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Liegefahrräder aus Kriftel : Am Anfang ging das Licht aus

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In der Horizontalen: HP-Velotechnik aus Kriftel hat sich auf Liegefahrräder spezialisiert. Bild: Kretzer, Michael

Ihre ersten Liegeräder haben Paul Hollants und Daniel Pulvermüller in der Garage der Eltern gebastelt. Inzwischen bauen sie 1700 Räder im Jahr.

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          Eine gute Idee, Fachwissen und Geld – dieser Dreiklang entscheidet darüber, ob eine Unternehmensgründung Erfolg hat. Im Fall des Liegeradherstellers HP-Velotechnik aus Kriftel hatten Paul Hollants und Daniel Pulvermüller schon als Teenager die Idee und das handwerkliche Geschick, das erste Geld bekamen sie dann Jahre später in Form eines Kredits von der Taunus Sparkasse. Heute ist HP-Velotechnik europaweit führender Hersteller von Liegerädern. Das Unternehmen hat 30 Mitarbeiter, produziert 1700 Räder im Jahr und setzt vier Millionen Euro um. Das Geschäftskonzept beruht auf dem Gedanken, Premiumqualität anzubieten und sich die gut bezahlen zu lassen. Ein Liegerad, das komplett nach den Vorstellungen des Kunden gebaut wird, kostet mindestens 3500 Euro. Die motorbetriebenen E-Bikes sind von 7000 Euro an zu haben.

          Paul Hollants, heute Geschäftsführer von HP-Velotechnik, war 18 Jahre alt, als er 1992 den Bundeswettbewerb des Vereins Deutscher Ingenieure „Jugend und Technik“ gewann. Zusammen mit Daniel Pulvermüller wollte er ein überdachtes Fahrrad konstruieren. Aus Gründen der Aerodynamik bauten sie ein Dreirad mit komfortabler Liegeposition. Und stellten dabei fest, dass Liegeräder schon vor 100Jahren existiert hatten, in den dreißiger Jahren aber mit dem Aufkommen des heute gängigen Fahrrads aus der Mode gekommen waren. Der Entwurf und der Prototyp der beiden Jungen setzten sich durch in dem Wettbewerb. Auf der Ausstellung der Sieger zeigten erste Käufer Interesse.

          Schon 1994 ging es in die Massenproduktion

          Das Dach verschwand, aber das Liegerad wurde zur Geschäftsidee, und 1993 gründeten die beiden Tüftler ihr Unternehmen HP-Velotechnik. HP steht einerseits für die Anfangsbuchstaben der beiden Nachnamen. Andererseits bedeutet die Abkürzung HPV „human powered vehicle“. Als Kreditgeber fand sich die Taunus-Sparkasse, die sich von der Idee der Schüler überzeugen ließ. Sie streckte 5000 Mark vor, damit die beiden eine gebrauchte Drehmaschine kaufen konnten. Die tonnenschwere Maschine wurde in die Garage der Pulvermüllers geliefert. „Am Anfang bekam die ganze Gemeinde mit, wenn wir Metallrahmen herstellten“, erzählt Hollants. „Die Maschine brauchte so viel Spannung, dass immer kurz das Licht ausging, wenn wir sie eingeschaltet haben.“ Das Geld, das sie mit den ersten selbstproduzierten Liegerädern verdienten, investierten sie weiter. Ihr Wirtschaftskundelehrer gehörte zu den ersten Kunden. Nebenher begannen sie an der TU Darmstadt zu studieren: Hollants Wirtschaftsingenieurwesen und Pulvermüller Maschinenbau. Er entwickelt bis heute die neuen Modelle.

          Den Schritt von der Garagenwerkstatt zur industriellen Fertigung gingen sie schon 1994. Auf einer Messe kamen die Jungunternehmer in Kontakt mit einem Rahmenproduzenten aus Taiwan, wo die meisten Fahrradfirmen vorproduzieren lassen. Um entsprechende Stückzahlen in Taiwan zu bestellen, gewährte die Sparkasse einen weiteren Kredit von 30000 Mark, für den Pulvermüllers Vater bürgte. Seither hat sich HP-Velotechnik als führender Liegeradhersteller etabliert.

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