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Limburger Bischof Tebartz-van Elst : Ausweg Amtsverzicht

  • -Aktualisiert am

Das Bischofshaus gegenüber dem Limburger Dom: Muss Tebartz-van Elst das Bistum bald verlassen? Bild: dpa

Erst die horrenden Summen für den Dienst- und Wohnsitz, dann ein Strafbefehl - das Vertrauen in den Bischof von Limburg schrumpft, und ebenso wohl die Zeit, die Tebartz-van Elst Bischof ist.

          Dass Franz-Peter Tebartz-van Elst weiter Bischof von Limburg bleiben kann, ist schon angesichts der Vorgänge um seinen Wohn- und Dienstsitz nicht mehr vorstellbar. Nun kommt noch der Antrag auf Strafbefehl durch die Hamburger Staatsanwaltschaft dazu, in dessen Zentrum eidesstattlich versicherte Aussagen des Bischofs zu seinem Erste-Klasse-Flug nach Indien stehen, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft schlicht falsch sind.

          Auch dies sollte den Bischof dazu bewegen, sein Amt niederzulegen, denn er hat nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera: Würde ein Strafbefehl erlassen und der Bischof Einspruch einlegen (was sein Recht ist), käme es wohl zu einer Hauptverhandlung vor Gericht, nähme er den Strafbefehl an, würde er als vorbestraft gelten. Wie aber soll ein Bischof in einer solchen Situation ein Bistum kraftvoll führen?

          Causa wird im Vatikan besprochen

          Längst ist die ganze Angelegenheit über die Diözese hinaus relevant und von öffentlichem Interesse. Die Kirche insgesamt nimmt Schaden. Das Kapital von Geistlichen, den führenden zumal, ist Vertrauen. Und das hat der Limburger Bischof verspielt, sowohl in Sachen Bauprojekt wie in Sachen Umgang mit dem Indien-Flug. Deswegen sollte er einen Befreiungsschlag unternehmen und dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten. Es ist der einzige Ausweg für Tebartz-van Elst, sich selbst, das Bistum und die Kirche vor weiterem Ungemach zu bewahren.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz will die Causa in der nächsten Woche mit dem Papst und in der Kurie besprechen. Ein Gesprächspartner dürfte auch Kardinal Lajolo sein, der sich im September als päpstlicher Gesandter ein deutliches Bild von der Krise im Bistum machen konnte.

          Fraglich, wieviel Zeit dem Bischof bleibt

          Es sieht derzeit nicht danach aus, das der Bischof schon vorher sein Amt freiwillig abgibt. Bei einem Treffen mit Priestern hat Tebartz-van Elst das dem Vernehmen nach vor kurzem abgelehnt. Und der Bistumssprecher wiederholt, dass der Bischof, der Verabredung mit dem Domkapitel und dem päpstlichen Gesandten Kardinal Lajolo gemäß, den Bericht jener Kommission der Bischofskonferenz abwarten wolle, die nun die Finanzierung des Bauprojekts prüfen will.

          Doch die ganze Angelegenheit hat inzwischen eine Dimension angenommen, die es unwahrscheinlich erscheinen lässt, dass der Bischof noch so viel Zeit haben wird – oder dass ihm der Vatikan ihm noch so viel Zeit lässt.

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