänen oder Einzelgenehmigungen wiederholt angemahnt, aber es ist nichts geschehen.

          Hätten Sie nicht genauer nachfragen müssen?

          Der Vermögensverwaltungsrat hat keine Nachforschungspflicht, sondern der Bischof hat die Pflicht, uns alles vorzulegen, was nötig ist. Und das ist erst jetzt, in der jüngsten Sitzung am Montag, passiert.

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          Richten sich Ihre Vorwürfe nur gegen den Bischof oder auch gegen die Verwaltung, sprich gegen den Generalvikar?

          Ausdrücklich gegen den Bischof.

          Und der ist dem Vermögensverwaltungsrat gegenüber rechenschaftspflichtig?

          So ist es. Ohne die Genehmigung eines Haushaltsplans oder eines Einzelprojekts kann der Bischof eigentlich keine 50 Cent ausgeben.

          Betrifft Ihre Kritik auch jene 2,5 Millionen Euro, die aus dem Bistumshaushalt für das Bauprojekt zur Verfügung stehen?

          Nein, dazu können wir nichts sagen.

          Bis zu welcher Größenordnung war das Projekt genehmigt?

          Überhaupt nicht. Das Letzte war der Haushalt 2011, darin war lediglich eine Anfinanzierung in Höhe von 600.000 oder allenfalls 800.000 Euro aufgeführt. Damals war ich nicht beteiligt. Danach gab es keinen Haushalt mehr.

          Hätte der Vermögensverwaltungsrat dies aber nicht einfordern müssen?

          Wir haben das, wie gesagt, wiederholt angemahnt. Und dann müssen Sie auch bedenken: Wäre ich in den Vermögensverwaltungsrat der Mafia in Palermo berufen worden, wäre ich mit der Einstellung hingegangen: Riebel, sei wachsam. Bei jedem Satz, der gesagt wird, musst du aufpassen, dass du nicht beschissen wirst. Wenn ich aber in ein solches Gremium eines Bischofs gehe, dann unterstelle ich nicht, dass dort nicht korrekt gearbeitet wird. Dann gehe ich davon aus, dass sich ein Bischof wie ein Ehrenmann verhält.

          Wie erklären Sie, nach Durchsicht der Unterlagen, dass die Kosten, gemessen an der ursprünglichen Kalkulation, im Laufe der Jahre auf das Zehnfache stiegen?

          Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist. Ein normal denkender Mensch veranlasst solche Ausgaben, wie wir sie vorgelegt bekommen haben, nicht.

          Meinen Sie besonders luxuriöse Ausstattungen?

          Auch.

          Die Residenz mitsamt angebauter Kapelle in der Außenansicht. Bilderstrecke

          Sind Sie vom Bischof enttäuscht?

          Ich habe keinen Zugang zu einem solchen Verhalten.

          Welches Verhalten meinen Sie?

          Dass jemand in den Felsen ein Untergeschoss einfräsen lässt, das kann ich noch nachvollziehen. Aber dass als weitere Wohnräume des Bischofs unter dieses Untergeschoss noch ein weiteres Geschoss für immense Kosten ausgefräst wird, dafür habe ich kein Verständnis mehr. Das weiß ich erst seit wenigen Tagen, nachdem mir der Baumeister die Pläne vorgelegt hat.

          Welche Konsequenzen sollte der Bischof Ihrer Meinung nach nun ziehen?

          Das müssen der Bischof und der Heilige Vater in Rom entscheiden. Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar.

          Die Fragen stellten Helmut Schwan und Stefan Toepfer.

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